Das Geld liegt auf der Straße

Alle Straßen- und Fernbahntunnel in Deutschland haben zusammen eine Länge von 600 Kilometern, außerdem gibt es rund 69000 Brücken. Diese Verkehrsbauten müssen aus Sicherheitsgründen regelmäßig überprüft werden. Das übernimmt hierzulande oft die Wemo-tec GmbH aus dem osthessischen Eichenzell. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der in Europa führende Dienstleister auf dem Nischenmarkt der Überprüfung und Instandhaltung von Brücken und Tunneln. Man besitze und vermiete – oft einschließlich Bedienpersonal – knapp sechzig Brückenuntersichtgeräte, sagt Geschäftsführer Joachim Nießner. Vor allem der stark gestiegene Güterverkehr mit immer schwereren Transportfahrzeugen stellt für die Verkehrsbauwerke eine enorme Belastung dar. „Daher müssen Ingenieure die Tunnel und Brücken in Deutschland im Abstand von sechs Jahren in einer Hauptprüfung prüfen“, erklärt Nießner. Alle drei Jahre finde zudem eine einfache Prüfung statt. Das sind schwierige Unterfangen, da vor allem Brücken an einigen Stellen schwer zugänglich sind.

Fast alle Maschinen stammen von der Moog GmbH aus dem baden-württembergischen Deggenhausertal nahe dem Bodensee. „Unser Unternehmen entwickelt und baut die Maschinen komplett selbst, da sie an die Bedürfnisse unserer Kunden angepasst werden müssen“, erklärt Geschäftsführerin Christine Moog. „Wir fertigen etwa 15 bis 20 Maschinen jährlich für den weltweiten Markt.“ Der deutsche Markt sei schon so gesättigt, dass das Auslandsgeschäft 80 bis 85 Prozent des Jahresumsatzes von rund 4,5 Millionen Euro ausmache. Mit einem Anteil von 35 Prozent ist das Unternehmen nach eigenen Angaben Weltmarktführer. Einer der größten Aufträge der Unternehmensgeschichte war mit 2 Millionen Euro 2009 die Auslieferung von Brückenbesichtigungswagen für die Stonecutters Bridge in Hongkong.

Die Maschinen müssen äußerst flexibel sein, damit sie schwer zugängliche Stellen erreichen können. Mit mehr als einer Million Euro ist das Inspektionsgerät TUA 1600T von Moog, das 26 Tonnen wiegt, eine der teuersten Maschinen im Portfolio von Wemo-tec. Es verfügt über drei Arbeitsbühnen in unterschiedlicher Höhe; die höchste erreicht 16 Meter. „Eine weitere Besonderheit ist die Kabine hinter dem Führerhaus, die Nachtschichten und das Arbeiten über einen längeren Zeitraum ermöglicht“, erklärt Nießner. Sie beinhalte sogar sanitäre Einrichtungen.

Nießner erzählt von einem spektakulären Einsatz im Münchner Hauptbahnhof im November. Dort verlaufen die Hackerbrücke, die Donnersbergerbrücke und die Friedenheimer Brücke über dem in den Bahnhof einlaufenden Gleispaket. Man hatte sich entschieden, sie von unten, vom Gleis aus zu prüfen. „Unser TUA musste dazu ständig das Gleis wechseln, um alle Stellen zu erreichen. Wir fuhren also ständig zwischen all den Zügen mit unserem Gerät umher.“ Die Mietkosten für den TUA belaufen sich einschließlich Bedienpersonal auf 2000 Euro am Tag. Mit der Vermietung von Geräten macht das Unternehmen einen Jahresumsatz von 6,7 Millionen Euro. Weitere Geschäftsfelder sind der Gerüstbau und die Bereitstellung von Hubarbeitsbühnen. Insgesamt erwirtschaften die 160 Mitarbeiter einen Umsatz von 17 Millionen Euro im Jahr.

Informationen zum Beitrag

Titel
Das Geld liegt auf der Straße
Autor
Felix Günther
Schule
Winfriedschule , Fulda
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance