Daniel Düsentriebs Helferlein

Patentvermarktung

Erfindern mangelt es oft an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, um ihre Erfindung an den Kunden zu bringen. Aus diesem Defizit hat die Erfinderhaus Patentvermarktungs GmbH ein Geschäftsmodell gemacht. „Wir beraten und begleiten Menschen mit ihren innovativen Ideen und positionieren ihre Produkte auf dem internationalen Markt“, erklärt Pressemitarbeiterin Katharina Krist. Eine Beratung läuft so ab, dass nach einem Innovationscheck im Internet ein Projektmanager mit dem Erfinder ein Erstgespräch führt. Dann wird ermittelt, ob die Erfindung technisch machbar ist; es werden schutzrechtliche Fragen geklärt und eine Vermarktungsstrategie erarbeitet. „Kann ein Schutzrecht angemeldet werden, dann besteht die Möglichkeit zum Abschluss eines Kooperationsvertrages“, erklärt Marijan Jordan.

Er gründete Erfinderhaus vor fünfzehn Jahren mit Studienkollege Gerhard Muthenthaler in Salzburg. Sechs Jahre später zog es sie dann in das kreative Berlin. Dort sind inzwischen mehr als 30 Mitarbeiter tätig. 2008 eröffneten sie in Salzburg eine Zweigstelle, wo nun elf Mitarbeiter arbeiten. Außerdem hat das Unternehmen nach Miami expandiert. In Zukunft will man weitere Auslandsmärkte, zum Beispiel Südkorea und Japan, erschließen.

Das umfassende Angebot, das einen Marktplatz, einen Testmarkt, Dienstleistungen und internationale Kontakte umfasse, sei im deutschsprachigen Raum konkurrenzlos, versichert Jordan. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,6 Millionen Euro. Für 2013 erwartet man einen Zuwachs von 60 bis 70 Prozent.

Waren die Kunden von Erfinderhaus vor einigen Jahren noch überwiegend männlich, so sind es inzwischen in etwa gleich viele Frauen und Männer. „Wir bekommen täglich rund zehn Anfragen; doch nur wenige Innovationen, Erfindungen und fertige Produkte bergen Potential. Jährlich werden etwa 200 neue Produkte und Innovationen vermarktet“, berichtet Krist. Wenn sich die Innovationen auf dem Markt bewähren, dann wird Erfinderhaus an Einnahmen aus einer Lizenzvergabe oder einem Schutzrechteverkauf mit 25 Prozent beteiligt.

Ein Kunde ist die ACE Handels- und Entwicklungs GmbH, die über Erfinderhaus ein elektronisches Alkoholmessgerät im Hosentaschenformat vertreibt. „Seit neun Jahren arbeiten wir nun an dieser Vision“, sagt Geschäftsführer Klaus Forsthofer. Seine Entscheidung, sie zusammen mit Erfinderhaus zu verwirklichen, begründet er auch mit Zeitersparnis und den guten Kontakten des Dienstleisters. „Erfinderhaus hat uns mit den richtigen Sensor-Ingenieuren in Asien zusammengebracht.“ Erfinderhaus behauptet, jeden Erfinder unterstützen zu wollen – ob er Geld hat oder nicht. „Wir können auch einem Hartz-IV-Empfänger helfen, seine Erfindung zu verwirklichen.“

Vor allem ein neues Geschäftskonzept hat Erfinderhaus einen großen Umsatzanstieg beschert: die 2010 und 2011 in Berlin und Salzburg eröffneten Erfinderläden sowie der 2012 entstandene Großhandel. Durch den Verkauf wird ein Testmarkt geschaffen für Produkte, die es wegen geringer Stückzahlen nicht in das Sortiment größerer Geschäfte schaffen können. Für die Erfinderläden reichen Stückzahlen von 500 bis 1000. Wenn sich eine Erfindung gut vermarktet, dann kann man sie in größeren Mengen herstellen. Das gilt zum Beispiel für die „Alpenluft in der Dose“. Sie ist mit echter Alpenluft gefüllt; bei einem Einzelauftrag erreichte sie eine Stückzahl von gut 5000. Wegen der Erfinderläden gibt es nun mehr Anfragen für einfache Erfindungen. Diese bringen geringere Gewinnmargen. Manche Produkte würden zunächst nur kostendeckend und darunter verkauft, um zu beweisen, dass das Produkt ankomme, sagt Krist

Informationen zum Beitrag

Titel
Daniel Düsentriebs Helferlein
Autor
Laura Pahle
Schule
Albert-Schweitzer-Gymnasium , Kaiserslautern
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance