Erklären ist einfach schwierig

Auf den ersten Blick ist es ganz simpel, wie der Name Simpleshow schon sagt. In einem Kurzfilm schieben zwei Hände schlichte Schwarz-Weiß-Illustrationen auf einem weißen Hintergrund hin und her. Die Simpleshow GmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, komplizierte Sachverhalte in kurzen einfachen Videos zu vermitteln. Mit ihnen kann ein Auftraggeber eine Botschaft oder seine Produkte innerhalb von nur wenigen Minuten Mitarbeitern oder Kunden näherbringen. Dieses neue Konzept der Informationsvermittlung scheint zu funktionieren: Videos von Simpleshow gibt es nach Angaben des Unternehmens inzwischen in mehr als vierzig Sprachen, sie werden überall auf der Welt eingesetzt. Seit der Gründung im Jahr 2008 sei das Unternehmen jedes Jahr um 100 Prozent gewachsen.

Nach Angaben von Jens Schmelzle, einem der drei Geschäftsführer, wird die Simpleshow am häufigsten in der internen Kommunikation verwendet, zum Beispiel um Umstrukturierungen innerhalb eines Unternehmens in kurzer Zeit und ohne großen Personalaufwand zu erklären. Gerade große Konzerne hätten viel Bedarf, ihren Mitarbeitern komplexe Sachverhalte in kurzer Zeit zu erläutern, erklärt Schmelzle – und verweist darauf, dass inzwischen mehr als die Hälfte der im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzerne Kunden von Simpleshow seien. Wichtig sei dabei ein sympathisches Format. „Das führt nicht nur zu dem Effekt, dass die Botschaft besser verstanden wird, sondern spart am Ende sogar richtig Geld.“

Schmelzle gründete während des Studiums an der Hochschule der Medien in Stuttgart mit zwei Studienfreunden zunächst ein kleines Plattenlabel. „Mein Traum war es, Musiker zu werden“, erzählt der 31-Jährige. Gemeinsam eröffnete man auch eine Medienagentur. Eines Tages kam dann der Auftrag, der alles veränderte. Ein Kunde bestellte einen Film, der eine Software erklären sollte. „Eine Freundin hat uns die Zeichnungen erstellt, ein Freund hatte die Kamera, mit der wir den ersten Papierclip produzierten“, erzählt Schmelzle. Sie konzentrierten sich auf das Wesentliche, verwendeten weder Farbe noch Animationen. Es dauerte nicht lange, und die jungen Unternehmer bekamen weitere Aufträge für Videos. Schon bald spezialisierten sie sich darauf.

Mittlerweile beschäftigt Simpleshow rund 100 Mitarbeiter, 50 festangestellte und 50 freie. Die Hauptstandorte des Unternehmens sind Stuttgart und Berlin, auch in London gibt es eine Niederlassung. Außerdem hat man in Singapur und New York Partner lizenziert, die die Kunden vor Ort betreuen. Standards werden von Deutschland aus vorgeschrieben und kontrolliert.

Der Herstellungsprozess der „einfachen“ Videos ist komplex. Zunächst macht man sich an den Text: Nachdem der Kunde sein oft kompliziertes Thema dargestellt hat, bringen es die Mitarbeiter in eine komprimierte und gut verständliche Form. Dann wird das Storyboard erstellt. Dabei wird der Text in Form von einfachen Strichzeichnungen visualisiert. Zu guter Letzt werden die Videoclips gedreht. Alle Arbeitsschritte dauern etwa 15Tage. Hinzu kommt die Zeit, die der Kunde benötigt, um die Entwürfe zu prüfen. Insgesamt dauert es rund sechs Wochen, um ein komplettes Projekt zu verwirklichen.

Beteiligt sind Konzeptoren, Illustratoren, Cutter, Sprecher, Produktionsassistenten und Sounddesigner. Gebraucht wird auch ein Hand-Model, das die Strichzeichnungen auf dem weißen Hintergrund hin und her schiebt. In einer firmeneigenen Akademie lernen die Mitarbeiter, die Videos zu gestalten.

Ein Video im klassischen Stil mit bis zu drei Minuten Länge kostet den Kunden 8000 Euro plus Mehrwertsteuer. Der Kunde kann seinen Auftrag beliebig oft ändern lassen, ohne dass sich am Preis etwas ändert. Inzwischen betreut Simpleshow gut 500 Kunden auf der ganzen Welt, sie kommen aus vielen verschiedenen Branchen. „Wir arbeiten nicht nur für Autohersteller wie Mercedes-Benz, BMW, Audi, Volkswagen und Porsche, sondern auch für deren Zulieferer Bosch, Mahle, Mann+Hummel und ZF“, sagt Schmelzle. Auch soziale Institutionen und Stiftungen setzten die Videos ein. Neben den Dax-Konzernen stünden ausländische Weltkonzerne wie Ebay, American Express, McDonald’s, Red Bull und Procter&Gamble auf der Kundenliste. Mit mehr als 1000 jährlich hergestellten Videoclips erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz im mittleren siebenstelligen Bereich. Derzeit sei man Weltmarktführer, sagt Schmelzle. Doch versuchten andere, das Konzept zu kopieren.

Informationen zum Beitrag

Titel
Erklären ist einfach schwierig
Autor
Anna Bohnert
Schule
Heimschule Lender , Sasbach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance