Des einen Brot ist des anderen Not

Rasch beim Bäcker ein Brot kaufen: Für viele ist das etwas ganz Alltägliches, nicht jedoch für Menschen, die unter Zöliakie leiden. Diese Diagnose trifft in Deutschland rund 400000 Personen. Erkrankte vertragen das Protein Gluten nicht, das in vielen Getreidesorten und vor allem im Weizen enthalten ist. Da in vielen Lebensmitteln Weizen verarbeitet wird, ist es schwierig, sich glutenfrei zu ernähren. Die Unternehmensgruppe Dr. Schär AG aus Burgstall in Südtirol produziert glutenfreie Nahrung, steht Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite und bietet mit den Marken Schär, Glutano, Glutafin, DS-glutenfree, Trufree und Beiker ein umfassendes Sortiment an glutenfreier Nahrung an – von Brot und Brötchen über Kekse bis hin zu Pizzen.

In Deutschland habe man einen Anteil am Markt für glutenfreie Produkte von 65 Prozent und in Italien von 45 Prozent; in anderen europäischen Ländern liege er zwischen 35 und 40 Prozent. Damit sei man in Europa Marktführer, teilt das Unternehmen mit. Den Umsatz steigerte Dr. Schär von 55 Millionen Euro vor zehn Jahren über 110 Millionen Euro im Jahr 2010 auf derzeit 200 Millionen Euro. „Mit welchen Produkten man den höchsten Gewinn erzielt, hängt sehr vom jeweiligen Land ab“, sagt Ulrich Ladurner, Gründer und Geschäftsführer. „In Italien wird viel Teig verkauft, in Deutschland viel Brot.“

Glutenfreies Brot ist deutlich teurer als weizenhaltiges. „So ist die Rezeptur eines glutenfreien Brotes viel komplexer als die eines weizenhaltigen Brotes. Bis man ein glutenfreies Brot hinbekommt, das wie ein glutenhaltiges Brot schmeckt, braucht man viel mehr Zutaten“, erklärt Ladurner. Ein normales Brot besteht aus Weizenmehl, Wasser, Salz und Hefe, während in einem glutenfreien Brot Maisstärke, Reismehl, Lupinenprotein, Dextrose, Apfelfaser, Verdickungsmittel und noch andere Zusatzstoffe enthalten sind.

Zudem ist glutenfreies Mais- oder Reismehl mit 4 bis 13 Euro je Kilogramm viel teurer als Weizenmehl. Das liegt daran, dass ein Landwirt, der Mais anbaut, mehr Aufwand und weniger Ertrag hat als ein Bauer, der Weizen erntet. Der hohe Preis komme auch daher, dass glutenfreies Brot nur für eine kleine Gruppe produziert werde, sagt Ladurner. Der Kundenkreis bestand vor zwanzig Jahren hauptsächlich aus Kindern, heute sind es vor allem Frauen zwischen vierzig und sechzig Jahren. Die Branche verfügt über Wachstumspotential, weil viele Menschen noch gar nicht wissen, dass sie an Zöliakie leiden. Denn die Symptome können sehr verschieden sein. „In einer Umfrage wussten gerade einmal 7 Prozent der Befragten mit dem Begriff Zöliakie etwas anzufangen“, fügt Ladurner hinzu.

Informationen zum Beitrag

Titel
Des einen Brot ist des anderen Not
Autor
Julia Kirn
Schule
Theodor-Heuss-Gymnasium , Aalen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Juli 2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance