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Die Sachsen wollen Fummeln

Nicht nur für Porzellan ist Meißen bekannt, sondern auch für die Fummel. Die 1844 gegründete Konditorei Zieger ist das einzige Unternehmen auf der Welt, das das Blätterteiggebäck noch herstellt. Fummeln gab es schon im frühen 18. Jahrhundert: Zwischen Dresden und Meißen verkehrte ein Kurier des sächsischen Kurfürsten. Der trank gern einen Schluck zu viel, was ihm beim Transport des Meißner Porzellans zum Verhängnis wurde. Daraufhin befahl der Kurfürst der Bäckerzunft, ein zerbrechliches Gebäck herzustellen. Heraus kam die Fummel, die der Kurier nach seiner Ankunft dem Kurfürst ganz vorzuzeigen hatte.

Die Fummel entsteht aus einem 80 Gramm leichten Teigballen, der hauchdünn ausgerollt und mit Eigelb bestrichen wird. Danach wird die Masse zusammengeschlagen und etwas aufgeblasen. „In der Fummel sind etwa zwei Liter Luft“, sagt Konditorei-Inhaber Dirk Zieger. Das Gebäck sei ihm schon „unzählige Male“ zerbrochen. Die Zerbrechlichkeit spielt auch in einem Meißner Brauch eine Rolle: Wer dort heiratet, bekommt auf dem Standesamt eine Fummel als Symbol für die Zerbrechlichkeit der Ehe. Dem Familienbetrieb gelingt es freilich, Fummeln auch zu verschicken: in einem Pappkarton, der mit Schaumstofflocken befüllt wird. „Das Feedback war positiv. Aber wir übernehmen keine Garantie, dass es klappt“, sagt Zieger.

Der Vier-Personen-Betrieb verkauft jedes Jahr ungefähr 900 Fummeln für jeweils 2,50 Euro. Käufer sind hauptsächlich Touristen. „Die Kinder essen die Fummel meistens gleich.“ Doch wie isst man das goldbraune Gebäck, das innen hohl ist? „Am besten bricht man zuerst in die Mitte ein Loch und dann einzelne Teile ab.“ Das Gebäck unterliegt der geschützten, geographischen Angabe wie die Spreewälder Gurken.

Die Fummeln sind nicht das Einzige, was die Feinbäckerei zu bieten hat: Das Angebot beginnt bei sächsischen Kuchen und reicht bis zu Eis und bunten Platten. Jährlich erzielt der Familienbetrieb einen Umsatz zwischen 300000 und 350000 Euro. Die Fummeln tragen etwa 7 Prozent dazu bei.

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Sachsen wollen Fummeln
Autor
Louise Polte
Schule
Friedrich-Engels-Gymnasium , Senftenberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013
Kategorie
Print

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