Wo sich das Pauken schlagartig lohnt

In Deutschland fertigt ein Unternehmen  Instrumente für Schlagzeuger der Weltklasse: die Sonor GmbH. Trotz niedriger Löhne in Asien  produziert sie auch hierzulande. Das ist nicht immer einfach.

Der Klang einer Trommel rührt am Inneren des Menschen. Das gilt nach Ansicht von Fachleuten vor allem für Schlaginstrumente, die aus natürlichen Materialien gefertigt werden. Doch sind Schlagzeuge heute in der Regel überwiegend in Asien industriell gefertigte Massenprodukte. Sie eignen sich dann vor allem für Einsteiger und leicht Fortgeschrittene. Könner bevorzugen hingegen hochwertigere Instrumente. Hierzulande gibt es einen bedeutenden Hersteller für solche Qualitätsprodukte: die im südwestfälischen Bad Berleburg ansässige Sonor GmbH & Co. KG. Das Unternehmen bietet zwar mehr Schlaginstrumente im unteren und mittleren Preissegment an, ist aber auf Schlagzeuge für Profis spezialisiert. Diese fertigt es trotz niedrigerer Lohnkosten in Fernost in Deutschland.

David Rittel, Profimusiker und Schlagzeuglehrer, der auf Sonor-Trommeln spielt, erklärt, was ein hochwertiges Instrument ausmacht. „Die Auswahl der Holzsorten für die Schichten, aus denen ein Trommelkessel zusammengeleimt ist, ist ausschlaggebend für den Charakter des Klangs.“ Die Palette erstrecke sich von klassischen Holzarten wie Buche und Ahorn bis hin zu selteneren wie Mahagoni und Bubinga, wobei auch Mischungen verbaut würden. Wie gut eine Trommel schwinge, habe mit der Anzahl der verleimten Holzschichten zu tun. „Außerdem hat der Stimmring einen großen Einfluss auf Klang und Stimmstabilität; dieser kann aus Stahl, Gusseisen oder Holz sein.“ Schlagzeuger achteten zudem auf die Oberflächenbearbeitung mit Lacken, Furnieren oder Folien. „Das Auge spielt schließlich mit“, sagt Rittel.

Die hochpreisigen Trommeln fertigt Sonor in Deutschland, die niedrig- und mittelpreisigen in China. In Bad Berleburg werden die Instrumente aus echtem Naturholz in Handarbeit hergestellt. „Weltweit werden etwa 450000 Schlagzeugsets im Jahr verkauft“, sagt der Produktionsleiter von Sonor, Rainer Dreisbach. Ein Set bestehe aus mindestens fünf Trommeln. Hochwertige Schlagzeugsets sind ab rund 2000 Euro erhältlich. Für Einsteiger kosten sie bis zu 1000 Euro. Sonor-Trommeln konkurrieren mit den japanischen Marken Pearl, Tama und Yamaha. Ihre Hersteller produzieren günstig in Asien. Auch der amerikanische Wettbewerber DW stellt einen Teil seiner Schlagzeuge in Fernost her.

„Der enorme Preiskampf zwischen den Herstellern sorgt dafür, dass auch wir manchmal gezwungen sind, bei Preissenkungen mitzuziehen, was natürlich die Kunden freut“, sagt Dreisbach. Er sieht das aber kritisch: „Darunter leidet die Wertschätzung für Schlagzeuge.“ Die Ausrichtung von Sonor auf Qualität und die Produktion in Deutschland seien teuer. Wenn der von der Konkurrenz verursachte Kostendruck zu stark werde, könne das die Qualität und die Weiterentwicklung der Produkte beeinträchtigen.

Besonders viel Wert legt Sonor auf Holzfurniere. „Das Erscheinungsbild und die Verarbeitungsqualität der Furnieroberfläche entscheiden mit über den Kauf einer Trommel“, erklärt Sonor-Projektmanager David Schulz. Furniere für Schlagzeuge sind Blätter aus Holz, die 0,5 bis 0,7 Millimeter dünn sind. Sie werden durch Sägen, Messerschnitt oder Schälen vom Stamm abgetrennt. Anschließend werden die Furnierblätter auf ein Trägermaterial, bei Sonor vor allem auf Ahornholz, geleimt. Die Herstellung erfordert viel Erfahrung und handwerkliches Können.

Bei Sonor werden die Trommelkessel aus mehreren Furnier- und Sperrholzplatten gefertigt. Die gängigen Holzsorten sind Ahorn, Birke und Buche. Die Platten werden verleimt und in einer runden Presse unter Hitze zu einem Zylinder gepresst. Je nach Kundenwunsch wird eine Außen- oder Innenlage mit Edelfurnier mitgepresst. Oder beides. Wenn keine Außenlage mit Edelfurnier bestellt wird, kann auf den Trommelkesseln ein deckender Lack oder eine Folie aufgebracht werden. Die Produktion eines rohen Kessels und seine Lackierung dauern etwa eine Stunde.

Eine einzelne in Deutschland hergestellte Trommel kostet zwischen 300 und 1800 Euro. Die Preise für hochwertige Schlagzeugsets liegen zwischen 2300 Euro und 10000 Euro. Es wurde auch schon mal eine komplett vergoldete Serie für 20000 Euro gebaut und verkauft. In Deutschland fertigt Sonor rund 1200 hochwertige Schlagzeuge im Jahr. Die anderen stellt überwiegend ein Kooperationspartner in China her. Insgesamt verkauft das Unternehmen jährlich mehr als 20000 Schlagzeuge. „Der Umsatz liegt bei etwa 15 Millionen Euro im Jahr“, sagt Produktionsleiter Dreisbach. In den zurückliegenden Jahren habe der Musikinstrumentenbau unter der Wirtschafts- und Finanzkrise gelitten, die Umsätze hätten stagniert oder seien sogar gesunken. Sonor beschäftigt in Deutschland rund 80 Mitarbeiter.

Neben Schlagzeugsets verkauft das Unternehmen auch Orff-, Perkussion-, Konzert- und Marschinstrumente. Musiker aller Musikrichtungen spielen mit Sonor-Instrumenten. Zu den berühmtesten Kunden gehören die australische Hard-Rock-Band AC/DC und der Schlagzeuger der portugiesisch-kanadischen Sängerin Nelly Furtado. Auch bekannte deutsche Bands kaufen bei Sonor. Dazu gehören Rammstein, Silbermond und Jan Delay sowie die Big Band der Bundeswehr und die Kastelruther Spatzen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wo sich das Pauken schlagartig lohnt
Autor
Luise Rebecca Czanaky
Schule
Tannenbusch-Gymnasium , Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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