Keine Butter bei die Fische

Butter bei die Fische

Tetra stellt tonnenweise Futter für Zierfische her

Die Deutschen mögen Zierfische: 2,3 Millionen Aquarien stehen in knapp 4 Prozent der Haushalte, wie eine Studie des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands zeigt. Vor rund sechzig Jahren gab es erst 50 000 Aquarianer. Damals war es schwierig, Lebendfutter wie Bachflohkrebse für tropische Zierfische zu beschaffen; das Hobby der Aquaristik war Spezialisten vorbehalten. Heute braucht man kaum noch Fachwissen. Es gibt einfache und anwendungssichere Produkte. Sie werden vor allem von der deutschen Tetra GmbH hergestellt, dem nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Aquaristikbranche.

Als der Unternehmensgründer Ulrich Baensch Ende der vierziger Jahre im Rahmen einer Doktorarbeit tropische Zierfische züchtete, sind sie ihm immer wieder eingegangen. Deshalb wollte er auf Grundlage von tierischen und pflanz lichen Rohstoffen ein Trockenfutter entwickeln. Nach vielen Versuchen gelang es ihm, 1955 das erste Fertigflockenfutter auf den Markt zu bringen: Es trägt den Namen TetraMin. Aquaristen kennen die gelbe Dose mit dem braunen Deckel. Der Name setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort Tetra für die seinerzeit vier verschiedenen Flockensorten (heute sieben) und Min für die Vitaminzugaben. Heute hat Tetra Kunden auf der ganzen Welt. Der Marketingleiter des Unternehmens, Koord Janssen, unterscheidet zwischen drei Gruppen: denen, die das Aquarium als Wohnaccessoire sehen, jenen, die es als Hobby und Ruhepol betrachten, und der dritten Gruppe, die Tiere liebt.

Der Kinofilm „Findet Nemo“ habe das Interesse an der Aquaristik merklich verstärkt, insbesondere bei Kindern, erzählt Janssen. „Tetra hat zum Start des Films nicht nur in den Vereinigten Staaten mit Walt Disney kooperiert, sondern auch in Europa.“ Außerdem habe man den Verkauf des Films im Einzelhandel unterstützt. „Insgesamt waren sowohl der Film als auch die Kooperation sehr erfolgreich“, resümiert Janssen.

Das Unternehmen ist nicht nur Weltmarktführer in der Aquaristik, sondern auch einer der führenden Anbieter für Gartenteichbedarf. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 114 Millionen Euro, Fischfutter machte knapp 60 Millionen Euro aus. Der Hauptsitz liegt im niedersächsischen Melle. Für die Marke Tetra sind auf der Welt mehr als 830 Mitarbeiter tätig, davon 400 in Melle. Die Produkte werden in knapp 120 Ländern vertrieben, das wichtigste Exportland sind die Vereinigten Staaten. Seit 2005 gehört die Tetra GmbH zum amerikanischen Konzern Spectrum Brands.

„Unterschiedliche Fische brauchen unterschiedliches Futter“, erklärt Pressesprecherin Susanne Laaks. Tetra bietet eine Vielzahl an Futtersorten an, aber auch Pflegeprodukte für Süßwasser, Meerwasser- und Gartenteichfische sowie Reptilien und Krebstiere. Zudem verkauft es technische Produkte und Arzneimittel. Das Fischfutter TetraMin und der Wasseraufbereiter Aquasafe zählen zu den am meisten verkauften Produkten. Eine Dose TetraMin von 250 Milliliter kostet rund 6 Euro.

Laaks berichtet, dass in der Fischfutterherstellung etwa 150 Rohstoffe in insgesamt 150 Rezepturen zum Einsatz kommen. Es sei zeitaufwendig und forschungsintensiv, das richtige mengenmäßige Verhältnis zu bestimmen. Denn die Fische müssen genau die Nährstoffe in der richtigen Menge erhalten, die sie für ein langes und gesundes Leben benötigen. TetraMin beinhaltet rund vierzig Zutaten; es enthält viel Protein, das unter anderem in Fischmehl enthalten ist. Reis ist im Futter eine Quelle für komplexe Kohlenhydrate, Proteine und B-Vit amine. Und Hefe liefert wichtige Mineralstoffe und sorgt nicht nur für ein gesundes Wachstum, sondern auch für Geschmack. Außerdem werden Garnelen verarbeitet. Sie enthalten Aminosäuren, Aromastoffe und Carotinoide, die zur Verstärkung der Farbpigmente beitragen. Das Unternehmen verarbeitet 6000 Tonnen Rohstoffe im Jahr zu Futter.

Informationen zum Beitrag

Titel
Keine Butter bei die Fische
Autor
Mai Trinh Le
Schule
Johannes-Kepler-Gymnasium , Leonberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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