Der Weihnachtsmann lässt sich einwickeln

Jährlich werden etliche tausend Tonnen Schokolade in unterschiedliche Formen gegossen. Doch wie werden die Formen in Folie gewickelt, ohne dass diese zerreißt oder die Figur zerstört wird? Die Wilhelm Rasch GmbH & Co. KG Spezialmaschinenfabrik hat Wickelmaschinen entwickelt, die den Hohlkörpern schadenfrei in ihre Gewänder helfen. Das Familienunternehmen wurde vom Ingenieur Wilhelm Rasch 1950 gegründet. Anfangs wurden die Weihnachtsmänner und Osterhasen noch von Hand verpackt, bis die gute Wirtschaftslage im Jahr 1952 den Bau einer ersten Wickelmaschine des Typs RP zuließ. Das Unternehmen entwickelte sich zum Weltmarktführer: Auf dem Gebiet der Maschinen für Hohlfiguren weist man nach eigenen Angaben einen Weltmarktanteil von mehr als 90 Prozent auf. In dem in Köln ansässigen Unternehmen sind 65 Mitarbeiter beschäftigt.

Doch wie werden die zerbrechlichen Figuren verpackt? Von außen betrachtet, werden eine Folie und eine nackte Schokofigur in die Maschine gelegt – heraus kommt eine ordentlich eingewickelte Figur. Dahinter steckt ein komplizierter Arbeitsablauf: Die Maschine zieht die Aluminiumfolie automatisch von einer Rolle und legt sie um die Figur, anschließend wird diese angepasst und gefaltet. Der Kunde kann beim Kauf einer solchen Maschine zwischen verschiedenen Falttechniken wählen, zum Beispiel dem Doppeldreheinschlag, der Stirnfaltung und dem Bodeneinschlag. Dann schneidet die Maschine Reststücke ab, und zu guter Letzt wird die Folie um die Figur herum versiegelt und geglättet.

„Wir haben schon die Biene Maja, Maskottchen aus Schokolade für den Fußball und Barbie-Hasen eingewickelt. Natürlich sind auch Nikola & Niklas, das junge Nikolaus-Pärchen, durch unsere Maschinen gelaufen“, erzählt Tina Gerfer, Geschäftsführerin und Enkelin des Gründers. Jährlich werden 10 bis 15 Neumaschinen verkauft. „Die Branche ist überschaubar“, sagt Gerfer weiter. Mitanbieter seien vor allem in Italien zu finden.

Das Unternehmen hat Kunden auf der ganzen Welt. Fast alle international bekannten Schokoladenfirmen – zum Beispiel Lindt, Ferrero und Hachez – besitzen wenigstens eine Maschine von Rasch. Derzeit beläuft sich der Exportanteil auf rund 50 Prozent des Umsatzes. Fernere Länder wie Jordanien, Dubai und Ghana gewinnen an Bedeutung. Das Unternehmen verbuchte 2012 einen Umsatz von etwa 6,1 Millionen Euro.

Rasch produziert ausschließlich in Köln. Oft werden die Maschinen nach speziellen Kundenwünschen gefertigt. Die Verpackungsmaschinen erreichen, je nach der Größe der Produkte, sehr unterschiedliche Laufleistungen. Ein Mini-Sitzhase hoppelt beispielsweise mit rund 100 Stück je Minute vom Band, bei einer großen Figur sind es etwa dreißig Stück. Jede Rasch-Maschine ist mindestens vierzig Jahre in Betrieb. Bei zwei Schichten à acht Stunden kann eine Maschine, die 100 Figuren in der Minute einwickelt, in vierzig Jahren bis zu einer Milliarde kleine Sitzhasen einwickeln.

Informationen zum Beitrag

Titel
Der Weihnachtsmann lässt sich einwickeln
Autor
Sonja Beck
Schule
Johannes-Kepler-Gymnasium, , Leonberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2013
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance