Wo Papst und Playboy in ihrer Fasson selig werden

Bei Hutkönig kaufen Prominente Kopfbedeckungen/Fertigung in einem auf der Welt einzigartigen Verfahren.

Aufträge sowohl für den ehemaligen Papst Benedikt XVI. als auch für den „Playboy“ – das passt doch nicht zusammen, oder? Doch es passt: In dem Regensburger Unternehmen Hutkönig Der Hutmacher am Dom GmbH & Co. KG vereinen sich Tradition und Moderne. Seit mehr als 100 Jahren ist der Hutmacher eine bekannte Adresse für Kunden aus aller Welt. Andreas Nuslan ist nach eigenen Angaben der einzige Hutmachermeister, der auch Modistenmeister ist. Anfang der achtziger Jahre übernahm er mit seinem Bruder Robert die Hutmanufaktur. Gegründet wurde das Familienunternehmen um 1875 in Aussig an der Elbe. 1919 nahm die Familie eine Hutfassonieranstalt in Betrieb, in der Hüte repariert und neu geformt wurden. „Nach dem Krieg war es sehr gefragt, aus einem alten Hut einen neuen zu machen, denn Rohmaterialien waren knapp und teuer“, erklärt Robert Nuslan.

Hutkönig wirbt damit, seine Hüte nach alter englischer Zurichte zu fertigen, was einmalig auf der Welt sei. Dabei werden die Hüte ausschließlich in Handarbeit und in teilweise mehr als achtzig Arbeitsschritten gefertigt; je Hut bedeutet das eine Fertigungszeit von drei Tagen. Die englische Zurichte ist eine auf der britischen Insel erfundene Arbeitsweise zur Herstellung eines Filzhutes. Viele Arbeitsgänge werden am sogenannten Filzrohling mit Muskelkraft durchgeführt. Dadurch hat der Hutmacher die Möglichkeit, Unebenheiten im Filz zu erkennen und mit der Hand an dickeren Stellen mehr zu ziehen und an dünnen weniger. Außerdem wird der Hut mit Wasserdampf weich gemacht, damit er geformt werden kann. Diese aufwendige Kunst beherrscht nach eigenen Angaben nur noch der Hutmachermeister Andreas Nuslan. Eine ähnlich aufwendige Herstellungsmethode, jedoch nicht nach englischer Zurichte, praktizieren nur noch zwei weitere Unternehmen in Deutschland, die jedoch Karnevalshüte und Hüte für Musikanten herstellen.

Bei Hutkönig entsteht nach intensiver handwerklicher Bearbeitung des meistens aus Hasen- oder Naturhaar bestehenden Rohmaterials und unter Einwirkung von Hitze, Druck und Feuchtigkeit ein stabiler Hut. „Im Gegensatz zu einem fabrikgefertigten Hut, der häufig den dritten Regenschauer nicht übersteht, behalten unsere Hüte bis zu dreißig Jahre lang ihre Fasson“, sagt Nuslan. Diese Qualität hat ihren Preis. Ein Hutkönig-Hut kostet zwischen 90 und 400 Euro. Bei besonders aufwendig zu produzierenden Hüten reichen die Preise bis zu 1250 Euro. Es werden auch Unikate gefertigt. Dann ist die Preisspanne nach oben offen. Der Jahresumsatz ist nach Angaben der Geschäftsführung bisher meistens zwischen 5 und 10 Prozent gestiegen und liege im einstelligen Millionenbereich.

Die Kunden des Traditionsunternehmens kommen aus der ganzen Welt, oft aus den Vereinigten Staaten. „Ich durfte erst kürzlich eine hundertjährige Dame aus Amerika bedienen“, erzählt Nuslan. Doch auch viele Chinesen nähmen einen Hut aus Regensburg mit. Zu den Kunden zählt ebenfalls viel Prominenz, zum Beispiel Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, die traditionelle Trachtenhüte kaufe.Während ein Hut in den sechziger und siebziger Jahren nicht zum Stil der Jugend gepasst habe, gehe heute der Trend zu jungen Kunden. Man habe mehr Käufer in der Altersgruppe bis 25 Jahre als Kundschaft, die älter als siebzig sei. Ganz allgemein erfreue sich der Hut zunehmender Popularität. Besonders gefragt sei der Hasenhaarhut in Form eines Indiana Jones, eines Trilby oder eines Humphrey Bogart. 10000 bis 13000 Kopfbedeckungen verkauft das Unternehmen im Jahr. Es beschäftigt zwanzig Mitarbeiter. Hutkönig fertigt auch einen Hut „Modell Playboy“, über den in der Erotikzeitschrift berichtet wurde. Besonders stolz ist man darauf, dass Andreas Nuslan den Hut hergestellt hat, den Johnny Depp im Walt-Disney-Film „Alice im Wunderland“ trug.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wo Papst und Playboy in ihrer Fasson selig werden
Autor
Ellen Borchardt
Schule
Eichsfeld-Gymnasium , Duderstadt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance