Den Kamelen wird der Kopf gewaschen

Kamele

Kamele sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Symbol des Reichtums, sie haben zudem einen hohen wirtschaftlichen Nutzen. Da ist es nur normal, dass sie gut gepflegt werden. Seit 2011 steht dafür auch das Kamelshampoo der Wilms GmbH aus Bad Essen im Osnabrücker Land zur Verfügung. Wilms wurde 1893 gegründet, beschäftigt mittlerweile 105 Mitarbeiter und wird von Heinrich Wilms und seiner Tochter Katharina geführt. Zunächst stellte das Unternehmen Holzverpackungen her. Inzwischen produziert man auch Pflegeprodukte auf natürlicher Basis für Mensch, Tier und Pflanze.

Das Kamelshampoo hat seinen Ursprung im Kiefernkernholz. Aus diesem wurden zunächst nur Verpackungen hergestellt; dabei entstanden Späne, die von den Landwirten der Umgebung als Einstreu für ihre Nutztiere verwendet wurden. Als man einen positiven gesundheitlichen Effekt der Späne auf die Tiere feststellte, untersuchte man das Kiefernkernholz – und fand nach jahrelangen Studien heraus, dass es antibakterielle Inhaltsstoffe hat. Dieses Wissen machte man sich zunutze und entwickelte Produkte aus Hygieneholz; die ersten kamen 2007 auf den Markt. Dazu gehören Hautpflegemittel, Badematten und Bretter für die Küche.

Als das Unternehmen auf einem Kongress seine Hygieneholzprodukte vorstellte, schilderte ein Professor aus Al-Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Hautprobleme von Kamelen. Daraufhin entwickelte Wilms ein Probepflegeprodukt speziell für Kamele und schickte es an die Universität in Al-Ain. Dort führten zwölf deutsche Studentinnen, die sich in einem Austauschprogramm befanden, Waschversuche an Kamelen durch – und beobachteten, wie sich die Haut und die Hautkrankheiten entwickelten. Die Ergebnisse waren positiv. Die Reaktionen auf das neue Shampoo seien im Freundes- und Familienkreises sehr unterschiedlich gewesen, berichtet Katharina Wilms: „Von ‚Spinnst du?‘ ,Was erzählst du denn da?‘ bis ‚Das ist ja cool!‘ war so ziemlich alles dabei.“

Mit den im Holz enthaltenen antibakteriellen Inhaltsstoffen stellt Wilms einen Extrakt her, der auf Wasser basiert. Diesem werden naturkosmetische Stoffe hinzugefügt. Gerade für Beautykamele – Kamele, die an Schönheitswettbewerben teilnehmen – soll dies genau das Richtige sein. Kamele haben oft drahtiges Haar und Hautprobleme. Das Shampoo verfeinert das Haar, verbessert die Fellstruktur und heilt Hautkrankheiten.

Von der Forschung bis zur Marktreife des Kamelshampoos vergingen anderthalb Jahre. Auf den Markt kam es Ende 2011. Im Durchschnitt kostet eine Flasche rund 15 Euro. Bisher verzeichnet Wilms fünf bis sechs Aufträge im Jahr; dabei werden gleich größere Mengen bestellt. Das Ganze ist ein Saisongeschäft: Die Saison beginnt im November und endet im April. Verkauft wird das Produkt in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Qatar und Kuweit. Dabei arbeitet man mit Vertriebspartnern zusammen, die Geschäfte in der Nähe der Farmgebiete oder an der Rennbahn unterhalten oder direkt die großen Farmen beliefern.

Der Umsatz im Jahr 2012 lag bei 50000 Euro, einen Gewinn warf das Shampoo noch nicht ab. Für die jetzige Saison rechnet Wilms mit einer Umsatzsteigerung. Insgesamt erwirtschaftet Wilms einen Jahresumsatz von gut 8Millionen Euro. Katharina Wilms zeigt Kunden gerne, wie man ein Kamel wäscht. „Für ein Kamel benötigt man je Waschgang rund 200 Milliliter Shampoo.“ Eine Flasche enthält einen Liter, es gibt aber auch Kanister mit fünf Litern. 2012 produzierte man rund 3000 Liter Kamelshampoo.

Wilms hat auch Shampoo für Pferde und Hunde im Sortiment. Als nächstes will man ein Falkenwasser produzieren. Die Vertriebspartner in Kuweit hätten gerne ein Pflegeprodukt für die Vögel ihrer Kunden.

Informationen zum Beitrag

Titel
Den Kamelen wird der Kopf gewaschen
Autor
Sabiha Syed
Schule
Tannenbusch-Gymnasium , Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance