Mehr Gleitzeit für Sotschi

Das Skispringen zu jeder Jahreszeit ermöglicht die in Lohmar ansässige Ceramtec-Etec GmbH. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Plochinger Ceramtec GmbH, die Hochleistungskeramik für verschiedene Branchen herstellt. Mit seinen 150 Mitarbeitern hatte es eine Idee für spezielle Anlaufsysteme und ist dafür der einzige Anbieter auf der Welt. Die Systeme heißen Aloslide und Aloslide Ice. Dabei werden die Anlaufspuren mit Keramiknoppen ausgestattet. Die Systeme sind vom Internationalen Skiverband (FIS) zugelassen. Auch die Normal- und die Großschanze in Sotschi, wo am Freitag die Olympischen Winterspiele beginnen, sind mit Aloslide ausgerüstet. Der Produktname setzt sich zusammen aus ALO für Aluminiumoxid-Keramik und aus dem englischen Wort slide für gleiten.

Vor gut zehn Jahren habe man sich gefragt, wie man Hochleistungskeramik mit Sport verbinden könne, sagt Projektleiter Eduard Kropp. „Unsere Mitarbeiter entwickelten zuerst Aloslide, das das Skispringen im Sommer ermöglicht.“ Dabei werden in der Anlaufspur Gleitnoppen aus Hochleistungskeramik verwendet. Auf diesen Noppen gleitet man wie auf Eis, und es können dieselben Weiten und Geschwindigkeiten wie im Winter erreicht werden. Um die Gleitfähigkeit zu erhöhen, bewässert ein Sprühsystem die Anlaufspur. Entwässerungsrillen verhindern Pfützenbildung. Das System wurde das erste Mal 2003 beim Sommer-Grand-Prix in Bischofshofen eingesetzt, später auf den Olympiaschanzen in Turin.

Dann wurde Aloslide zu Aloslide Ice weiterentwickelt. „Aloslide Ice kam das erste Mal 2008 beim Skispringen in Klingenthal zum Einsatz“, erzählt Kropp. „Mit diesem System ist es nun möglich, die Skisprungschanzen von einer Sommer- auf eine Winteranlaufspur umzustellen.“ Es verfügt über ein Kühl- und Heizsystem. Möchte man von Sommer- auf Winterspur umschalten, wird Wasser auf die Spurfläche gesprüht und sofort gefroren. In kurzer Zeit baut sich eine stabile, zwanzig Millimeter dünne Kunsteisschicht auf. Mit einer Profifräse wird das Kunsteis glatt gehalten. Die komplette Aufbereitung führt eine Person durch.

Aloslide ist nach Angaben des Unternehmens schneller, sicherer und kostensparender, als wenn man die Schanze künstlich beschneien ließe. Aloslide Ice ist zudem mit einem Mess- und Informationssystem ausgestattet, das die Absprungkräfte der Skispringer ermittelt und so aussagekräftige Daten für das Training liefert.

Dank Aloslide Ice konnte der Skisprungwettbewerb 2011 bei der asiatischen Winter-Olympiade im kasachischen Almaty trotz schlechter Wetterbedingungen stattfinden. Und Hans Schmid, sportlicher Leiter der Erdinger-Arena in Oberstdorf, erzählt: „Selbst bei 20 Grad konnten wir hier in Oberstdorf schon die Trainingsphase beginnen.“ Ce ramtec presst am Tag etwa 1000 Keramik noppen. Je nach Länge der Schanze werden 7000 bis 10000 Noppen gebraucht. Die Installation dauert rund drei Wochen. „Die Umstellung auf Aloslide Ice hat uns rund 400000 Euro gekostet“, sagt Schmid.

Informationen zum Beitrag

Titel
Mehr Gleitzeit für Sotschi
Autor
Nina Edlinger
Schule
Clara-Schumann-Gymnasium , Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Projektanmeldung

Sie möchten sich für ein medienpädagogisches Projekt der F.A.Z. anmelden? Gleich kostenlos registrieren und das Projektangebot der F.A.Z. nutzen. › Zur kostenlosen Registrierung