Ein Investor setzt begeistert Millionen in den Sand

Das kleine Dorf Weißenhaus mit seinem Barockschloss liegt an der holsteinischen Ostseeküste. Eingerahmt von sanften Hügeln, einem kilometerlangen Sandstrand und einem kleinen Feenwald, übte es über Jahrhunderte auf seine Gäste einen besonderen Reiz aus. Wirtschaftlich fand die Gutsanlage aber nie eine richtige Verwendung. Als Verhandlungsmasse adliger Geschäfte wechselte sie mehrfach den Besitzer. Das Dorf geriet in Vergessenheit, das Anwesen verkam. Zu Beginn des Jahres 2000 standen noch dreißig verrottete Gebäude und ein restaurierungsbedürftiges Schloss.

2005 fand sich dann überraschend ein Käufer für das Dorf, in dem bis heute nur noch ein paar alte Damen wohnen. „Ich erfuhr durch Zufall, dass das Dorf verkauft werden sollte“, erzählt Jan Henric Buettner. „Die Möglichkeiten, die dieses Areal bietet, begeisterten mich sofort.“ Buettner, der schon mit seinen Eltern die Ostseeküste bereist hatte, spürte Kindheitserinnerungen nach – und versuchte daraus ein Hotelkonzept zu entwickeln. „Weißenhaus hieß für mich: unbegrenzte Weite, absolute Freiheit und romantische Sonnenuntergänge am Strand.“ Er kaufte das Dorf mit seinen dreißig Gebäuden, dem Schloss, 75 Hektar Wald und Wiesen und zwei Kilometern Küstenstrand für etwa 7 Millionen Euro. Fünf Jahre lang baute Buettner das Schlossdorf zu einem Fünf-Sterne-Hotelresort um. Dabei setzt Buettner auf eine steigende Nachfrage nach „High-End-Erholung“.

Der „Hamburger Schnösel“, wie ihn manche Ostholsteiner freundlich nennen, ist ein erfahrener Finanzjongleur. Vor fast zwanzig Jahren baute Buettner den Online-Dienst AOL Europe auf, ein Gemeinschaftsunternehmen von America Online und der Bertelsmann AG. Anschließend wurde er Geschäftsführer von AOL Deutschland. Dann ging Buettner in die Vereinigten Staaten und gründete dort den Risikokapitalfonds BV Capital, der heute zu den größten der Welt zählt. Als Bertelsmann im Jahr 2000 seine Beteiligung an AOL Europe verkaufte, klagten Buettner und ein ehemaliger Kollege in langwierigen Prozessen auf einen Gewinnanteil. Man einigte sich außergerichtlich: Die beiden erhielten 160 Millionen Euro.

Mehr als 50 Millionen Euro sind bislang in das Projekt Weißenhaus geflossen. Gut 25 Millionen Euro zahlte Buettner selbst, 5 Millionen gab die Europäische Union aus dem Fördertopf für strukturarme Regionen, 20 Millionen wurden über Banken finanziert. Kurz vor Weihnachten hat die EU weitere 3,2 Millionen Euro bewilligt. Neben einem schlüssigen Konzept habe die EU die Schaffung von Arbeitsplätzen gefordert, sagt Buettner. Von Juli an sollen 110 Angestellte für das Resort arbeiten. Insgesamt sollen 200 Arbeitsplätze entstehen. Buettners Plan reicht über das Jahr 2030 hinaus. Dann soll sich das Unternehmen bei einer Auslastung von 70 Prozent und einem Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro amortisiert haben. Für dieses Jahr plant man mit einem Umsatz von etwa 5 Millionen Euro.

Das Schloss und die Häuser wurden von 2010 an in Abstimmung mit der Gemeinde und dem Denkmalschutz kernsaniert. „Wir haben die Häuser mit Originalbacksteinen aufgebaut, die Dächer neu gedeckt und Fenster und Türen nach den historischen Vorbildern angefertigt“, erklärt der Bauherr. Auch die Gärten wurden teilweise nach alten Plänen neu angelegt. In diesem Jahr wird Weißenhaus über sechzig Suiten, Appartements und Cottages mit 180 Betten verfügen. Buettner hofft nun auf Kunden, die Europa bereisen und in Weißenhaus stranden. Auch anspruchsvolle Hamburger will der Manager in seine Bucht locken. Im Sommer wird das ehemalige Herrenhaus den Betrieb aufnehmen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein Investor setzt begeistert Millionen in den Sand
Autor
Josefine Kulbatzki
Schule
Wilhelm-Gymnasium , Hamburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance