Integration kann baden gehen

Ob Burkini oder Schwimmkleidchen – gläubige Muslimas kaufen gerne im Internet

 

Lange bot eine Badebekleidung nicht mehr so viel Stoff für Diskussionen wie der Burkini. Durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig vom 11. September 2013, das auch als Burkini-Urteil bezeichnet wird, rückte er besonders in den Blickpunkt. Die Richter entschieden, dass „einer Schülerin muslimischen Glaubens die Teilnahme am koedukativen Schwimm unterricht in einer Badebekleidung zumutbar ist, die muslimischen Bekleidungsvorschriften entspricht“. Das gilt für den Burkini: Er bedeckt den ganzen Körper außer Füßen, Händen und Gesicht. Der Name ist eine Mischung aus Bikini und Burka.

Erdacht wurde der Ganzkörperbadeanzug in den achtziger Jahren von der libanesisch-australischen Designerin Aheda Zanetti. Der Anlass war, dass Muslimas in Australien Rettungsschwimmerinnen werden durften. Der Schnitt des zweiteiligen Badeanzugs gleicht dem eines Pyjamas. Wichtig sei, dass man die Körperkonturen nicht erkennen könne, auch wenn der Anzug nass werde, erklärt die Deutschtürkin Naringül Demir aus Grenzach-Wyhlen. „Viele Frauen in der Türkei gehen in Alltagskleidung schwimmen, anschließend klebt allerdings alles am Körper.“ Besonders praktisch am Burkini sei das Hijood, eine angenähte Schwimmkappe, die das Tragen eines Kopftuchs überflüssig mache.

Nur wenige Sportgeschäfte führen Burkinis. Doch es gibt einige Angebote im Internet, wie das von Spring18, dem nach eigenen Angaben ersten deutschen Online-Shop für Burkinis. Er gehört der türkischstämmigen Bahar Onsekiz aus Köln. Auf die Idee, Burkinis zu verkaufen, kam sie, als sie in der Türkei sah, dass islamische Bademode im Kommen ist. Darauf nahm sie von 2008 an Burkinis in ihr Sortiment auf; zuvor hatte sie nur Dessous und westliche Bademode verkauft.

Die Nachfrage sei sofort hoch gewesen, sagt Onsekiz. „Ich habe mich dann auf diese Produkte fokussiert.“ Das Unternehmen, in dem Onsekiz drei Mitarbeiter beschäftigt, vertreibt seine Burkinimodelle vor allem in Deutschland, aber auch in ganz Europa. Außerdem verkauft man auf Veranstaltungen von islamischen Gemeinden und in Schulen Burkinis. Sie kosten zwischen 35 und 120 Euro, am größten ist die Nachfrage in der Preisklasse von 35 bis 70 Euro. Spring18 verkauft auch halbverhüllende Badeanzüge wie Badekleidchen mit kurzen Leggings. „Am besten verkaufen sich unifarbene Produkte“, sagt die Geschäftsführerin. Die Anzüge bestehen meistens aus Lycra, aus dem auch andere Bademode hergestellt wird. Es ist wasserabweisend und trocknet schnell.

Ihre Produkte bezieht Bahar Onsekiz aus Istanbul. „Wir arbeiten dort mit kleinen Unternehmen zusammen, weil wir so günstiger anbieten können als die großen Markenhersteller.“ Seit 2008 konnte sie ihren Umsatz um rund 300 Prozent steigern. „Derzeit liegen die Umsätze noch im fünfstelligen Bereich, da ich Spring 18 nicht hauptberuflich betreibe“, erklärt Onsekiz. Online-Shops für Burkinis sprießen aus dem Boden; in den vergangenen sieben Jahren hat sich ein dynamischer Markt entwickelt. Auch bekannte Sportgeschäfte wie Sport-Thieme und namhafte Hersteller wie Arena und Hasema bieten den Ganzkörperanzug an.

Onsekiz berichtet von insgesamt positiven Reaktionen auf ihren Online-Shop. „Die westliche Gesellschaft hat nur eine Eingewöhnungsphase gebraucht“, glaubt sie. „Aus der islamischen Welt wurde ich anfänglich dafür kritisiert, dass meine Produktpalette alle Arten von Bademoden und Dessous enthielt. Aber auch da konnte ich die Vorurteile abbauen.“ Allerdings kritisieren strengere Geistliche, man sollte den Islam nicht mit Bademode in Verbindung bringen.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hält das Schwimmen in gemischtgeschlechtlichen Gruppen im Burkini für zulässig, wie Eva-Maria El-Shabassy, Beauftragte für Pädagogik und Religionsunterricht, sagt. Doch sie fügt hinzu: „Wenn eine Schule den muslimischen Schülern Schwimmunterricht in gleichgeschlechtlichen Gruppen ermöglicht oder ein außerhalb der Schule erworbenes Schwimmabzeichen anerkennt, wäre das für die muslimischen Schülerinnen auf jeden Fall die bessere Lösung.“

„In unseren Bädern gibt es Badegäste, die im Burkini schwimmen. Wichtig ist, dass es tatsächlich Burkinis und keine sonstigen Kleidungsstücke sind, deren Fusseln die Filter der Badanlage verstopfen können“, sagt Oliver Heintz, Gesamtleiter der Bäder der Stadt Freiburg. Doch es gibt auch andere Reaktionen: In Alfeld bei Hildesheim hatte der Stadtrat im November die Entscheidung, ob Burkinis im städtischen Sieben-Berge-Bad erlaubt sein sollen, zunächst vertagt. Inzwischen sind sie aber zugelassen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Integration kann baden gehen
Autor
Luisa Lutz
Schule
Lise-Meitner-Gymnasium , Grenzach-Wyhlen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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