Fiese Sprüche gehen auf den Keks

Du kannst ruhig weiterreden, es hört dir sowieso niemand zu.“ Solche pessimistischen und zum Teil gemeinen Sprüche sind seit Ende Oktober 2013 auf dem Markt. Sie sind in den Pechkeksen zu finden, dem Gegenstück zu den aus chinesischen Restaurants bekannten Glückskeksen. Die Pechkekse sehen fast so aus wie die Glückskekse, nur dass sie pechschwarz sind, genau wie der Humor, der in den Sprüchen steckt. Sie versprechen keinem das Blaue vom Himmel oder Reichtum. Oft endet der Spruch mit einer ziemlich bissigen Aussage: „Du bist zwar nicht schön, aber dafür schön pummelig.“

Die Idee hatte der Geschäftsführer der jungen Pechkeks GmbH, Andreas Pohl. Sie kam ihm an einem Abend, den er mit Freunden verbrachte. Diese brachten Glückskekse mit, die alle nicht sonderlich unterhaltsam fanden. „Die Spannung hielt sich in Grenzen, die Sprüche waren langweilig, und so entstand die Grundidee“, erzählt Pohl. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Thorsten Bammann baute er die Pechkeks GmbH in seiner Heimatstadt Hamburg auf. Die Kekse werden aber nicht in Hamburg, sondern in der Nähe von Stuttgart von einem anderen Unternehmen hergestellt. „Sie sind pflanzlich gefärbt und ohne Chemie“, erklärt Pohl.

Pohl denkt sich die Sprüche aus, zum Beispiel „Selbst CSI Miami musste bei deinem Anblick schlucken“, und lässt sich dabei gern von anderen inspirieren. Zurzeit existieren mehr als 1000 Sprüche, und es kommen ständig neue dazu. Der Inhalt soll ein bisschen boshaft, aber nicht zu fies sein, damit man darüber noch lachen kann. Meistens werden 13 Kekse in einer Designbox zum Preis von 13 Euro verkauft; in einigen Läden kann man sie auch einzeln erwerben. Zum Produkt gehört ebenfalls das „liebevolle“ Design der Verpackung. Auf ihr sind ein Monster und eine schwarze Katze als Symbole für Pech abgebildet. Die Box ist genauso schwarz wie die Kekse. Bisher gibt es nur süße Kekse. Bald sollen sie auch mit saurem und scharfem Geschmack angeboten werden.

Derzeit werden die Pechkekse auf der offiziellen Homepage der Pechkeks GmbH, bei Amazon und im Einzelhandel, in Geschenk- und Süßwarenläden hauptsächlich in Städten wie Berlin, Hamburg und Köln verkauft. Sie werden bisher in gut neunzig Läden angeboten. Im „Süßkramdealer“, einem Geschäft in Berlin, wurden in der Vorweihnachtszeit rund vierzig Packungen in zwei Monaten verkauft. Auf die anderen Läden hochgerechnet, würde das 1600 Packungen im Monat bedeuten. Diese Zahl sei nach Weihnachten zwar zurückgegangen, dennoch sei die Nachfrage gut, sagt Pohl. Ein internationales Angebot ist auch geplant. „Außerdem sollen die Pechkekse in höherwertigen Geschenkartikelläden und coolen Geschäften verkauft werden.“ Pohl kann sich auch vorstellen, dass es die Pechkekse irgendwann in Chinarestaurants gibt. „Dann hätten die Kunden die Wahl zwischen Glücks- und Pechkeksen.“ Die Kernkundschaft ist nach Pohls Angaben zwanzig bis vierzig Jahre alt.

Der Pechkeks ist als Spaßprodukt gedacht, für Anlässe wie Halloween oder Silvester oder einfach als Gag bei einem gemütlichen Abend mit Freunden. „In der Vorweihnachtszeit waren die Kekse sehr beliebt“, erzählt Martin Hesse, Inhaber vom Süßkramdealer. Fragt man Kunden, die den Pechkeks zum ersten Mal probieren, hört man Unterschiedliches. Einer hat den Spruch „Du hast es nicht leicht, aber das hast du dir verdient“ gezogen und sagt lachend: „Das finde ich sehr gut, an dem Spruch ist etwas Wahres dran.“ Irritierend findet er die schwarze Farbe des Kekses: „Das soll ich jetzt essen?“ Eine Kundin kann hingegen mit dem Pechkeks wenig anfangen. Nach einem Bissen sagt sie, dass er ihr nicht schmecke, auch findet sie den Spruch „Bei dir brennt auch alles an“ nicht lustig. „Der sieht ekelig aus und riecht komisch“, findet eine andere Testerin. Dann stellt sie fest, dass der Pechkeks wie ein normaler Glückskeks schmeckt. Unter dem Spruch „Am Montag wirst du berühmt. Ganz schlimm berühmt“ kann sie sich jedoch nichts vorstellen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Fiese Sprüche gehen auf den Keks
Autor
Friederike Müller
Schule
Engelsburg-Gymnasium , Kassel
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

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