Altpapier kriegt Falten

In Deutschland werden jährlich 19 Millionen Tonnen Papier verbraucht, 236 Kilogramm je Person. Bei der Herstellung von 100 Kilogramm werden 110 Kilogramm Kohlendioxid ausgestoßen, 5000 Liter Wasser und 300 Kilogramm Holz benötigt. Das geht aus Angaben des Bundesumweltministeriums hervor. Angesichts der Umweltschädlichkeit der Papierproduktion hatte die Direkt Recycelte Papierprodukte (DRP) GmbH in Münster die Idee, aus altem Papier im Originalzustand Briefumschläge zu machen, ohne Bleichmittel und viel Energie einzusetzen. DRP wurde 1996 gegründet und beschäftigt inzwischen neun Mitarbeiter. Geschäftsführer Olaf Hagedorn kam durch einen Zufall auf den Gedanken, aus beschriebenen DIN-A4-Blättern Briefumschläge zu falten. „Ich habe eine Bewerbung geschrieben. Beim Ausdrucken fiel mir auf, dass ich mich verschrieben hatte, und so musste ich die Bewerbung noch einmal ausdrucken. Dies passierte dann weitere Male, und ich habe dann aus den anderen Bewerbungen Briefumschläge gefaltet.“

Das Unternehmen bezieht sein Papier aus verschiedenen Quellen, zum Beispiel von Privatpersonen und Druckereien. Verwendet werden beispielsweise alte Wahlplakate und Landkarten aus alten Atlanten. Vor dem Kauf wird die Tauglichkeit des Papiers geprüft. Je nach Qualität erhält der Kunde 3 bis 6 Euro je 100 Kilogramm. Aus dem alten Papier werden auch Geschenkboxen, Notizblöcke und Postkarten gefertigt.

Der Schwerpunkt liegt aber auf den jährlich rund 10 Millionen hergestellten Briefumschlägen. Das sind fast 90 Prozent der gesamten Produktion. Für sie braucht man ungeknickte und unverschmutzte Blätter verschiedenen Formats. Zu glattes und dickes Papier ist ungeeignet. „Es hat alles sehr klein angefangen, zu Beginn haben wir die Kuverts noch mit der Hand geklebt“, erzählt Hagedorn. Heute werden sie mit Maschinen gefaltet. Dies geschieht in einem Subunternehmen. DRP produziert nicht jeden Tag, sondern nach Bedarf. Mit 8 Cent je Briefumschlag liegt der Preis über dem für Umschläge aus herkömmlichem Recyclingpapier.

Im Gründungsjahr verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz zwischen 20000 und 30000 Euro. 2012 betrug er rund 700000 Euro. Im vergangenen Jahr soll er höher als 700000 Euro gewesen sein. Großkunden stehen für rund 10 Prozent des Jahresumsatzes. DRP exportiert auch nach Japan, Österreich, Spanien, Frankreich, in die Schweiz und in die Niederlande.

Informationen zum Beitrag

Titel
Altpapier kriegt Falten
Autor
Elisabeth Arndt
Schule
Agricolagymnasium , Hohenmölsen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance