Wie man anderen einen Floh ins Ohr setzt

Ukulele

Eine leichte Brise weht über die Brücke, unter der der Main ruhig dahinfließt. Es ertönt die fröhliche Musik einer Ukulele. Sie könnte die Aufschrift "Brüko made in W. Germany" tragen. Der Familienbetrieb Brüko Ukulelen aus Kitzingen, einer bayerischen Stadt am Main, wird seit mehr als 100 Jahren von der Familie Kollitz geleitet. In Deutschland nehme Brüko eine Sonderstellung ein, sagt Inhaber Hubert Pfeiffer. "Es gibt andere, die vielleicht eine Ukulelenart bauen, aber wir sind die Einzigen, deren Hauptgeschäft darin besteht", erklärt der Geschäftsführer. Außer ihm und seiner Frau arbeiten noch drei Mitarbeiter in dem Familienbetrieb.

1890 begann Firmengründer Alois Kollitz, Geigen herzustellen und Tonhölzer aufzuarbeiten. In den dreißiger Jahren übernahmen seine Söhne Franz und Josef, die Brüder Kollitz, das Unternehmen. Als der Verkauf von Geigen in den darauffolgenden Jahren schlecht lief, begannen sie notgedrungen mit dem Bau von Banjos und Ukulelen. Die Idee stammte aus Amerika, wo die Verkaufszahlen der Ukulelen wegen der Großen Depression gestiegen waren. Eine Ukulele ist nämlich viel günstiger herzustellen und zu verkaufen als eine Geige. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten Ukulelen den Schwerpunkt der Produktion von Brüko. 1995 übernahmen Franz' Enkeltochter Friederike und ihr Mann Hubert Pfeiffer den Betrieb. Seitdem hat die Konkurrenz stark zugenommen. "Was sich in den letzten zehn Jahren am meisten geändert hat, ist die Zahl der Hersteller", sagt Pfeiffer.

Ihren Ursprung hat die Ukulele in der portugiesischen Braguinha, einer kleinen viersaitigen Gitarre, die im 19. Jahrhundert von europäischen Einwanderern auf die pazifischen Inseln gebracht wurde. Die Einwanderer begeisterten mit ihrer Straßenmusik das hawaiianische Volk und vor allem König Kalakaua, weshalb sich das Instrument schnell verbreitete. Es gibt viele Legenden, wie die Ukulele zu ihrem Namen kam. Oft liest man, er bedeute zu Deutsch "hüpfender Floh" und komme von den Fingerbewegungen des Spielers. Andere behaupten, der hawaiianischen Königin Lili'uokalani zufolge bedeute der Name "das Geschenk, das hierherkam". Auf der Panama-Pacific Expo 1915 in San Francisco wurde die Ukulele in den Vereinigten Staaten eingeführt und stieß auf große Resonanz. Von dort verbreitete sie sich in viele Länder.

Ukulelen von Brüko sind in vier Serienmodellen erhältlich. Der höchste Umsatz stammt aus dem Online-Shop. "Dadurch können wir im internationalen Geschäft gut mithalten. Wir verkaufen in die ganze Welt", erzählt Pfeiffer. "Australien, Neuseeland, Skandinavien - wir haben sogar nach Hawaii geliefert." Spitzenreiter unter den Serienprodukten ist die Brüko No. 6 Sopran Ukulele, die rund 130 Euro kostet. Sie ist, wie alle Standardmodelle, aus massivem Holz. Der Ukulelenkörper ist aus Mahagoni, der Hals aus Ahorn.

Der Stolz Brükos gründet aber nicht in den Serienmodellen. "Wenn ich ein besonders schönes Stück Holz habe, dann mache ich auch etwas Einzigartiges", sagt Pfeiffer. Ein Beispiel ist die "Sopran Ukulele Longneck Bahia Rosenholz ¾-hoch", die 315 Euro kostet. Sie ist aus exotischem Bahia-Rosenholz, das man nur in Brasilien findet. Das Holz verleihe dem Instrument neben einem leichten Rosenduft einen einzigartigen Klang. Ein anderes Beispiel ist eine Eichenholz-Ukulele, deren Holz 15 000 Jahre lang in Sümpfen überdauerte. Sie schimmert moosgrün und hat einen ungewöhnlichen Klang.

"Im Moment arbeiten wir an einem Sondermodell für einen Kunden in Brasilien", verrät Pfeiffer. Auf ein Sondermodell muss der Kunde im Schnitt acht Wochen warten. Der Preis variiere mit dem Material, sei aber nie exorbitant hoch. "Wenn ich nicht vor zehn Jahren Mahagoni gelagert hätte, müsste ich meine Preise jetzt drastisch steigern", sagt Pfeiffer. Die Preise für Mahagoni sind stark gestiegen.

"Am wichtigsten ist ein Auge fürs Holz", sagt der Instrumentenbauer. Er sucht im Wald die Bäume aus, aus deren Holz die Instrumente gefertigt werden, meistens Ahorn-, Kirsch- und Nussbäume. Dabei achtet er auf einen möglichst astfreien, geraden Wuchs. "Es können mal zehn von zehn Bäumen geeignet sein, mal gar keiner. Egal, wie schön ein Baum von außen ist, man kann ja nicht in den Stamm schauen."

Es gebe viel zu beachten. Zum Beispiel müsse man sich beim Fällen eines Ahornbaumes nach den Mondphasen richten. "Man muss ihn am Neumond fällen, sonst hat er zu viel Saft", erklärt Pfeiffer. Auch die Lagerung des Holzes ist enorm wichtig: Hölzer für Tonhälse, beispielsweise Ahorn, werden drei Jahre gelagert, Hölzer für den Korpus, beispielsweise Mahagoni, acht bis zehn Jahre. "Ausgesuchte Hölzer für meine Sonderfertigungen, Zeder zum Beispiel, können bis zu zwanzig Jahre brauchen."

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist die Popularität der Ukulele durch den Einfluss des 1997 verstorbenen Israel Kamakawiwo'ole, genannt Bruddah Iz, und Ukulele-Künstlern wie Jake Shimabukuro oder des Ukulele Orchestra of Great Britain stark gestiegen. Und durch Stefan Raab, der bei Brüko kauft. Eine Umsatzzahl nennt das Unternehmen nicht. Pfeiffer verrät aber, dass man heute rund 2000 weniger Ukulelen im Jahr verkauft als um die Jahrtausendwende. Der Umsatz sei aber gleich geblieben. Damals stellte Brüko 3000 Ukulelen im Jahr her, heute nur noch rund 1000. Den starken Rückgang erklärt Pfeiffer so: "Dank der neuen Popularität haben viele neue, vor allem ausländische Firmen versucht, in diesen Markt einzusteigen. Also kaufen die Anfänger lieber die billigen Fließbandprodukte als die teureren Instrumente."

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie man anderen einen Floh ins Ohr setzt
Autor
Finn Breidenbach
Schule
Humboldt-Gymnasium , Ulm
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2014
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance