Manche Ferkel haben Schwein gehabt

Schwein gehabt

Ökologische Landwirtschaft ist ein großes Thema – auch im Raum Hohenlohe im Nordosten Baden-Württembergs. Dort hat in Wolpertshausen die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall w.V. (BESH), von Rudolf Bühler 2007 gegründet, den Regionalmarkt Hohenlohe ins Leben gerufen. Das vielfältige Konzept locke viele Besucher an. „Unser Kundenkreis ist allumfassend, egal ob jung oder alt, ob Normalverdiener oder Millionär. Da wundere ich mich manchmal schon, was für tolle Autos auf unserem Parkplatz stehen“, sagt der Leiter des Regionalmarktes, Jörg Edinger, schmunzelnd. Wegen des günstigen Standorts nahe der Autobahn besuchen auch ganze Reisebusse den Regionalmarkt. Er besteht zum einen aus einer 950 Quadratmeter großen Markthalle, in der mehr als 4000 heimische Produkte zu finden sind. Zum anderen gibt es ein Restaurant, einen Spielplatz, einen Reiseservice, eine Bäckerei, ein Blumengeschäft und einen Kräutergarten. Im gesamten Regionalmarkt sind rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Schwerpunkt des kulinarischen Angebots liegt auf zwei regionalen Tierrassen. Das Schwäbisch-Hällische Landschwein, aufgrund seines Äußeren auch Mohrenköpfle genannt, galt Anfang der achtziger Jahre als nahezu ausgestorben. Nur sieben Sauen und ein Eber hatten überlebt. Rudolf Bühler sorgte dafür, dass die Rasse wiederbelebt wurde. „Diese Rasse ist so populär geworden, weil sie sehr fruchtbar ist, eine tolle Fleischqualität besitzt und sich durch ihre Zartheit auszeichnet“, erklärte Bühler 2008 in einem Interview mit einem regionalen Fernsehsender. Klaus Dürr, Züchter der Mohrenköpf le, ist ebenso angetan: „Die Tiere haben ein höheres Mastendgewicht und sind langsamer gewachsen. Das Fleisch ist stärker ausgereift, was beim Braten in der Pfanne deutlich wird, denn das Fleisch schrumpft nicht so stark.“ Heute ist das Herdbuch der Schwäbisch-Hällischen Landschweine auf 350 Sauen angewachsen, sodass inzwischen 3500 Muttersauen dafür sorgen, dass jährlich 70000 Ferkel geworfen werden.

Auch das Limpurger Rind galt in den achtziger Jahren als fast ausgestorben. Doch konnte es durch das hartnäckige Festhalten einiger Betriebe an der Rasse erhalten werde. Schon im 18. Jahrhundert wurde dieses Weiderind unter dem Namen Boeuf de Hohenlohe bis nach Frankreich verkauft. Schon damals war das Fleisch sehr geschätzt, weil es aufgrund der natürlichen Marmorierung saftig und zart war. Zudem unterscheidet sich das Limpurger Rind von anderen Rinderrassen durch einen feinen Knochenbau. „Damit ist der Knochenanteil am Schlachtkörper geringer und der Fleisch- beziehungsweise Muskelanteil höher, was zu höheren Erträgen führt“, erläutert Klaus Süpple, Mitglied der BESH und Züchter des Limpurger Rinds. Dadurch erhalten die Bauern für das Fleisch einen Preis, der um 12 bis 40 Cent je Kilogramm höher liegt als der Preis für herkömmliches Rindfleisch.

Die Züchtung des Hohenloher Mastviehs erfolgt nach historischem Vorbild. So kommen nur heimische Futtermittel zum Einsatz, ohne Zusätze von Fisch- und Tiermehl; außerdem wird kein gentechnisch verändertes Futter verwendet. Das alles hat seinen Preis: Ein Kilo Rinderfilet vom Boeuf de Hohenlohe kostet rund 55 Euro. Jährlich werden etwa 150000 Schweine und 13000 Stück Großvieh geschlachtet. Marktleiter Edinger berichtet, dass die Umsätze von Jahr zu Jahr um etwa 20 Prozent gestiegen seien; im Regionalmarkt betrug der Umsatz 2013 rund 8,5 Millionen Euro und in der gesamten Erzeugergemeinschaft etwa 100 Millionen Euro. Derzeit gehören rund 1500 Bauernhöfe zur BESH.

Das Unternehmen bietet seine Waren auch in Geschenkkörben an. Ein solcher Korb war Anlass für den Besuch des britischen Thronfolgers Prinz Charles in Wolpertshausen: Philipp Fürst zu Hohenlohe- Langenburg hatte einen dieser Körbe zur Hochzeit von William und Kate überreicht. Er erregte das Interesse der Königsfamilie, sodass der Kronprinz zwei Jahre später einen Gegenbesuch abstattete.

Informationen zum Beitrag

Titel
Manche Ferkel haben Schwein gehabt
Autor
Lea Maaß
Schule
Lise-Meitner-Gymnasium , Crailsheim
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2014, Nr. 140, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance