Damit das junge Gemüse nicht ausbüchst

Dosen

Die Geschichte der Konservendose begann vor gut 200 Jahren. Der französische Kaiser Napoleon setzte eine Belohnung von 12000 Goldfranken für denjenigen aus, der ein Verfahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln erfindet. Dies war notwendig, um die Soldaten auf ihren Feldzügen mit unverdorbenem Essen zu versorgen. Das Geld bekam ein Pariser Konditor: Er erhitzte Nahrungsmittel in Glasflaschen. Daraufhin hatte der Brite Peter Durand die Idee, Blechkanister als Konservierungsbehälter zu verwenden. 1810 meldete er ein Patent an – die Konservendose war geboren.

Die in Essen ansässige Cantec GmbH & Co. KG, ein Tochterunternehmen der Schweizer Soudronic AG, trägt wesentlich dazu bei, dass heute auf der ganzen Welt Lebensmittel in Dosen haltbar gemacht werden. Cantec ist nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von mehr als 40 Prozent globaler Marktführer in der Herstellung von Maschinen für die Produktion von dreiteiligen Konservendosen. Dafür erfand man Anfang der achtziger Jahre den Can-o-mat. War bis dahin die Produktion von Dosen in einzelnen Maschinen (je Umformung eine Maschine) üblich, vereint der Can-o-mat verschiedene Umformungen an der Dose in einer Maschine. Bisher hat Cantec mehr als 800 Maschinen dieses Typs verkauft.

„Ein weiterer Grund für unseren Erfolg ist, dass wir gemeinsam mit den Kunden in aller Welt das Produkt Dose weiterentwickeln“, sagt Robert Bauerdiek, kaufmännischer Geschäftsführer von Cantec. Seit einiger Zeit liegt der Schwerpunkt auf einer Reduzierung der Blechdicke von Boden und Dosenrumpf. „Es ist vor zehn Jahren noch Stand der Technik gewesen, eine 400-Gramm-Dose aus 0,16-Millimeter-Blech herzustellen. Heute ist es technisch möglich, hierfür 0,10-Millimeter-Blech zu verwenden.“

Dreiteilige Konservendosen bestehen aus Boden, Rumpf und Deckel. Es gibt auch zweiteilige Dosen, die allerdings nicht mit den Maschinen von Cantec hergestellt werden können. Essen wird meistens in dreiteiligen Dosen konserviert; für Bier und Cola werden oft zweiteilige verwendet. In China gibt es aber auch Getränkedosen, zum Beispiel für Red Bull, die aus drei Teilen bestehen.

Bei den zweiteiligen Dosen bilden Rumpf und Boden einen gemeinsamen Teil. „Die Zwei-Teil-Dose wird weltweit in wesentlich höheren Stückzahlen gefertigt, die Variantenvielfalt ist allerdings sehr gering“, erklärt Bauerdiek. Die Herstellung der Zwei- und Drei-Teil-Dosen findet in unterschiedlichen Maschinen statt. Die dreiteilige Dose wird geschweißt, die zweiteilige tiefgezogen.

Alle drei Teile der Dose werden aus demselben Material gefertigt, in der Regel aus Weißblech, seltener aus Aluminium. „Wichtig ist, dass die Dosen stabil sind, damit sie auch in Massen transportiert werden können. Deshalb wird auf eine gewisse Blechstärke geachtet“, sagt der Personalleiter von Cantec, Michael Klossek. In die Maschine werden Blechtafeln eingefügt, die umgebogen und verschweißt werden, so dass ein Zylinder entsteht. Dann werden Rillen geformt, die für zusätzliche Stabilität sorgen.

Cantec beschäftigt in Essen knapp 150 Mitarbeiter; produziert wird auch in Frankreich und Italien. Der Bau einer Maschine dauert zwischen drei und sechs Monaten. Sie kostet – je nachdem, was der Kunde braucht – bis zu einer halben Million Euro. „Nur eine Maschine zu kaufen bringt aber nicht viel, wenn man eine große Menge Dosen herstellen möchte. Man braucht dann auch eine Schweißmaschine, eine Schneidemaschine und Transportsysteme“, erklärt Klossek. Eine gesamte Linie kann bis zu 8Millionen Euro kosten. „Die Zahl der insgesamt produzierten Maschinen seit Firmengründung ist sicherlich fünfstellig“, sagt Bauerdiek.

Das Unternehmen exportiert 98 Prozent seiner Produkte. Vor allem in Südamerika, Afrika und Südostasien sei die Nachfrage hoch. Denn dort sei das Kühlen von Lebensmitteln besonders aufwendig. Die Maschinen stellen 1000 Dosen in der Minute her. Im Trend liegt neben immer dünneren Blechen die Verwendung von „Peel-off“-Deckeln, die den herkömmlichen Aufreißdeckel immer mehr ersetzen.

„Die Dose mag im Marketingsinn nicht ,sexy‘ sein, sie ist für viele Menschen auf der Welt aber weiterhin die einzige Möglichkeit, sich sicher mit Lebensmitteln zu versorgen“, sagt Bauerdiek. Außerdem werde sie zumindest in Deutschland oft recycelt. Im Jahr 2013 hat Cantec nach Angaben von Klossek einen Umsatz von 35 Millionen Euro erzielt. In diesem Jahr soll er höher sein.

Informationen zum Beitrag

Titel
Damit das junge Gemüse nicht ausbüchst
Autor
Amel Pejic
Schule
Tannenbusch-Gymnasium, , Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2014, Nr. 129, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance