Essen auf Rädern

Benjamin Thompson hat sich in einen schwierigen Wirtschaftszweig gewagt – und eine Marktlücke entdeckt: Der Unternehmer betreibt das nach eigenen Angaben erste fahrende Luxusrestaurant in Deutschland. Seit März 2011 ist er mit seinem Gourmet-Liner unterwegs. Nachdem Thompson eine Ausbildung als Koch abgeschlossen und ein Cateringunternehmen gegründet hatte, das er fünf Jahre lang betrieb, entschied er sich für ein BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Hotel- und Gaststättengewerbe. Dann hatte er – mit 29 Jahren – die Idee des Gourmet-Liners. Immer wieder hatte er Ausschau gehalten nach neuen und spektakulären Plätzen, an denen man Restaurants eröffnen könnte. Doch war es dort oft nicht erlaubt, ein Lokal zu betreiben. Da kam ihm die Idee einer örtlich flexiblen Gaststätte.

Die Flexibilität des Restaurants auf sechs Rädern überzeugt offenbar auch die Kunden: „Vom ersten Tag an hatten wir eine gute Auslastung.“ Mindestens drei Tage in der Woche sei man auf Tour, sagt der heute 32-Jährige. „Der Grund dafür könnte sein, dass bei einem solchen Produkt die Öffentlichkeit schon allein auf  einen zukommt; da muss man gar nicht so viel Werbung machen.“ Für Werbung gebe er nur 5Prozent des Umsatzes aus.

Thompson kann sich an viele Plätze stellen, auch direkt vor das Brandenburger Tor. In den Städten gibt es vor den meisten Sehenswürdigkeiten Busparkplätze. Und da die Touren abends stattfinden, kann man immer einen Platz ergattern. Bis zu 36 Personen können in dem Gourmet-Liner auf zwei Etagen Junggesellenabschiede, Firmenjubiläen, Hochzeiten oder Geburtstage feiern. Investiert hat der Jungunternehmer eine halbe Million Euro in den Bus der belgischen Marke Van Hool, inklusive der Umbauten. Alle Möbel wurden in Handarbeit gebaut.

Die Gäste werden zunächst mit einem Glas Sekt oder Champagner empfangen, dann steigen sie in den Bus ein, und das erste Gericht wird serviert. Während der ganzen Fahrt moderiert ein Führer die Tour. Jede weitere Speise wird an einer neuen Sehenswürdigkeit serviert, damit die Gäste mit schönem Ausblick dinieren können.

Thompson erinnert sich an eine ganz besondere Tour: „Eine goldene Hochzeit, die bei uns gefeiert wurde, ist mir im Gedächtnis geblieben.“ Die Eheleute sind mit den Gästen ihren gemeinsamen Lebensweg abgefahren. Der Platz, an dem sie sich kennengelernt hatten, wurde genauso besucht wie die Orte des Heirats antrags und der Hochzeit. Währenddessen gab es auf den Bildschirmen im Bus eine Präsentation mit Fotos und Videos.

Je nach Veranstaltung liegen die Preise zwischen 100 und 200 Euro je Person. Der Umsatz beläuft sich nach Angaben des Geschäftsführers auf 20000 bis 100000 Euro im Monat. 2013 lag er im mittleren sechsstelligen Bereich.

Da der Hauptsitz Berlin ist, finden dort auch die meisten Touren statt. Ungefähr jede zehnte Tour wird in einer anderen Stadt gefahren, vor allem in Hamburg

und Köln. Gekocht wird in einer zwölf  Quadratmeter großen Küche. Der Bus darf sich deshalb nur mit höchstens 25 Stundenkilometern fortbewegen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Essen auf Rädern
Autor
Mara Fleischmann
Schule
Oberschule Rockwinkel , Bremen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2014, Nr. 181, S. 18
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance