Frühlingsgefühle machen putzmunter

Der Frühjahrsputz ist weniger altmodisch, als viele meinen. "In der Zeit nach dem Winter, aber auch im Herbst, kurz vor dem Winter, werden mehr Reinigungsprodukte verkauft als im Rest des Jahres", sagt Torsten Emigholz, Geschäftsführer der Poliboy Brandt & Walther GmbH aus Lilienthal bei Bremen. "Da die Sonne tiefer steht, ist der Staub stärker zu sehen. Auch haben viele Leute vor und nach dem Winter das Gefühl, alles einmal gründlich reinigen zu müssen." Emigholz muss es wissen, denn Poliboy ist nach eigenen Angaben Deutschlands Marktführer für Reinigung und Pflege im Haushalt. Seit 2006 ist das Familienunternehmen, das sechzig Mitarbeiter beschäftigt, nach eigenen Angaben mit einem Anteil von 37 Prozent Marktführer im Bereich Möbelpflege. In der Silberpflege habe man diesen Status seit 2005 mit einem derzeitigen Marktanteil von 77 Prozent. Außerdem bietet Poliboy Reinigungs- und Pflegeprodukte für Leder, Boden, Küche, Edelmetalle und Kunststoffe an.

Nur 5 bis 10 Prozent der Produkte werden exportiert. Doch gibt es die Produkte von Poliboy auch in dem afrikanischen Inselstaat Mauritius zu kaufen. "Eine deutsche Kundin ist dorthin ausgewandert, um zu heiraten, und hat einen kleinen Shop eröffnet, wofür wir einmal im Jahr einen Container mit unseren Produkten nach Mauritius schicken", erzählt Emigholz. Der jährliche Umsatz von Poliboy liegt im unteren zweistelligen Millionenbereich und ist konstant gestiegen. Vor allem die Wiedervereinigung 1990 und der Aufschwung der Drogeriemärkte hätten zu einem Anstieg der Erlöse geführt.

S.C. Johnson & Son ist nach Angaben von Emigholz unter anderem mit den Marken Stahl-Fix und Pronto der größte Konkurrent in der Silber- und Möbelpflege und setzt rund 8 Milliarden Euro um. Werner & Mertz, Konkurrent in der Leder- und Bodenpflege mit der Marke Frosch, erlöst 300 Millionen Euro im Jahr. Die finanziellen Möglichkeiten von Poliboy vergleicht Emigholz mit denen des heimischen Fußballvereins: "Wenn Werder Bremen auf Biegen und Brechen versuchen würde, mit Bayern München mitzuhalten, würden sie sich hoch verschulden." So rentieren sich für Poliboy auch die Ausgaben für die früher gezeigte Fernsehwerbung nicht mehr.

Aus dieser ist vielen Menschen der Poliboy bekannt. Die Idee des Poliboys, der wie ein Hotelpage aussieht, entstand aus dem 1939 gedrehten Film Opernball mit dem Komikerpaar Theo Lingen und Hans Moser. In ihm reinigt Lingen als Hotelportier mit Bürsten unter den Füßen das Parkett. Ein Werbezeichner animierte daraus das P-Männchen, das seit 1944 den Anfangsbuchstaben von Poliboy darstellt.

Gegründet wurde Poliboy 1930 von Adolf Brandt und Otto Walther, dem Großvater des heutigen Geschäftsführers, als Im- und Exportunternehmen für Getreide. "Damals wurden die Möbel noch mit Wachs gepflegt, und jedes Mal wurde die Wachsschicht auf dem Möbelstück dicker, wodurch ein unschöner Glanz reflektiert wurde", erklärt Emigholz. Daraufhin entwickelten Walther und sein Sohn zusammen mit einem Chemiker 1946 eine Reinigungsformel ohne Wachs. Stattdessen enthalten die meisten Pflegeprodukte nun feine Öle. Es handelt sich um eine Mischung aus mineralischen und pflanzlichen Ölen. Mit Sorge betrachtet der Geschäftsführer die Preisentwicklung der Mineralöle. "Wir können ohnehin schon mit den Preisen einiger Konkurrenten nicht ganz mithalten."

Die Zwischenhändler, die für Poliboy eher die Kunden sind als die Endverbraucher, kritisieren bisweilen, dass die Produkte von Poliboy zu lange im Regal stünden. Das liege daran, dass es lange dauere, bis der Kunde sie aufgebraucht habe. Eine Möbelpflege kaufe man nur ein- bis zweimal im Jahr, erklärt Emigholz. Für diese "Langsamdreher" verlangt der Handel deshalb eine höhere Rendite.

Poliboy hat darauf 2003 mit einer Innovation reagiert, die den Umsatz angekurbelt hat: Feuchttücher für die Möbelpflege. Diese kannte man aus der Babypflege und der Kosmetik. Bei den Kunden kamen sie gut an. Sie seien einfach sehr praktisch für das schnelle Putzen zwischendurch, erklärt Emigholz. Seit 2003 wurden fast jedes Jahr neue Arten von Feuchttüchern ins Sortiment aufgenommen. Derzeit gibt es neun verschiedene Sorten, unter anderem für Möbel, Leder und Flachbildschirme. Heute werden jährlich rund 600 000 Packungen Möbelfeuchttücher verkauft.

Informationen zum Beitrag

Titel
Frühlingsgefühle machen putzmunter
Autor
Cedric Philipp
Schule
Oberschule Rockwinkel , Bremen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2014, Nr. 205, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance