Eine automobile Dreiecksgeschichte

Jeder Fahrschüler lernt, dass das Warndreieck im Fahrzeug aus Sicherheitsgründen mitzuführen ist. Das steht in Paragraph 53a der Straßenverkehrszulassungsordnung – und man sollte den Nutzen der stummen Lebensretter nicht unterschätzen. Werden sie bei einem Unfall korrekt eingesetzt, vermeiden sie Folgeunfälle und machen den nachfolgenden Verkehr auf eine Gefahrenstelle aufmerksam. Die meisten Fahrzeuge in Deutschland werden schon ab Werk mit einem Warndreieck ausgestattet. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es von der Gebra GmbH & Co. Sicherheitsprodukte KG in Hennef hergestellt worden ist, dem nach eigenen Angaben größten Warndreieck-Hersteller in Europa.

Gebra beschäftigt in Deutschland 125 und in China 120 Mitarbeiter und wird von Wolfgang Weber geleitet, der das Unternehmen 2004 einem strategischen Investor abgekauft hat. „Als ich hier angefangen habe, hat die Gebra einen Umsatz von 7 Millionen Euro gemacht“, sagt Weber. 2013 betrug der Umsatz 12,7 Millionen Euro. Weber ist optimistisch: „Wir wachsen gesund und stetig.“ Das liegt auch daran, dass Gebra Erstausrüster und Systemlieferant der Automobilindustrie ist. „Wir haben langjährige Lieferverträge. Unsere Lieferverantwortung reicht oft bis zu sechs Jahre in die Zukunft, so lange wie die Fahrzeugmodelle gebaut werden. Unsere Entwicklung ist jetzt schon mit den Fahrzeugen von 2016 und später beschäftigt.“

Neben den Warndreiecken, die in allen europäischen Ländern sowie in China und Indien zugelassen sind, spezialisiert sich das Unternehmen seit gut drei Jahren auf Leuchten und baut eine Produktlinie auf, die Seitenmarkierungen und Rückstrahler umfasst. Vor allem die Rückstrahler werden in der Automobilindustrie stark nachgefragt. Zu den Kunden von Gebra gehören Daimler, BMW und Audi. Außerdem arbeitet das Unternehmen mit Verbandmittelherstellern zusammen, die in die Verbandtaschen je nach Modell Warndreiecke stecken. In der Regel sind die Warndreiecke Standardtypen, für die es aber unterschiedliche Behälter (Köcher) gibt. Der Kunde kann dann entscheiden, ob er die Verpackung in einer besonderen Farbe, mit einem Logo oder einer zusätzlichen Halterung haben will. Es gibt aber auch Sonderanfertigungen, die meistens mit speziellen Halterungen in den Heckdeckeln befestigt sind.

Daher sind die Preise der Warndreiecke je nach Modell, Materialaufwand und Abnahmemenge unterschiedlich hoch. Sie bewegen sich zwischen 2,50 und 7 Euro. Im Durchschnitt verkauft das Unternehmen jährlich 5 Millionen Warndreiecke. 2013 waren es 5,3 Millionen, 2001 erst 1,5 Millionen. Gut 90 Prozent gingen direkt an die Autohersteller. An einem Tag kann Gebra gut 20000 Warndreiecke produzieren.

Mit ihnen erwirtschaftet das Unternehmen knapp 70 Prozent des Umsatzes. Doch erzielt es mit ihnen die niedrigste Gewinnspanne. „Die Automobilhersteller fordern seit vielen Jahren ständige Preisreduzierungen und Produktivitätssteigerungen“, erklärt Weber. Eine Ursache sei, dass Komponenten in Fahrzeugen immer kompakter werden müssten. Deswegen brachte Gebra 2001 das kompakteste Warndreieck auf den Markt, mit Abmessungen von gerade einmal 450 mal 45 mal 35 Millimeter und einem Gewicht von etwa 500 Gramm.

Warndreiecke müssen vom TÜV überprüft werden, erst dann erhalten sie eine Zulassungsnummer vom Kraftfahrt-Bundesamt. Zur Anwendung kommen dabei Regelungen, die international vereinbart wurden und die zum Beispiel die Reflexionsstärke für Licht und die Standfestigkeit bei Wind betreffen. „Es gibt keine unterschiedlichen Beleuchtungsformen bei Warndreiecken, sie sind alle passiv“, erklärt Weber. Die Reflexion erfolge einzig und allein durch die Brechung und Rückstrahlung des Lichts in den Reflektoren. „Diese sind mit einer Vielzahl kleiner Prismen auf der Innenseite versehen, an denen sich das Licht dann zweimal im Neunzig-Grad-Winkel bricht und damit zurückgelenkt wird.“ Das funktioniere aber nur bei Nacht, wenn der Lichtkegel eines Fahrzeugs das Warndreieck erfasse. Bei Tageslicht arbeite der fluoreszierende, orange Teil des Warndreiecks. „Das fluoreszierende Material weist selbst bei schwachem Tageslicht eine sehr hohe Leuchtkraft auf und ist somit bei Tag immer gut zu erkennen.“

Gebra hat eine Exportquote von gut 20Prozent und liefert auch nach Mexiko, Brasilien, China und Indien, denn auch dort sind Warndreiecke Pflicht. In China unterhält man eine Tochtergesellschaft. Sie verkaufte im vergangenen Jahr 2 Millionen Warndreiecke.

Informationen zum Beitrag

Titel
Eine automobile Dreiecksgeschichte
Autor
Sabiha Syed
Schule
Tannenbusch-Gymnasium , Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2014, Nr. 229, S. 23
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance