Die Köpfe sollen rauchen

Eine Zigarette ist wie ein rascher Flirt, eine Zigarre wie eine anspruchsvolle Geliebte, die Pfeife aber ist wie eine Ehefrau.“ So empfand es zumindest der Schriftsteller Michael Ende. Auch der Geschäftsleiter der Vauen Vereinigte Pfeifenfabriken Nürnberg GmbH, Alexander Eckert, ist von dieser Weisheit überzeugt. Pfeife rauchen ist eine zeitaufwendige Leidenschaft, und die Raucher schätzen eine hohe Qualität der Pfeife. Laut Eckert war Vauen die erste deutsche Pfeifenmanufaktur; seit 1848 stellt sie Pfeifen in größerer Stückzahl her.

Nach Angaben des Geschäftsführers gilt Vauen als größter Pfeifenhersteller in Deutschland, mit einem Jahresumsatz von knapp 6,7 Millionen Euro und einem Marktanteil von geschätzten 30 Prozent. Das Unternehmen verkauft auch ein gutes Dutzend Tabaksorten – von Erdbeere bis Black Pepper –, Reiniger, Pfeifenstopfer und -taschen. Es exportiert in siebzig Länder. „Knapp 4 Prozent der Pfeifenraucher sollen weiblich sein“, sagt Eckert. Im Jahr stellt das Unternehmen rund 60000 Pfeifen und 130 Millionen Filter her. Es verfügt über eine Palette von 350 Pfeifen, besonders gefragt ist die Classic. Die Pfeifen, deren Preise zwischen 50 und 400 Euro liegen, werden aus Bruyère gefertigt, ein Holz, das rund um das Mittelmeer wächst.

„Auch unsere industriellen Pfeifen werden zu 95 Prozent mit der Hand gefertigt. Bei ihnen ist die Rohkopfformherstellung maschinell. Bei den nicht-industriellen Pfeifen wird dieser Abschnitt auch mit der Hand gemacht“, erklärt Eckert. Diese kosten mindestens 300 Euro. Pfeifen mit Brillanten auf dem Mundstück lassen sich besonders teuer verkaufen. Die bisher teuerste Pfeife kostete 2000 Euro. Pfeifen unterliegen Moden. „Weiße Pfeifen sind momentan der absolute Renner.“

Bis 2011 stellte Vauen als einziges Unternehmen die sogenannten Herr-der-Ringe-Pfeifen her. Der Stiel aus Buchenholz ist besonders lang, so dass der Rauch stark abkühlt, bevor er den Mund erreicht. Der Umsatzanteil betrug gut 11 Prozent. Dann lief die Lizenz aus – und Vauen brachte 2013 die langstieligen Auenland-Pfeifen auf den Markt. Die Modelle Gilg, Friddo, Hugg und Enron wurden 2013 3443 Mal verkauft; das waren fast 7 Prozent aller verkauften Pfeifen. Die Namen sollen an Hobbits erinnern, sind allerdings frei erfunden.

Vauen arbeitet mit Klaus Hölters zusammen, der an Universitäten und in Verbindungshäusern Seminare hält, um das Pfeiferauchen populärer zu machen. „Die Pfeife war immer eher akademisch. Sie war nie ein richtiges Arbeiterrauchinstrument“, erklärt Hölters. „Inzwischen sind die Seminare Selbstläufer. Ich habe weit mehr Anfragen, als ich bewältigen kann.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Köpfe sollen rauchen
Autor
Martina Bilic
Schule
Oberschule Rockwinkel , Bremen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2014, Nr. 258, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance