Ein Café lässt sich nicht veräppeln

Ein kleines Bonner Familiencafé namens Apfelkind geriet unerwartet in einen Markenstreit mit dem Weltkonzern Apple – und ging unbeschadet daraus hervor. Beide Unternehmen haben einen Apfel in ihrem Firmenlogo und waren bereit, für ihr Markenzeichen zu kämpfen. Das von historischen Häuserfassaden und Baumalleen umgebene Eckcafé residiert in einem schönen Altbau aus der Gründerzeit. Als sie ihrem Café den Namen Apfelkind gab, habe sie sich von ihren Vermietern inspirieren lassen, die eine Plantage mit 4000 Apfelbäumen betreiben, erzählt Inhaberin Christin Römer. Der Apfel sollte für das Natürliche und Gesunde stehen, das Kind für Kinderfreundlichkeit und Verspieltheit. Das Logo, der rote Apfel mit dem integrierten Kinderkopf, das zum Auslöser des Markenkampfes wurde, sollte den Namen und die Philosophie des Cafés symbolisieren. „Keine Frucht symbolisiert eine glückliche Kindheit besser als ein gesunder Apfel“, findet Römer.

Das rote Apfellogo ziert Möbel, Lampenschirme, Tassen, Teller, Taschen und die Tür des Cafés. Und genau dieses Logo wurde zum Zankapfel zwischen der Inhaberin des Cafés in der Bonner Südstadt und dem Weltkonzern aus Kalifornien. Christin Römer eröffnete das Café im April 2011 und ließ das Apfellogo und den Namen beim Markenamt eintragen. Einige Monate später bekam sie Post von Apples Anwälten. In dem Brief stand, dass Apple eine „hochgradige Verwechslungsgefahr“ des Apfelkind-Logos mit dem angebissenen Apfel von Apple sehe. Der Widerspruch kam, kurz bevor die Markeneintragung rechtskräftig geworden wäre. Apple wollte, dass Römer die Eintragung zurücknimmt und auf vier weitere Markenklassen verzichtet. Damit wäre es ihr nicht mehr möglich gewesen, Aufkleber, Taschen, T-Shirts und Spielzeug mit ihrem Apfel-Emblem zu bedrucken und zu verkaufen.

Die entscheidende Wende kam, als der Düsseldorfer Anwalt für Markenrecht Markus Braunewell ihr anbot, sie zu vertreten. Da stimmte Apple einem Treffen zu. Im Februar 2014 machte sich ein Anwalt des amerikanischen Konzerns ein eigenes Bild von dem Café. „Ich glaube, er hat gesehen, dass es nicht bedrohlich ist“, sagt Römer, denn Apple nahm seinen Widerspruch zurück. Römer muss nur eine Einschränkung akzeptieren: Ihr Logo darf keine Computer, Handys, Hüllen für digitale Geräte und Computer- oder Videospiele zieren. Damit kann sie gut leben.

Die Geschichte sorgte für großes Medieninteresse. Selbst ein japanisches Kamerateam kam und berichtete vom Kampf Davids gegen Goliath. Auch Touristen aus China statteten dem Café einen Besuch ab, ebenso wie neugierige Touristen aus den nördlichen Ländern. Die Tassen mit dem Logo wurden in die ganze Welt verschickt. „Es kamen Tausende E-Mails aus allen Ländern, viele sehr persönliche Worte. Man forderte mich auf, mich nicht veräppeln zu lassen. Aus dieser Solidarität konnte ich Kraft schöpfen“, erzählt Römer und ergänzt: „In gewissem Sinne kann ich Apple für die kostenlose PR auch dankbar sein, ich selbst habe niemals Werbung für Apfelkind gemacht.“

In den eineinhalb Jahren des Markenstreits platzte das Café phasenweise aus allen Nähten, und die Nachfrage nach Tassen zu 8 Euro und Täschchen zu 3Euro war außergewöhnlich hoch. In der Zeit der Medienberichterstattung musste Römer nach eigenen Angaben 1000 Tassen mit dem Logo nachordern. Während sie normalerweise höchstens 20 Tassen im Monat verkaufe, seien es in der heißen Phase des Markenstreits 100 Tassen gewesen. Doch diese hohe Nachfrage ist mittlerweile abgeebbt. Der Umsatz lag nach Angaben von Römer in den vergangenen beiden Jahren zwischen 60000 und 70000 Euro. Der Gewinn liege noch bei null. Es sei schwierig, ein Kindercafé nur über Kaffee und Kuchen wirtschaftlich tragfähig zu machen. Deshalb plane sie, die Produktpalette zu erweitern und hochwertige Kinderkleidung und Kinderprodukte mit ihrem Logo anzubieten. Insgesamt ist Apfelkind zu einem Geheimtipp geworden. Auch in dem Führer „111 Orte in Bonn, die man gesehen haben muss“ wird auf das Familiencafé hingewiesen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein Café lässt sich nicht veräppeln
Autor
Janina Braß
Schule
Berufskolleg , Siegburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2014, Nr. 258, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance