Beim Barte des Ästheten

Im Monty-Python-Klassiker „Die Ritter der Kokosnuss“ bestellt der kämpfende Lancelot seinen Opfern einen „schönen Gruß aus Solingen“. Das kommt nicht von ungefähr, bildet die nordrhein-westfälische Stadt doch seit dem ausgehenden Mittelalter das Herz der deutschen Schneidwarenindustrie; seit 1906 trägt die Dovo Stahlwaren Bracht GmbH & Co. KG ihren Teil dazu bei. Dovo ist Marktführer im Bereich der Rasiermesser vom geschmiedeten Rohling und beschäftigt zusammen mit dem Tochterunternehmen Merkur rund 80 Mitarbeiter, wie Geschäftsführer Ulrich Wiethoff berichtet. Angeboten werden rund 2000 Artikel, neben den Rasiermessern Friseurwerkzeuge, Nassrasierer, Maniküreetuis sowie Haut- und Nagelscheren. Hinzu kommen die von Merkur hergestellten Rasiergeräte, Rasierpinsel und Rasierklingen.

Unter den in Kleinserien angefertigten Artikeln werden derzeit vor allem Rasurartikel nachgefragt. Mit ihnen erzielt Dovo auch die höchste Gewinnspanne. Der Umsatz beträgt rund 6 Millionen Euro im Jahr; ein Fünftel tragen die rund 10000 Rasiermesser bei. Wiethoff schätzt den Marktanteil von Dovo auf dem Rasierklingenmarkt auf etwa 40 Prozent. „Man wird auch Marktführer, wenn alle anderen Anbieter die Produktion einstellen.“

In den vergangenen Jahren habe man den Trend zur Herrenkosmetik stark gespürt, sagt Wiethoff. Hinzu komme ein Retrotrend. Großen Anteil an dem Wunsch vieler Männer nach einer klassischen Rasur dürfte auch James Bond haben. Im Film „Skyfall“ aus dem Jahr 2012 ließ Bond-Girl Naomi Harris im Kerzenschein langsam ein Rasiermesser über Bonds Kehle gleiten und löste damit offenbar einen Hype um das Rasiermesser aus. Zumindest bei Dovo sei danach die Nachfrage nach Rasiermessern „in ungeahnte Höhen“ geschossen.

In der Herstellung kommt dem Härten des Rohlings große Bedeutung zu, der bei bis zu 840 Grad erhitzt und dann in Spezialöl abgeschreckt wird. Das anschließende sogenannte Anlassen bei etwa 230 Grad gibt der Klinge Elastizität und Zähigkeit. Vertrieben werden die Produkte vor allem im Ausland; der Exportanteil übersteigt 70 Prozent. Im Ausland zu produzieren ist für Wiethoff keine Option. Die Kunden legten Wert auf „made in Germany“ und „made in Solingen“.

„Unser exotischstes Produkt ist zurzeit ein Rasiermesser mit einer Beschalung aus bis zu 40000 Jahre altem Mammut-Elfenbein.“ Es werde jedes Jahr in einer Kleinserie von etwa 150 Stück aufgelegt. Bei einem Preis von rund 600 Euro sei es für Sammler interessant.

Informationen zum Beitrag

Titel
Beim Barte des Ästheten
Autor
Tim Neumann
Schule
Eichsfeld-Gymnasium , Duderstadt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2014, Nr. 258, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance