Der Moderator soll an die Wand geklatscht werden

Scheinwerfer an, ein Handzeichen, die Menge applaudiert – und das nicht unbedingt, weil sie von den Showeinlagen Heidi Klums begeistert ist. Es ist vielmehr der Mann abseits der Bühne, zu dem das Publikum blickt, um zu erfahren, ob es lachen oder klatschen muss. Der Mann heißt Christian Oberfuchshuber. Als international tätiger Warm-Upper gilt er als Meister der Show vor der Show. Mit Gags, Musik und Smalltalk bringt er das Publikum in Stimmung; auf diese Tätigkeit verzichtet kaum eine Fernsehshow. „Als Warm-Upper ist man der erste Ansprechpartner für die Zuschauer im Studio. Ich bin der Erste, der das Publikum begrüßt und auch der, der es verabschiedet. Meine Aufgabe ist es, die Leute auf die Sendung einzustimmen“, erzählt der aus Rosenheim stammende Entertainer. „Es geht darum, dem Publikum im Studio den Alltagsstress zu nehmen, damit es sich gelöst auf die Sendung einlassen kann und eine gute Zeit hat.“

Seine Kunden sind neben Großunternehmen, die seine Dienstleistung für interne Veranstaltungen buchen, vor allem Fernsehproduktionsfirmen und Fernsehsender. „Bei Shows, die am selben Tag produziert und ausgestrahlt werden, hat man keine große Zeit zum sogenannten Belachen des Publikums“, erklärt Martin Brindöpke, Head of Comedy der Fernsehproduktions- und Entwicklungsfirma Eyeworks. „Der Warm-Upper stellt hierbei den verlängerten Arm des Regisseurs und der Produzenten dar.“

Für einen Fernsehauftrag bekomme er rund 500 Euro, Großkunden der freien Wirtschaft zahlten etwa 2000 Euro, berichtet Oberfuchshuber. „Je größer das Format, je größer der Sender, umso höher die Gagen“, ergänzt Brindöpke. Grundsätzlich würden Tagesgagen vereinbart. „Man kann, wenn man gut ist, sehr gut davon leben“, sagt der Entertainer.

Das Warm-Upping einer Veranstaltung dauert meistens nur 15 Minuten. „Es beginnt mit dem Auftritt und der Vorstellung, gefolgt von einem kurzen Smalltalk, Erklärung der Regeln der Show und des Ablaufs sowie den Voraufzeichnungen“, erklärt Oberfuchshuber. „Zum Schluss kündige ich dann noch den Moderator an. Ab Showbeginn stehe ich außer in Werbe- oder Umbaupausen neben der Tribüne in guter Sichtweite des Publikums, um an den entsprechenden Stellen durch Handzeichen Applaus oder andere Reaktionen abzurufen.“ Besonders gut kämen Auftritte an, bei denen ein zufällig ausgewählter Zuschauer als Ko-Moderator einbezogen und etwas neckisch behandelt werde. „Die Schadenfreude ist in diesem Moment unendlich groß.“

Derzeit gibt es zehn hauptberufliche Warm-Upper in Deutschland. „Unter diesen zehn Leuten ist der deutsche Fernsehmarkt fast komplett aufgeteilt. Newcomer haben so gut wie keine Chance, in diesem Metier Fuß zu fassen, da Produktionsfirmen sehr viel Wert auf Erfahrung legen“, behauptet Oberfuchshuber. „Fernseh- und Studioproduktionen kosten sehr viel Geld. Da geht man ungern ein Risiko ein“, sagt Brindöpke.

Oberfuchshuber hat auch schon in den berühmten amerikanischen Late-Night-Shows von Jimmy Fallon und Conan O’Brien gearbeitet. „Auch die Zusammenarbeit mit den Großen der deutschen Branche wie Claudia Schiffer oder Heidi Klum bei Germany’s Next Topmodel macht immer sehr viel Spaß.“ Er erzählt von einem Auftritt in der Münchner Allianz Arena, bei dem er 70000 Menschen in Stimmung versetzte. „Wenn man es schafft, eine so große Anzahl von Leuten zum Lachen und Klatschen zu bringen, ist das wirklich unvergesslich.“

„Ich wollte als Kind entweder Busfahrer oder Moderator werden.“ Die Welt des Scheinwerferlichts entpuppte sich für den Entertainer dann als die richtige Entscheidung. „Ich bin süchtig nach der direkten Reaktion des Publikums in Form von Lacher oder Applaus“, gibt Oberfuchshuber zu. In den vergangenen fünfzehn Jahren habe er in rund 6000 Auftritten, das sind durchschnittlich 400 im Jahr, Zuschauer aus sechs Ländern unterhalten. Man benötige Authentizität, gutes Gespür für Menschen, Spontanität, Improvisationstalent – und gute Anzüge, sagt Oberfuchshuber. „Selbstironie, Beklopptheit und Rampensaudenken gehören natürlich auch dazu.“

Das Fernsehen sieht sich durch Internetplattformen wie Youtube einer starken Konkurrenz ausgesetzt. Doch der Warm-Upper profitiert davon. „Durch die Konkurrenz im Netz entwickelt sich das Fernsehen immer mehr zu einem Eventmedium; dadurch steigt die Bedeutung solcher Berufe wie der des Warm-Uppers“, erklärt Brindöpke. „Fernsehen muss immer perfekter werden, das gilt auch für den Zuschauer im Publikum, der einfach funktionieren muss.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Der Moderator soll an die Wand geklatscht werden
Autor
Sonali Beher
Schule
Landgraf-Ludwigs-Gymnasium , Gießen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2014, Nr. 282, S. 22
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance