Mit dem Trabi auf die Überholspur

Im Jahr 1958 rollte der erste Trabant aus den Automobilwerken Zwickau. 1989/90 wurde der Wagen zum Symbol der Wiedervereinigung – kein anderes Auto ist so eng mit der deutschen Geschichte verbunden wie der Trabi, der zum Kultauto geworden ist. Auch heute noch wird der Trabant 601 produziert – im Miniaturmaßstab 1 zu 87. „Kein Modell verkaufen wir öfter als den Trabi. Seit 1990 wurden mehr als einhunderttausend Exemplare hergestellt“, sagt Daniel Stiegler, Sprecher der Herpa Miniaturmodelle GmbH aus Dietenhofen bei Nürnberg. Dann folgen der Citroën 2CV und der Porsche 911. „Fast jeder hat eine persönliche Geschichte zu einem Trabi oder einer Ente zu erzählen oder träumt vom Porsche-Klassiker“, meint Stiegler.

Im Jahr 1971 stellte Herpa auf der Spielwarenmesse in Nürnberg detailgetreue Häuserbausätze im Maßstab von 1 zu 160 vor. Sieben Jahre später begann man mit der Produktion von Pkw-Modellen im Maßstab H0 (1 zu 87). Wegen ihrer filigranen Details wurden die Modelle rasch zu Sammlerobjekten. Alle folgenden brachte man in Schnapp-Bauweise auf den Markt: Sie werden nur zusammengesteckt und müssen deshalb sehr genau konstruiert werden.

Mit der neuen Hightechserie im Format 1 zu 87 setzte Herpa 1986 Maßstäbe. Der Ferrari Testarossa war das erste Modell, das aus 22 Einzelteilen, einer klappbaren Motorhaube und technischen Features wie einem nachgebildeten 12-Zylinder-Motor und einzeln gefederten Rädern bestand. Später präsentierte Herpa erstmals Flugzeugmodelle mit originalgetreuen Aufdrucken.

„Heute produzieren wir jährlich 4 Millionen Modellautos und sind Marktführer im Bereich 1 zu 87“, sagt Stiegler. Die aktuelle Herpa-Kollektion umfasst gut 1500 Automobilmodelle von Herstellern wie BMW, Mercedes-Benz, Audi und Volkswagen sowie historischen Herstellern wie Borgward, Henschel und Wartburg. Seine Produkte exportiert das Unternehmen vor allem in das europäische Ausland.

Damit die Auto- und Flugzeugmodelle so detailgetreu wie möglich werden, arbeitet Herpa mit Auto- und Flugzeugherstellern zusammen. „Weit vor einer Neuwagenpräsentation beginnen wir ein passendes Modell zu entwickeln.“ Dabei gelte höchste Geheimhaltung. „Nicht selten wird ein Herpa-Modellauto vom VW- Chefdesigner Walter Maria de Silva persönlich freigegeben“, verrät Stiegler. Die Entwicklungsdauer eines Modellfahrzeugs hängt von der Größe und Variante ab. „Für einen Lkw wie den Mercedes-Benz Actros benötigen wir fast ein Jahr, da es dieses Fahrzeug in unzähligen Varianten gibt“, berichtet der Unternehmenssprecher. „Die Entwicklung beansprucht ein jährliches Investitionsvolumen von ungefähr einer Million Euro.“

Herpa ist seit 2009 im Besitz von Fürst Andreas zu Leiningen. Rund 220 Mitarbeiter arbeiten am fränkischen Standort. Darüber hinaus produziert Herpa einen kleinen Teil seiner Produktpalette in Ungarn und Fernost. Der Umsatz lag 2013 im unteren zweistelligen Millionenbereich.

Der Kundenstamm reicht vom Hobbysammler bis hin zur Deutschen Lufthansa. Herpa ist nach eigenen Angaben auch Marktführer von Flugzeugmodellen im Maßstab 1 zu 500 und 1 zu 200. Viele Fluggesellschaften bieten Modelle im Bordverkauf an. Einer der Sammler ist der 63 Jahre alte Herbert Schneider aus Ulm. „1990 kaufte ich mir mein erstes Herpa-Modell – passend zur Wiedervereinigung einen Trabant 601“, erzählt der ehemalige Kfz-Mechaniker. „Heute sind die Modelle für mich Erinnerungsstücke an die früheren Zeiten und an meinen alten Beruf.“ Mehr als 300 Lastwagen- und Automodelle hat Schneider in seinen Vitrinen stehen.

Die Fahrzeugmodelle bestehen aus Kunststoff, weil dieser eine detaillierte Nachbildung auch kleiner Feinheiten erlaubt. Bei den Flugzeugmodellen kommt ein Zinkdruckguss zum Einsatz, „denn Flugzeugfans ist neben dem detailgetreuen Bau und Aufdruck auch das Gewicht wichtig“, erklärt Stiegler.

Informationen zum Beitrag

Titel
Mit dem Trabi auf die Überholspur
Autor
Maximilian Herold
Schule
Humboldt-Gymnasium , Ulm
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2014, Nr. 282, S. 22
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance