Glück geht keinem auf den Keks

Beim Besuch im Chinarestaurant darf er nicht fehlen: der knusprige Glückskeks mit seinen inhaltsschweren Sinnsprüchen. Über dessen Entstehung gibt es unterschiedliche Berichte: Einer Legende zufolge soll sich vor vielen Jahrhunderten in China ein Liebespaar mit eingebackenen Nachrichten heimlich verständigt haben. Angeblich spielten eingebackene Botschaften für die Chinesen schon während der Besetzung durch die Mongolen eine Rolle. Die jüngere Geschichte berichtet von einem japanischen Einwanderer in San Francisco, der 1909 begonnen haben soll, in seinem Teegarten Glückskekse zum Tee zu reichen.

Aber man muss gar nicht weit gehen, um auch hierzulande in den Genuss dieses Gebäcks zu kommen. Die Sweet & Lucky GmbH aus Gondelsheim beliefert seit 2003 den nationalen und internationalen Markt mit Glückskeksen nach eigener Rezeptur. Das Unternehmen ist ein Familienbetrieb. Die drei Geschwister Brauch teilen unter sich den Einkauf, Vertrieb, die Produktion und die Foliendruckerei für die Verpackung auf, wobei jeder zu einem Drittel am Unternehmen beteiligt ist. Viktoria Brauch hat zudem die Funktion der Geschäftsführerin: „Entscheidungen treffe ich in der Regel immer mit meinen beiden Geschwistern zusammen am Mittagstisch“, sagt die gelernte Müllermeisterin. In Gondelsheim sind 35 Mitarbeiter beschäftigt, und im Folienverpackungsbetrieb in Rosenheim arbeiten weitere 16 Personen.

Auf die Geschäftsidee kam die Müllerfamilie durch ein Geschenkpaket mit Glückskeksen aus Amerika. Das lieferte die Antwort auf die Frage, was man eigentlich aus dem eigenen Mehl herstellen und anschließend in der Foliendruckerei verpacken könnte. Ein Maschinenbauer half bei der maschinellen Keksherstellung, und das Rezept für einen schmackhaften Teig wurde in einer einjährigen Experimentierphase entwickelt. Die Mühle der Familie Brauch wird bereits in der vierten Generation betrieben, von den Eltern der drei Geschwister. Die Sweet & Lucky GmbH ist ihr größter Mehlabnehmer.

Sweet & Lucky ist mittlerweile der größte Glückskekshersteller in Deutschland. Viktoria Brauch schätzt den Marktanteil auf 70 Prozent. Man beliefert den Groß- und Einzelhandel, Discounter sowie Werbekunden. Konkurrenz gibt es hierzulande nur durch eine Firma, die sich jedoch darauf konzentriert, Glückskekse für Kunden zu Werbezwecken herzustellen, ein Bereich mit Wachstumspotential. Als erster Glückskekshersteller Europas wurde Sweet & Lucky vor drei Jahren nach dem International Food Standard (IFS) zertifiziert. Seit Mitte 2008 bietet man auch Glückskekse in Bio-Qualität an, die in Naturkostläden erhältlich sind. Für alle Glückskekse verwendet Sweet & Lucky ausschließlich gentechnikfreie Rohstoffe, bei der Bio-Variante kommen diese aus biologischem Anbau, und es kommt echte Bourbon-Vanille zum Einsatz. Kekse mit Standardtext kann man ab 250 Stück zu einem Stückpreis von 25 Cent bestellen. Will der Kunde lieber eigene Texte verwenden, sind es 99 Cent je Keks. Generell gibt es Staffelpreise, die von der bestellten Menge und anderen Details abhängen. Die Großmengen beginnen ab 5000 Stück. Der Biobereich ist noch verhältnismäßig klein. Auch kosten die Bio-Glückskekse im Schnitt rund 50 Prozent mehr.

„Als wir uns entschieden haben, Glückskekse herzustellen, kannten wir eigentlich nur die Glückskekse auf dem Markt, die nach Pappe schmeckten, wo man den Zettel liest und den Keks nicht wirklich isst. Und so hatten wir uns zum Ziel gesetzt, einen guten Keks zu backen, den man auch essen kann“, sagt Viktoria Brauch auf die Frage, wie sich das Unternehmen so schnell zum Marktführer entwickeln konnte. Sweet & Lucky GmbH produziert inzwischen jährlich rund 40 Millionen Glückskekse. Zum Umsatz sagt Brauch: „Wir möchten keine genauen Angaben machen, da wir ein Familienunternehmen sind, aber der Umsatz der Familiengruppe Brauch bewegt sich im hohen einstelligen Millionenbereich, wobei die Glückskeksproduktion zu etwa einem Drittel zum Umsatz beiträgt.“ Erweiterungen in der Produktion sind momentan nicht geplant. Sweet & Lucky will auch weiterhin ausschließlich in Deutschland produzieren. Von der Wirtschaftskrise sei man nicht betroffen, da der Glückskeks gerade in schwierigen Zeiten von Firmenkunden gerne als Sympathie- und Werbeträger genommen wird, die damit Vertrauen zu ihren Kunden schaffen oder zurückgewinnen wollen.

Die maschinelle Herstellung dauert im Ganzen nur etwas mehr als zehn Minuten. Nach dem Backen, während die Kekse noch warm sind, wird der Teig in seine typische Form gebracht, gleichzeitig werden die Zettel mit den Sprüchen eingelegt. Sie bestehen aus lebensmittelechtem Papier und lebensmittelunbedenklicher Farbe, damit auch nichts passiert, falls sie mal aus Versehen mitgegessen werden. Nach dem Auskühlen werden die Kekse einzeln in luftdichte Folien verpackt. Mit seinen 25 Kilokalorien ist der Glückskeks ein Leichtgewicht unter den Süßigkeiten. An Weihnachten gibt es zudem die Variante mit Zimt im Teig.

Rund 20 Prozent der Gesamtproduktion kommen in den Export. Bis nach Australien wurden die Glückskekse schon verschickt. Die Sprüche lässt man von Muttersprachlern in Übersetzungsbüros in 15 verschiedene Sprachen übertragen. Sweet & Lucky hat mittlerweile ein Sortiment von 700 bis 1000 Sprüchen als Standardsammlung. Dazu zählen etwa: „Wer aus seinem Schatten herauskommen will, muss wissen, wo die Sonne steht“ oder: „Heute beginnt der erste Tag vom Rest deines Lebens“. Alle Sprüche wurden selbst zusammengetragen aus Büchern oder Kalendern, und die Sammlung wird kontinuierlich erweitert. Ein Spruch ist bis heute der Lieblingsspruch von Viktoria Brauch geblieben: „Ab und zu sollte man auf der Jagd nach Glück innehalten und einfach mal nur glücklich sein.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Glück geht keinem auf den Keks
Autor
Luisa Lauterwasser, Johannes-Kepler-Gymnasium, Leonberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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