Wie man alte Kühlschränke kaltstellt

Sie gelten als extreme Klimakiller, die für dem Abbau der Ozonschicht mitverantwortlich sind. Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) haben das tausendfache Treibhauspotential von Kohlendioxid. „Durch das Recyceln von nur einem Kühlschrank, in dem FCKW enthalten ist, kann die Umwelt vor den gleichen Schäden bewahrt werden, die beim Fahren von 10000 Kilometern mit einem Auto entstehen“, erläutert Peter Heßler, Geschäftsführer der Untha Recyclingtechnik GmbH. In einem Kühlschrank befinden sich rund 400 Gramm des schädlichen Gases, davon 100 im Kältemittelkompressor und 300 Gramm im Isolierschaum. Durch die Anlagen von Untha werden die FCKW herausgelöst und unschädlich gemacht. Untha gilt als marktführendes Unternehmen in der Herstellung von Anlagen zum Recyceln von Altkühlgeräten.

Zum Entsorgen wird zunächst der Kältemittelkompressor entfernt und das Gas abgesaugt. Weiter werden der Korpus zerkleinert sowie der Schaum abgetrennt und mit Wärme behandelt, um die FCKW vom Isolierschaum lösen zu können. Schließlich wird das umweltschädliche Gas entweder mit Hilfe von Stickstoff kondensiert oder durch das Cracken mit Säure unschädlich gemacht. Untha verkauft durchschnittlich in einem Jahr vier Recyclinganlagen dieser Art, wobei eine Anlage zwischen 3 und 4 Millionen Euro kostet.

Die Untha mit Firmensitz im unterfränkischen Karlstadt wurde 1995 gegründet. Nachdem zu Beginn der Vertrieb von Verkleinerungstechnik im Vordergrund stand, entwickelte sich das Unternehmen im Lauf der Zeit zum Hersteller von Recyclinganlagen. Heute beschäftigt Untha rund 60 Mitarbeiter und hat bei dem Bau von Anlagen zum Recyceln und Entsorgen von Altkühlgeräten nach eigenen Angaben einen nationalen Marktanteil von 60 Prozent. „Wir haben inzwischen vor allem internationale Kunden. Als vor fünf Jahren der Umgang mit FCKW innerhalb der EU geregelt wurde, kamen unsere Kunden meist aus dem europäischen Raum. Dies ändert sich zurzeit, da das Interesse in Süd- und Nordamerika steigt, wo jetzt auch der Umgang mit FCKW beschränkt wird. In diesem Jahr konnte Untha zwei Aufträge in Brasilien und einen in den Vereinigten Staaten verbuchen“, erklärt Heßler.

Laut einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) unter Herstellern von Abfall- und Recyclingtechnik wird die Exportquote der Unternehmen von 60 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 64 Prozent in diesem Jahr steigen. Die größten Abnehmer kommen mit 39 Prozent aus der Europäischen Union, aber auch der Export in osteuropäische Länder, die nicht Teil der EU sind, nimmt 12 Prozent ein. Bei den Unternehmen handelt es sich meist um Firmen, die sich in einer Umsatzgrößenklasse von 10 bis 50 Millionen Euro bewegen. So auch Untha, die 2009 einen Jahresumsatz von 15 Millionen Euro verbuchen konnte. „Für 2010 rechnen wir ebenfalls mit 15 Millionen, wobei wir langfristig unseren Umsatz auf 20 Millionen Euro steigern wollen“, erklärt Heßler.

Seit einiger Zeit betreibt Untha zudem mit dem Institut für Energie- und Umwelttechnik in Duisburg ein Forschungsprojekt zum Thema Flachbildschirme. Es sollen Anlagen entwickelt werden, mit denen das umweltschädliche und giftige Quecksilber aus den alten Fernsehgeräten herausgelöst werden kann.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie man alte Kühlschränke kaltstellt
Autor
Vera Tauber Friedrich-Koenig-Gymnasium, Würzburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 16. September 2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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