Sparen am falschen Platz

Deutschland als Reiseland scheint für viele gar nicht mehr so abwegig zu sein. Denn laut Statistischem Bundesamt konnten hierzulande im Jahr 2008 rund 370 Millionen Übernachtungen verbucht werden. Davon entfielen 144 Millionen Übernachtungen auf die Hotels, das waren 8 Millionen mehr als noch 2006. Doch gerade in Zeiten einer Krise kann so ein Hotelurlaub mächtig auf die Geldbörse drücken. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Gäste für ein sogenanntes Low-Budget-Hotel entscheiden. Diese versuchen mittlerweile auch, durch ihr Äußeres Kunden zu locken, wie die Motel-One-Hotels der One Hotels & Resorts AG beweisen. Ihr Motto lautet: „Viel Design für wenig Geld.“

Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen fing mit einem Hotel in Offenbach an. Dieses wurde anfangs noch von einem Managerpaar geleitet, das eine Handvoll Mitarbeiter hatte und noch nicht unter dem Motto „Viel Design für wenig Geld“ stand. „Die Neupositionierung haben wir 2006 mit den Eröffnungen in Nürnberg, Hamburg-Altona und Düsseldorf eingeleitet“, sagt Ursula Schelle-Müller, Pressesprecherin des Unternehmens. Die Idee, ein Low-Budget-Design-Konzept zu realisieren, entwickelte der Vorstandsvorsitzende Dieter Müller mit seinem Managementteam. Dabei entstand auch der Name. „Der Begriff ‚Motel‘ ist ein Synonym für preiswertes Übernachten. Und mit ‚One‘ wollen wir verdeutlichen, dass wir die Besten unter den preiswerten Hotels sind“, erläutert Schelle-Müller. Dieter Müller wurde 2009 von der „Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung“ zum Hotelier des Jahres gekürt.

Die Motel-One-Philosophie lautet: ein hochwertiges Zimmerprodukt auf Budgetfläche. In deutschen Großstädten gibt es inzwischen 26 Hotels mit insgesamt rund 4460 Zimmern. Die Zahl der Mitarbeiter liegt, je nach Hotelgröße, zwischen 15 und 20 Personen. Im Jahr 2008 verzeichnete Motel One mit mehr als einer Million Übernachtungsgästen eine Auslastung von 71 Prozent. Die Auslastung aller deutschen Hotels lag 2008 laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband bei durchschnittlich 63,1 Prozent. „Wir liegen damit etwas über dem Branchenschnitt, wobei die Auslastung allgemein, auch der Mitbewerber, im Low-Budget- und Budget-Segment höher ist als der Branchenschnitt“, sagt Schelle-Müller. „Die Mitbewerber sind Ibis und Etap sowie B&B, sie schlagen aber eine andere Richtung ein und vertreten weniger diesen Design-Aspekt.“

Für eine Übernachtung ohne Frühstück zahlt man bei Motel One zwischen 49 und 69 Euro. „Letztendlich liegt es daran, dass die Zimmerfläche mit einer Größe von 16 Quadratmetern relativ klein ist, so dass in einem Hotel deutlich mehr Zimmer untergebracht werden können. Trotzdem verwenden wir hochwertige Materialien wie Granit im Badezimmer und Flatscreen-Fernseher, außerdem klassisches Design und besondere Highlights. Beispielsweise haben wir unsere Handtücher verändert. Wir haben nun in allen Motel One auf flauschige Luxushandtücher umgerüstet“, führt Schelle-Müller aus.

Ein weiterer Aspekt für den niedrigen Preis ist die Konzentration auf ein kompaktes Serviceangebot. „Wir haben in unserer One Lounge ein Frühstücksbuffet, Lobby und Bar mit Drinks und Snacks integriert, aber kein klassisches Restaurant. Das spart die Küche, Mitarbeiter und somit auch Kosten.“

Das Angebot lockte im Jahr 2008 vor allem Dienstreisende (62 Prozent) und Kurzurlauber (38 Prozent), die besonders den Preis und die zentrale Lage schätzen. „Interessant sind in Deutschland die Großstädte und wirtschaftlichen Ballungsräume. In Städten wie Leipzig, Dresden oder Essen müssen die Standorte sehr gut überlegt sein, wie etwa in Leipzig direkt gegenüber der Nikolaikirche, der so für Gäste interessant wird“, sagt Schelle-Müller.

Motel One erwirtschaftete im Jahr 2008 einen Umsatz von 43 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 22 Millionen Euro. Das ist eine Umsatzsteigerung von 95 Prozent. Im ersten Halbjahr 2009 lag der Umsatz mit einer Auslastung von 69 Prozent bei rund 25 Millionen Euro, doch zeichnet sich eine Veränderung der Gästestruktur ab. So liegt der Business-Anteil nun bei 70 Prozent und der Leisure-Anteil bei 30 Prozent. „Insgesamt ist in der Entwicklung der Hotelketten aber kein signifikanter Unterschied zu anderen festzustellen. Die großen Hotelketten entwickeln sich alle weiter“, meint Schelle-Müller. Für 2010 plant Motel One mehrere Hoteleröffnungen in München, Dresden, Berlin und Hamburg. „Außerdem versuchen wir weiter, in den interessanten deutschen Städten sowie in den großen europäischen Metropolen gute Standorte zu finden“, erklärt Schelle-Müller.

Informationen zum Beitrag

Titel
Sparen am falschen Platz
Autor
Juliane Schitte, Clara-Schumann-Gymnasium, Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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