Der krönende Abschluss

Manch einer ist beim Versuch, dieses kreisförmige, mit einundzwanzig Zacken gebogene Blechstück von einer Flasche zu entfernen, schon erfinderisch geworden, wenn gerade mal kein Flaschenöffner zur Hand war. Dann muss notfalls ein Feuerzeug oder eine zweite Flasche reichen. Und doch sind die Kronkorken der krönende Abschluss fast jeder Bierflasche. Die Helmut Brüninghaus GmbH & Co. KG ist hierzulande Marktführer in der Herstellung. 1909 gründete Helmut Brüninghaus in Versmold in Nordrhein-Westfalen eine Leder- und Metallwarenfabrik. Zunächst wurden dort verschiedene Produkte hergestellt, 1954 dann die ersten Kronkorken, bis man sich einige Jahre später ganz auf diese spezialisierte. Heute verlassen täglich bis zu 35 Millionen Kronkorken das Versmolder Werk. „Das sind 8,2 Milliarden allein im letzten Jahr und somit 15 Prozent mehr als noch vor 5 Jahren“, sagt Geschäftsführer Rolf Klute. In Deutschland hat Brüninghaus einen Marktanteil von gut 40 Prozent. „Wir produzieren für fast 650 Kunden weltweit, mit einer jährlich steigenden Zahl“, erklärt Klute. Zu den Kunden zählen deutsche Großbrauereien wie Warsteiner, aber man liefert auch ins Ausland, und zwar vor allem nach Osteuropa, Afrika und in die Vereinigten Staaten. Vier von zehn Kronkorken, die von Deutschland aus exportiert werden, kommen aus Versmold. Brüninghaus hat 55 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 28 Millionen Euro, das ist ein Zuwachs von 7 Millionen Euro in den vergangenen sieben Jahren, und das trotz genereller Absatzprobleme auf dem Biermarkt. Unter den Kunden sind nun auch zunehmend Saft- oder Soft-Drink-Hersteller, wobei aber 80 Prozent der Kronkorken weiterhin an Brauereien geliefert werden. Große Gesellschaften wie Bionade, Orangina und sogar Coca-Cola haben in den vergangenen Jahren wieder Glasflaschen mit Kronkorken in die Regale der Getränkemärkte gebracht, die größtenteils die Getränkedose ersetzen. Das Basismaterial für die Kronkorken ist ein korrosionsbeständiges, tiefziehfähiges und recycelbares Feinstblech. Nach einer Wareneingangskontrolle wird es mehrfach verchromt oder verzinnt, dann auf der Oberfläche und Unterseite lackiert, mit dem Logo der Bierbrauerei bedruckt und anschließend noch einmal lackiert. Für die Kunden hat der Kronkorken – gemäß dem Motto „die Verpackung ist die Marke“ – einen hohen Imagewert. Auch seine Innenseite wird zu Werbezwecken genutzt, etwa indem dort Codes für Gewinnspiele eingraviert werden. Die Preise variieren dementsprechend zwischen den verschiedenen Kronkorken, und sie sind abhängig von der Qualität beziehungsweise vom Material. Durchschnittlich zählen Brauereien oder andere Kunden zwischen 2 und 7 Cent je Kronkorken. Brüninghaus stellt nicht nur die traditionellen Kronkorken her, sondern auch die moderne Twist-off-Variante, die nicht mehr mit einem Flaschenöffner geöffnet werden muss, sondern eigentlich ein Schraubverschluss ist. Knapp 300 Millionen Stück davon liefert Brüninghaus jährlich ins Ausland. Hierzulande konnten sich die Twist-offs jedoch, anders als in Nordamerika, Frankreich oder Australien, noch nicht durchsetzen. Und das hat weniger mit der Liebe der Deutschen zur Tradition zu tun als vielmehr damit, dass die Herstellung der Twist-off-Kronkorken um einiges teurer ist – bis zu 13 Cent je Stück. Und da die deutschen Bierbrauer ohnehin seit Jahren Absatzrückgänge verzeichnen, setzen sie weiter auf die herkömmlichen Kronkorken. Die Konkurrenz für Brüninghaus auf dem deutschen Markt ist nicht groß und besteht eher in allgemeinen Verpackungsherstellern wie der Walter Bormann KG in Hamburg oder der Delmenhorster Kork-Fabrik. Und weltweit kann Brünninghaus mit Unternehmen wie der Crown Cork and Seal Company, den Erfindern des Kronkorkens, mithalten. Deren Gründer, William Painter, erfand den Kronkorken und ließ ihn sich 1892 patentieren. Dass der Kronkorken 21 Zacken besitzt, war übrigens nicht immer so, früher waren es noch 24. Doch mit Erfindung des Six-Pack verkleinerten sich die Bierflaschen und damit auch die Kronkorken. Von der Logistik her sind 21 Zacken zudem sinnvoller als 24, denn Kronkorken mit einer geraden Anzahl von Zacken verkanten leichter.

Informationen zum Beitrag

Titel
Der krönende Abschluss
Autor
Yannick Kitzinger Gymnasium Lütjenburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 07. Oktober 2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

Beruf und Chance