Den Büchern Nachdruck verleihen

Rolf Kittler ist ein Exot. „Ich war der Einzige auf dieser Messe ohne ein Tattoo“, sagt er. Mit seinem Buch auf einer Tattoomesse aufzutreten, ohne sich besonders für Tätowierungen zu interessieren, gehört gleichsam zum Beruf. Kittler ist Geschäftsführer der Fines Mundi GmbH, ein Verlag aus Saarbrücken, der ungewöhnliche Bücher druckt.

Zusammen mit Andreas Klußmann hat Kittler sein Hobby zum Beruf gemacht – das Neuauflegen von Büchern. Besonders alte Reiseberichte und geschichtliche Erzählungen sind bei privaten Sammlern beliebt. Oft sind die Originalbücher aber nicht mehr erhältlich oder unerschwinglich.

Mittlerweile hat der Verlag 2500 Titel im Repertoire. Begonnen hatte man 2003 mit 300. 2007 lag der Umsatz noch bei 115000 Euro, 2009 waren es 200000 Euro. Konkurrenz gibt es so gut wie keine. „Meines Wissens wird unsere Verbindung von handwerklich gefertigten Bucheinbänden und der modernen Drucktechnik nur noch von einem weiteren Anbieter geleistet“, sagt Kittler. Andere konkurrierende Unternehmen sind solche, die klassische Faksimiles herstellen. Dieses Verfahren ist aufwendig; was zum Beispiel mit Gold verziert war, wird dann auch im neuen Buch mit Gold verziert. Das Gegenstück dazu sind einfache Kopien in schwarz-weiß. „Uns liegt am Herzen, dass ein Hauch der Geschichte erhalten bleibt. Trotzdem sollen die Reprints für jeden erschwinglich sein“, verrät Kittler. Es entsteht also ein Zwischending aus Faksimile und Kopie. Auf Wunsch wird in Leinen oder in Leder gebunden. Der Preis liegt zwischen 20 und 220 Euro. Durchschnittlich wird bei einem Buch 50 Prozent Gewinn erzielt. Allerdings steht davor erst die Investition. In der Erstauflage werden grundsätzlich zunächst zwischen 2 und 8 Exemplare produziert. Für den Verlag rechnet es sich aber erst ab 20 Exemplaren.

Erfahrungsgemäß sind teure Buchvorlagen beliebter und bringen so auch den meisten Umsatz. „Unsere teuren Titel haben aufwendige Originale zur Vorlage, das heißt, es sind viele Farbtafeln oder Klappkarten enthalten. Sie haben einen solventen Käuferkreis, der bereit ist, einen höheren Preis zu bezahlen“, erklärt Kittler.

Ein Beispiel für einen Bestseller ist der erste Band von Charles Darwins „Gesammelte Werke“, von dem 36 Exemplare verkauft worden sind. Der Verkaufspreis beträgt 68,60 Euro. Das wohl teuerste Buch, das von dem Verlag gedruckt wurde, war „Die Reise in das Heilige Land“ von Bernhard von Breidenbach. Ohne die Originaltafeln hat es alleine schon einen Wert von 50000 Euro. Der Nachdruck ist für 130 Euro geradezu ein Schnäppchen. Die Göttinger Bibliothek ermöglichte den Zugang zu diesem Buch. Damit ergibt sich auch die Antwort auf die Frage, wer die Originalbücher zur Verfügung stellt. In den meisten Fällen sind es Bibliotheken, die die Bücher dem Verlag ausleihen. Aber auch private Sammler oder Nachfahren von Autoren wollen, dass ihre Schriften für die Allgemeinheit zugänglich werden. Lizenzgebühren fallen dabei sehr selten an. Ältere Titel werden 70 Jahre nach dem Tod des Autors gemeinfrei.

Die Initiative für einen Buchdruck kommt meist von Kittler oder Klußmann selbst. Da beide reiseinteressiert sind, sind es oft Bücher über Expeditionen in tropische Gebiete oder in Gebirgsregionen. Themen wie Botanik, Alchemie oder das Mittelalter werden ebenfalls gerne ausgewählt, aber es gibt auch Bücher über die Kunst des Fechtens oder die Kunst der Tätowierung. Das letztgenannte ist ein Kassenschlager. Ein Buch von Forschern, die auf die Marquesas-Inseln fuhren, um dort die Fähigkeiten der Einheimischen zu dokumentieren, darunter das Tätowieren. Zufällig gelangte der Verlag an die Bandreihe und druckte die Bücher. Immer öfter kam es vor, dass nur der erste Band, „Die Marquesaner und ihre Kunst“, an die kuriosesten Adressen gesandt wurde. Dann war klar: Hauptinteressenten sind Tattoo-Studios, die sich neue Techniken aneignen wollen und Motive brauchen. Das Buch wurde bisher etwa 250 mal verkauft zum Preis von 46 Euro.

Informationen zum Beitrag

Titel
Den Büchern Nachdruck verleihen
Autor
Sophie Deutscher Cusanus Gymnasium, St. Wendel
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 02. Dezember 2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

Beruf und Chance