Marder mögen Kabelsalat

Kabel und Schläuche sind Leckerbissen für Marder, offenbar schmeckt ihnen der Kunststoff. Für die Autobesitzer entwickelt deshalb die Norbert Schaub GmbH aus Neuenburg am Rhein seit rund 25 Jahren Marderabwehrprodukte unter der Marke Stop & Go. Das Unternehmen hat Vertretungen in der Schweiz, Belgien, Tschechien, der Slowakei, Österreich und Frankreich. Man habe es zum Marktführer geschafft, da es bis dahin "kaum vernünftige Produkte, meist nur Empfehlungen und Haushaltsrezepte mit wenig Wirkung gab", sagt Vertriebsleiter Stefan Schaub. Hierbei ist das Ziel, weder Tier noch Mensch noch Umwelt zu schaden. Gegründet wurde das Unternehmen 1970 in Freiburg im Breisgau. 1982 wurde es von Geschäftsführer Norbert Schaub übernommen, der es heute gemeinsam mit seinem Sohn Stefan leitet. Die traditionellen Standbeine sind chemisch-technische Produkte und Spezialschmierstoffe der Marke Kawenol, die in Werkstätten und Tankstellen erhältlich sind und etwa 30 Prozent des Umsatzes ausmachen. Fast 70 Prozent wird mit Marderabwehrprodukten erzielt. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) rechnet mit rund 200 000 Marderschäden im Jahr. Nach Einschätzung des ADAC werden sich Marder in den kommenden Jahren immer mehr von Süden nach Norden ausbreiten, da sie sich stark vermehren und kaum natürliche Feinde haben. "Seit den neunziger Jahren ist eine permanente Weiterverbreitung auch nördlich des Mains festzustellen. Mittlerweile beißen die Tiere auch in Schleswig-Holstein zu", stellt Manfred Groß vom ADAC fest. Um den kleinen Raubtieren die Lust am Nagen an und in den Fahrzeugen zu nehmen, hat das Unternehmen unterschiedliche Produkte auf den Markt gebracht. Ein Duftmarkenentferner für gut 8 Euro beseitigt die Duftmarke der Tiere, da Marder häufig von Gerüchen angelockt werden. Der Kunde kann dann ein Ultraschallgerät verwenden, dessen Frequenz für den Menschen nicht hörbar, für den Marder aber unangenehm ist. Das Standardultraschallgerät kostet rund 48 Euro, eins mit Zusatzlautsprecher 85 Euro. Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von Hochspannungsgeräten für 105 Euro, die wie ein elektrischer Weidezaun arbeiten. Sie werden im Motorraum eingebaut und versetzen dem Marder bei Kontakt einen Stromschlag. Ein Produkt, welches nur von der Norbert Schaub GmbH hergestellt wird, enthält laut Schaub "alles technisch Machbare in einem Gerät". Es ist mit 139 Euro das teuerste Angebot, hat aber den größten Zuwachs. "Es werden besonders hochwertige Produkte gewünscht", sagt Schaub. Einige Autoversicherungen übernehmen Reparaturkosten von Marderschäden, nicht aber die der Folgeschäden, die oft erheblich sind. Die meisten Autobesitzer ließen erst nach dem ersten oder zweiten Folgeschaden ein Marderabwehrgerät einbauen, sagt Schaub. Sinnvoll wäre jedoch ein vorsorglicher Einbau. Die Kundenstruktur sei schwer zu erfassen, hauptsächlich werden die Produkte über den Handel verkauft. Die Lieferung erfolgt durch den Außendienst sowohl im In- als auch im Ausland. In dem Unternehmen in Neuenburg arbeiten neun feste und 15 freie Mitarbeiter. Im Firmengebäude befinden sich Entwicklung, Vertrieb und Lager. Der Umsatz des vergangenen Jahres betrug rund 2,4 Millionen Euro, 2008 waren es 1,8 Millionen und im Jahr zuvor 1,6 Millionen Euro. Die Konkurrenz, sagt Stefan Schaub, ist meist nur von regionaler Bedeutung, mehr Mitbewerber gibt es besonders bei billigen Produkten.

Informationen zum Beitrag

Titel
Marder mögen Kabelsalat
Autor
Julia Rist Wentzinger-Gymnasium, Freiburg im Breisgau
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 16. Dezember 2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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