Wie angelt man sich einen Installateur?

Das Internet bietet eine Plattform für die unterschiedlichsten Dienstleistungen. Die Abacho AG, die Internetdienste entwickelt und betreibt, macht sich das zunutze und bietet den hierzulande bekanntesten Online-Marktplatz zur Vermittlung von Handwerks- und Dienstleistungsaufträgen an. Denn Ingo Endemann, Internetunternehmer und Gründer der Abacho, fand keinen geeigneten Handwerker und stellte sich daraufhin die Frage, warum die Suche nicht im Internet geht. So entstand ein Konzept für eine überregionale Internetplattform. MyHammer.de soll die Marktlücke schließen.

Auf MyHammer können private und gewerbliche Auftraggeber kostenlos ihre Ausschreibungen einstellen, während Handwerker und Dienstleister Angebote abgeben, um Aufträge zu erhalten. Der Auftraggeber kann die Angebote vergleichen und nach Beendigung der Ausschreibung den passenden Anbieter auswählen. Dabei ist jedoch nicht zwingend das günstigste Angebot ausschlaggebend für die Vergabe eines Auftrags; durch gute Bewertungen und ein persönliches MyHammer-Profil können Handwerker und Dienstleister einen positiven Eindruck hinterlassen und so ihre Kunden überzeugen. „Die Bewertungen sind neben dem Preis das wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche Auftragsakquise und -vergabe bei MyHammer“, sagt Denise Tavdidischwili, Pressesprecherin der My-Hammer AG in Berlin: „Das Bewertungssystem sorgt für Transparenz, vermittelt Sicherheit und ist außerdem ein Ansporn für Handwerker und Dienstleister, Qualitätsarbeit abzuliefern. Die Bewertungen sind für jeden Besucher des Online-Marktplatzes sichtbar und neben der Schnelligkeit und Bequemlichkeit der wichtigste Vorteil gegenüber Branchenbüchern.“

Landschaftsarbeiten, Bauarbeiten und Metallbau sind nur einige Beispiele unter den gefragtesten Handwerksleistungen. „Die Kategorien ,Hobby und Freizeit‘, ,Beauty und Sport‘ sowie ,Unterricht und Übersetzung‘ sind nicht so häufig gefragt bei Auftraggebern wie klassische Handwerksleistungen, bekommen aber umso mehr Angebote von Auftragnehmern. Es lohnt sich also, auch in diesen Bereichen eine Ausschreibung einzustellen, weil die Konkurrenz unter den Dienstleistern hier größer ist“, erklärt Tavdidischwili.

Mit dem Branchenbuch startete MyHammer im Jahr 2009 sein zweites Produkt. Das nach Branchen geordnete Verzeichnis von Unternehmen soll ein noch schnelleres Finden von Unternehmensinformationen ermöglichen. „Handwerker und Dienstleister sind begeistert von der wesentlich besseren Auffindbarkeit ihrer MyHammer-Profile über Suchmaschinen“, sagt Tavdidischwili. Handwerker und Dienstleister haben somit die Wahl: im MyHammer-Branchenbuch schnell gefunden werden oder Ausschreibung auf dem Marktplatz einstellen und passende Angebote abgeben.

Sie sind in der Lage, neue Kunden und zusätzliche Aufträge zu gewinnen sowie Auftragslücken zu schließen, wodurch sich MyHammer als Sprungbrett zur Existenzgründung nutzen lässt, so wie Andrea Wibbe aus Wuppertal es getan hat. Die Inhaberin von Logosss, einem Einzelunternehmen in Wuppertal, entwickelt Logos, Werbebanner, Flyer und Visitenkarten. „Anfangs habe ich sogar alle Aufträge über MyHammer bekommen“, sagt Wibbe. Um gute Aufträge zu bekommen, nutzt sie MyHammer fast täglich und gibt Angebote ab. „Ohne MyHammer wäre mein Weg in die Selbständigkeit sehr viel beschwerlicher gewesen.“

Mit Blick auf mehr als 1 Million registrierte Nutzer im Jahr 2009, davon rund 200000 Handwerker und Dienstleister, erklärt Tavdidischwili: „Durch die relativ hohe Anzahl an Nutzern erhöht sich die Chance, einen geeigneten Handwerker oder Dienstleister zu finden.“ MyHammer bietet ständig rund 30000 laufende Ausschreibungen an. Im Durchschnitt erhalten Auftraggeber fünf Angebote je Auftrag. Nach der Vergabe beträgt der Auftragswert durchschnittlich 1200 Euro. Die Nutzungsgebühr, die sich nach der Höhe des Auftragswerts richtet, fällt nur für den Anbieter an, der den Zuschlag zur Auftragsausführung erhalten hat. Bei einem Auftragswert unter 25000 Euro wird eine Gebühr von 4 Prozent vom Auftragswert erhoben. Mit steigendem Auftragswert sinkt die Nutzungsgebühr bis zu 2 Prozent bei 100000 Euro.

Der Gesamterlös für das Segment „Online Auftragsvergabe“ lag laut Geschäftsbericht der Abacho AG im Jahr 2005 bei 209000 Euro. Innerhalb eines Jahres erzielte das junge Unternehmen einen Umsatzzuwachs von fast 700 Prozent, wodurch sich der Umsatz im Jahr 2006 auf 1,6 Millionen Euro erhöhte. Der Umsatz von 4 Millionen Euro im Jahr 2007 stieg im Jahr 2008 auf 4,6 Millionen Euro, was einem Umsatzplus von 16 Prozent zum Vorjahr entspricht. Bis zum dritten Quartal 2009 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 6,8 Millionen Euro. MyHammer generiert 70 Prozent seines Umsatzes mit Fach- und Meister-Betrieben bis zu 10 Mitarbeitern, wobei größere Betriebe profitabler für MyHammer sind. Das Unternehmen selbst hatte im Jahr 2005 nur zwei Mitarbeiter, heute sind es 45.

Aufgrund der positiven Resonanz in Deutschland und der optimalen Ausschöpfungsmöglichkeiten des vorhandenen Marktpotentials expandierte das Unternehmen im Jahr 2006 nach Österreich und startete zudem im Jahr 2008 eine Plattform in Großbritannien, wo es binnen weniger Monate Marktführer wurde. „Das Marktpotential und die hohe Internetaffinität machen England zu einem wichtigen Internetmarkt, außerdem ist der Anteil der Eigenheime an der Gesamtbevölkerung in England wesentlich höher als in Deutschland, was zu einem größeren Interesse an Handwerksleistungen führt“, erklärt Tavdidischwili.

Neben MyHammer.de vermitteln die Internet-Portale Blauarbeit.de, Quotatis.de, Undertool.de und Jobdoo.de ebenfalls Handwerks- und Dienstleistungsaufträge. Jedoch ist nicht jedes Portal gleich, Quotatis beispielsweise vermittelt Aufträge nur an interessierte Dienstleister, die Auftragsanfragen kaufen. „Je komplexer der Auftrag, desto schwieriger ist es für Auftraggeber, den Einsatz an Material- und Arbeitsaufwand festzulegen. Um dieser Problematik zu entgehen, setzen wir bei Quotatis.de auf individuelle Beratung seitens der Handwerker und Dienstleister, welche die Möglichkeit haben, Auftraggeber direkt zu kontaktieren, um notwendige Details zu besprechen, bevor ein Preis festgesetzt wird“, sagt Jens Oenicke, Geschäftsführer der Quotatis GmbH in Köln. Der auf Onlinerecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Terhaag verdeutlicht das Problem anhand eines Malerauftrages: „Ich muss sehr konkret darlegen können, welches Material verwendet wird, um wie viele Quadratmeter es sich handelt, wer die Pinsel mitbringt. Daher ist es allgemein schwierig, Dienstleistungen konkret zu beziffern. Es kann zu Missverständnissen kommen, und leider nehmen es manche Menschen nicht immer so genau mit der Wahrheit.“ Terhaag kennt diese Problematik aus vielen Verfahren, die er geführt hat. „Nach Ausführung des Auftrages ist sich der Handwerker seiner ordentlichen Ausführung sicher, der Auftragnehmer auf der anderen Seite jedoch übt Kritik durch das Bewertungssystem aus. Diese Bewertungen können dem Account des Handwerkers oder Dienstleisters schaden. Man kann kritische Sachen äußern, muss jedoch alles beweisen können, was sich allerdings in manchen Fällen als schwierig erweist“, warnt Terhaag.

Laut einer Innofact-Umfrage, die von MyHammer in Auftrag gegeben wurde, kannten 53 Prozent aller Deutschen, die in den vergangenen zwei Jahren einen Handwerker oder Dienstleister beauftragt haben, diesen bereits vorher. 22 Prozent haben auf Empfehlungen von Freunden oder Bekannten gehört, und 13 Prozent haben ihn im Internet mittels einer Suchmaschine, Telefonverzeichnissen oder Auftragsbörsen gefunden. 5 Prozent wurden in einem Branchenbuch fündig, und die restlichen 7 Prozent setzen sich aus Kleinanzeigen in Zeitungen oder Anzeigenblättern, anderer Werbung und der Telefonauskunft zusammen.

Das Potential des Internets in diesem Bereich lässt sich daran ablesen, dass allein das Handwerk in Deutschland laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks im Jahr 500 Milliarden Euro umsetzt. Von diesen Aufträgen wird erst ein Bruchteil von weniger als einem Prozent über Auftragsbörsen im Internet vergeben – bei MyHammer handelt es sich um ein Volumen von rund 200 Millionen Euro vergebener Aufträge im Jahr 2008.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie angelt man sich einen Installateur?
Autor
Tatjana Ulmer, Günther Wöhe Gymnasium für Wirtschaft,Saarbrücken
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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