Ein Mann will nach oben

Baumhäuser sind Orte des Rückzugs und Abenteuers. Sie sind ein Stück Urlaub zu Hause im Grünen. Dass diese mehr sein können als einfache Spielhäuschen in luftiger Höhe, beweist die Baumbaron GmbH in München, die große und kleine Baumhausträume wahrmacht. Deren Erfolgsgeschichte begann vor gut 15 Jahren, als der Zimmerermeister, Bautechniker und staatlich geprüfte Restaurator Johannes Schelle ein Foto seines selbstgebauten Baumhauses ins Internet stellte. Erst nach einem halben Jahr bekam Schelle seinen ersten Auftrag. Den Gewinn daraus investierte er in einen besseren Internetauftritt, und die Nachfrage nach seinen Baumhäusern stieg. 2004 gründete Schelle schließlich sein Unternehmen, das damals einer der ersten Anbieter für die Planung und den Bau von Baumhäusern war.

Heute hat Schelle vier feste Mitarbeiter. Zudem arbeiten für ihn bei Bedarf freiberufliche Baumkletterer, Zimmerleute und Schreiner. Bei anspruchsvollen Projekten kommen zusätzlich Statiker zum Einsatz. Baumbaron baut jährlich 15 Baumhäuser, die auf Wunsch auch mit einem TÜV-Gutachten zu haben sind. Betrug der Umsatz 2004 noch 20000 Euro, so waren es 2009 schon mehr als 200000 Euro. Es wurden auch bereits größere Projekte für Jugendcenter, Kindergärten oder etwa das Baumhaushotel Solling realisiert. Für 2010 stehen zwei weitere Baumhaushotels auf dem Plan. Und das neueste Produkt sind Wendeltreppen für den bequemen Aufstieg. Auch an kuriose Aufträge kann man sich erinnern. In Basel wollte ein Kunde von seinem Baumhaus aus nicht nur auf die Schweiz, sondern auch auf die angrenzenden Nachbarländer Deutschland und Frankreich herabsehen.

Die Grundlage eines jeden Baumhauses ist zunächst der richtige Baum. Weniger tragfähige Arten wie Pappeln, Ulmen und Birken müssen durch Stelzen gestützt werden. Der perfekte Baumhaus-Baum hat einen Stammdurchmesser von mindestens 20 Zentimetern, wie er bei Linden, Eichen, Buchen und Eschen zu finden ist. „Der Traum-Baumhaus-Baum ist die Eiche“, sagt Schelle. „Sie schottet super ab und kann ihre Wunden schnell verschließen.“ Generell soll der Baum möglichst wenig verletzt werden, denn jede Verletzung ist eine Eintrittspforte für Pilzbefall. „Und wenn wir einen Baum belasten müssen, verwenden wir Edelstahlschrauben, die wir mit einer Baumpflegefirma entwickelt haben.“

An Ausstattung ist so gut wie alles möglich, vom einfachen Bett bis hin zum Luxusbaumhaus mit Heizung. So ein exklusives Wolkenheim kann bis zu 40000 Euro kosten, das kleinste Baumhaus für Kinder ist ab 5000 Euro zu haben. Das Durchschnittsbaumhaus liegt bei 12000 Euro, soll es winterfest mit durchschnittlicher Größe und Ausstattung sein, zahlt man 20000 Euro. Privatleute machen 80 Prozent der Kundschaft aus. Viele wollen ihre Kinder mit dem Baumhaus im eigenen Garten von drinnen nach draußen locken, weg von Fernseher, Computer und Playstation in die Natur. Von der Wirtschaftskrise spürt Schelle kaum etwas, es sind nur viele kleinere Aufträge für einfache Baumhäuser weggefallen, wie sie das Unternehmen vor drei Jahren noch zahlreich hatte.

Das Errichten eines Baumhauses kann zwischen vier Tagen und zweieinhalb Wochen dauern. Baumbaron verwendet als Hauptbaustoff ausschließlich Lärchenholz aus den Wäldern Bayerns, damit das Baumhaus nicht als Fremdbaukörper empfunden wird. Rostfreier Edelstahl dient zur Befestigung der Geländer. Zum Aufhängen des Baumhauses werden ummantelte Stahlseile verwendet. Für die Fenster kann neben normalem Glas auch Sicherheitsglas eingesetzt werden. „Wenn mich ein Auftraggeber fragt, wie lange das Baumhaus halten wird, kann ich mit gutem Gewissen sagen: weit über zehn Jahre“, meint Schelle, der auch die Wartung und Reparatur seiner Baumhäuser anbietet. Deren Nutzung ist individuell verschieden: als Gästezimmer, Yoga-Raum, Büro oder Familientreffpunkt.

Inzwischen gibt es auch andere Anbieter auf dem Markt. Wer es sich zutraut, sein Baumhaus selbst zu bauen, lässt sich bei der Baumleben ltd. in Hessisch Oldendorf einen Entwurf anfertigen und setzt diesen dann selbst um. Im Paketpreis von 900 bis 1600 Euro ist eine dreimonatige Online-Hilfe inbegriffen. Bei den meisten Aufträgen wird jedoch auch dort nicht nur die Planung, sondern der komplette Bau in Auftrag gegeben. Man wirbt damit, die Kinder der Auftraggeber in den Bau mit einzubeziehen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein Mann will nach oben
Autor
Christina Lienhar, Heimschule Lender, Sasbach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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