Die Bordbar im barsten Sinne

Jeder Passagier kennt die Trolleys, die einen im Flugzeug mit Essen und Getränken versorgen. Was aber passiert mit ihnen, wenn sie den Globus zigmal umrundet und Kratzer oder Beulen bekommen haben? Diese Frage stellten sich auch der Einrichtungsfachberater Stephan Boltz und der Betriebswirt Valentin Hartmann, und die Antwort darauf war der Beginn ihrer eigenen Erfolgsgeschichte. Mit dem anfänglichen Verkauf von 400 alten Kinosesseln und rund 10 ausrangierten Flugzeugtrolleys verdienten sie sich zunächst nebenher etwas Geld für ihr Studium. 2006 gründeten die beiden die Bordbar Design GmbH in Köln. Das Unternehmen verkauft ausgediente Flugzeugtrolleys des holländischen Herstellers Driessen, der als der weltweit größte Produzent von Flugzeugtrolleys gilt. Die gebrauchten Trolleys werden aufgearbeitet und umfunktioniert, um sie als Designerobjekte für den Privatgebrauch nutzbar zu machen. Hartmann erzählt: „Das Besondere an unseren Produkten ist, dass man sie überhaupt kaufen kann. Am Anfang war es schwierig, gebrauchte Trolleys auf der Welt zusammenkaufen zu können.“

Ein Trolley der sogenannten Flight-Edition mit den Maßen 30,2 mal 40,5 mal 103 Zentimeter hat Flugerfahrung und ist zu einem Preis von 979 Euro an aufwärts zu haben. Seit 2008 verkauft Bordbar auch fabrikneue Trolleys. Der Preis eines Exemplars der Silver-Edition beginnt bei 1290 Euro. In Handarbeit werden die Trolleys entsprechend den Kundenwünschen auseinander- und wieder zusammengebaut und durch Folienbeklebung im gewünschten Design sowie durch Einrichtungselemente veredelt. Wünscht ein Kunde das Bild seines Haustiers auf dem Möbelstück, so ist dies kein Problem. Auch das Innenleben eröffnet unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten, ob als beleuchtete Minibar, als schmuckes Weinregal oder mit Schneidebrett in der Küche. Manche Kunden lassen sich ihren Trolley zu einem Büroschrank mit Registerauszügen oder zu einem Schuhspind maßschneidern. Andere wollen eine Espressomaschine eingebaut haben. Die Kunden sind überwiegend besserverdienend und meist zwischen 35 und 55 Jahre alt. Männer und Frauen mögen die Trolleys gleichermaßen.

40 Prozent der zum Verkauf umgestalteten Trolleys sind gebraucht. Sie kamen in ihrem ersten Leben bei der Lufthansa, Air Berlin, TUI fly, Finnair, US Airways oder auch bei der Swiss zum Einsatz. Allerdings werden sie nicht sozusagen in letzter Sekunde aus dem Verkehr gezogen, sondern nach einer bestimmten Lebensdauer, so dass sie trotzdem noch „tipptopp“ sind. In der Werkstatt von Bordbar werden vorhandene Beulen und Dellen gespachtelt und geschliffen. Die Aluminiumfolien bleiben unbehandelt. An ihnen sind die vielen Flugkilometer, die die Trolleys zurückgelegt haben, abzulesen. „Genau das ist es, was die Kunden wollen“, sagt Hartmann.

Die größere Nachfrage herrscht derzeit allerdings nach den neuen, unbenutzten Trolleys. Der Spitzenreiter dort ist das Design „airport black“, das die Bordbar mit internationalen Flughäfen und ihrem Three-Letter-Code ziert – dicht gefolgt vom Design „worldmap“.

Heute produziert Bordbar durchschnittlich 90 Trolleys im Monat, davon wird ein gutes Drittel exportiert. Lag der Umsatz im Jahr 2006 bei 15 000 Euro, waren es 2010 knapp 1 Million Euro. In der Kölner Zentrale arbeiten vier Personen, die für den Kauf der gebrauchten Trolleys, die Entwicklung, die Gestaltung der Grafik und die handwerklichen Arbeiten zuständig sind. Zur Kölner Möbelmesse im Januar 2010 schuf man eine Luxus-Edition: die Bordbar Diamonds mit 17 727 Swarovski-Kristallen zum Preis von rund 4500 Euro. Man sei davon ausgegangen, dass während der Wirtschaftskrise eine solche Luxus-Edition nicht zu verkaufen sei, und wollte dem Kunden lediglich zeigen, was mit den Trolleys möglich ist. „Es sollte ein Messegag sein. Jedoch fand die Bar einen neuen Besitzer“, sagt Hartmann. „Sie steht jetzt in einer Ausstellung in Caracas, Venezuela. Es wurden bereits weitere bestellt.“ Aber nicht nur in Venezuela ist die Bodbar gefragt. So bestellte jüngst L’Oréal 80 Trolleys für seine Friseursalons. Zum Kundenkreis gehören unter anderem der Lufthansa Worldshop, Hotelgruppen wie Radisson Blu und Kempinski sowie die Autohersteller Renault und Volkswagen. Inzwischen führen das Möbelhaus Cramer in Hamburg, Berlin und Elmshorn sowie Mitglieder des Verbands creativer Inneneinrichter die Bordbar in ihrem Sortiment. Und selbst in Möbelhäusern in Mexico City, New York oder Seoul ist der Trolley zu finden.

„Manchen Kunden ist es wichtig, einen echten Globetrotter zu erwerben, andere bevorzugen ein nagelneues Produkt ohne Macken“, sagt Hartmann. Sabine Boeger, eine Kundin von Bordbar, erzählt: „Ich habe meine eigene Bordbar gekauft, weil jede Frau irgendwann einmal den Wunsch hat, Stewardess zu sein.“ Auch habe sie schon viele Länder bereist, und jetzt verwahre sie in der Bordbar all die kostbaren Erinnerungsstücke von ihren Fernreisen auf. Mit der Garantiezeit von 30 Jahren wird klar, dass das Unternehmen an sein Produkt glaubt.

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Bordbar im barsten Sinne
Autor
Ann Sophie Fischer und Anja Walz
Schule
Johannes-Kepler-Gymnasium; Heimschule Lender , Leonberg; Sasbach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 3. Februar 2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance