Den Skifahrer hochnehmen

Wenn Wintersportler die Wahl haben zwischen einem Schlepplift und einem Sessellift, entscheiden sich die meisten für den Sessellift. Er ist bis zu sechs Meter in der Sekunde schnell, kann in der Stunde sechsmal so viele Menschen befördern und bietet bei extremer Kälte, Wind oder Nässe ein komfortables Hinauffahren durch eine Sitzheizung und eine Schlechtwetterhaube. Der Schlepplift braucht einen Haltebügel unter dem Hintern, was ihn außerdem gefährlicher macht.

Egal welcher Seilbahntyp, gebaut werden die meisten von einem Unternehmen namens Doppelmayr. Aktuelles Aushängeschild ist die zur Bundesgartenschau gebaute und am 2. Juli 2010 eingeweihte Rheinseilbahn – die größte Dreiseilumlaufbahn in Deutschland. Eine weitere Referenz ist eine Gondel mit der längsten Spannweite aller Luftseilbahnen und mit der größten Höhe über Grund, nämlich mit 436 Metern über Fitzsimmons Creek zwischen Whistler Mountain und Blackcomb Peak in Kanada.

In Deutschland sind jedes Jahr 1827 Seilbahnanlagen in Betrieb, 659 davon wurden von Doppelmayr errichtet. Das schweizerisch-österreichische Unternehmen mit Sitz in Wolfurt (Vorarlberg) beschäftigt 2600 Mitarbeiter. Es bietet als Weltmarktführer alle Seilbahnsysteme an. Im Vergleich zu den modernen Sesselbahnen haben Schlepplifte zwar umsatzmäßig keine große Bedeutung, doch laut Ekkehard Assmann, Marketingleiter der Doppelmayr Seilbahnen GmbH, sind sie fester Bestandteil des Angebots. "Schließlich wollen wir den Kunden je nach Einsatzgebiet eine passende Lösung anbieten", sagt Assmann. Der Gesamtumsatz ist seit der Saison 2004/2005 von 490 Millionen nahezu stetig bis auf 603 Millionen Euro in der Saison 2009/2010 gestiegen. Doch Schlepplifte stagnieren bei rund 20 Anlagen im Jahr. Die Anschaffungspreise der Schlepplifte hängen von der Länge, dem Modell und der Landschaft ab. "Jedoch lässt sich grob abschätzen, dass bei einem kleinen Schlepplift mit mindestens 250000 Euro gerechnet werden muss", erklärt Assmann. Bei Sesselliften liege der Grundbetrag zuzüglich Wartungskosten deutlich höher.

Birgit Priesnitz, Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte, bestätigt diesen Trend: "Die Zahl der Schlepplifte in Betrieb beträgt 1637. Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Sesselliften und des altersbedingten Rückbaus an Schleppliften geht die Zahl der deutschen Schleppliftanlagen allerdings zurück." Zwar bieten Schlepplifte auch Vorteile wie günstige Errichtungs-, Wartungs- und Betriebskosten. Außerdem haben sie eine bessere Umweltbilanz als Sessellifte. Jedoch ist ein Schlepplift auf Schnee angewiesen, der notfalls zur Schleppspur transportiert werden muss, das Liftpersonal muss die gesamte Trasse beobachten, und Anfänger haben oft Schwierigkeiten beim Benutzen. "Heutzutage ist eine Schleppliftanlage als Hauptanlage nicht mehr zeitgemäß", sagt Tobias Benthin von der Bayerischen Zugspitzbahn Bergbahn AG, "da die Gäste die Skigebiete häufig auch nach dem Seilbahnangebot aussuchen." Die Rückentwicklung in der Schleppliftbranche sieht Benthin genauso. In den letzten Jahren seien einige Schlepplifte durch Sesselbahnen ersetzt worden, zum Beispiel der berühmte Olympialift Kandahar-Express in Garmisch-Partenkirchen. Die insgesamt noch 12 bestehenden Schleppliftanlagen im Skigebiet der Zugspitze und Garmisch-classic sollen in naher Zukunft teilweise ersetzt werden. "Die noch bestehenden Schlepplifte sind alles ältere Modelle, und in der jüngeren Vergangenheit sind auch keine neuen Anlagen errichtet worden", sagt Benthin. Alle zurzeit bestehenden Seilbahnanlagen im Skigebiet der Zugspitze und Garmisch-classic sind von Doppelmayr oder von Leitner, dem größten Konkurrenzunternehmen, errichtet worden.

Auch wenn der Trend hin zu Gondeln und Sesselliften nicht zu stoppen ist, wird nach bestimmten Typen von Schleppliften auch weiterhin gefragt werden, da hauptsächlich kleine Skigebiete wie das auf der Wasserkuppe in Hessen finanziell nicht in der Lage sind, in neue, große Seilbahnanlagen zu investieren, und da sich durch die Größe des Skigebiets ein Sessellift oder eine Gondel nicht rentieren würde. Wichtig ist diese Art von Seilbahn also vor allem auf dem Idiotenhügel.

Informationen zum Beitrag

Titel
Den Skifahrer hochnehmen
Autor
Vivien Priemer
Schule
Winfriedschule , Fulda
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Donnerstag, 3. März 2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance