Nicht den Kopf riskieren

Freunde der Formel 1 erinnern sich an den schweren Unfall von Felipe Massa im Jahr 2009, als ihn eine etwa 800 Gramm schwere Metallfeder bei Tempo 240 in Höhe des Helms traf und er kurzzeitig das Bewusstsein verlor. Schlimmeres hat der Kopfschutz verhindert. Massa verdankt daher wahrscheinlich der Magdeburger Schuberth GmbH sein Leben. Auch andere Rennfahrer vertrauen auf den deutschen Helmhersteller, darunter Michael Schumacher und Fernando Alonso. Die maßgeschneiderten Helme haben eine äußere Schale aus Kohlefaser, die sehr leicht ist. Die Helme sind gut isoliert, was die Fahrer vor der lauten Rennatmosphäre schützt und den Kopf bei hohen Außentemperaturen kühl hält.

Das 1922 gegründete Familienunternehmen stellt Sicherheitshelme für viele Anwendungen her, neben Sport sind das der Arbeitsschutz und die Feuerwehr. Große Unternehmen wie Bayer, Volkswagen, Thyssen Krupp und RWE zählen zu den Kunden. Auch Organisationen wie das Rote Kreuz oder die UNO werden von Schuberth ausgestattet. Insgesamt produzierte Schuberth 2009 rund 1,5 Millionen Helme, womit ein Umsatz von 50 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. "Im Geschäftsjahr 2011 erwarten wir sogar einen Umsatz von etwa 60 Millionen Euro", meint Marc- Thorsten Lenze, Marketingleiter von Schuberth. Dabei werden nur wenige maßgeschneiderte Helme für den Rennsport produziert, die Preise beginnen bei etwa 5500 Euro. Den überwiegenden Teil des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit Sicherheits- und Motorradhelmen. Das Vorzeigeprodukt ist der Motorradhelm C3, der mit einem Preis ab rund 600 Euro der Premiumklasse zuzuordnen ist. Er ist mit 84 Dezibel bei 100 Stundenkilometern besonders leise. Schuberth hat in Deutschland einen Marktanteil von knapp 20 Prozent und bei Klapphelmen sogar von etwa 80 Prozent. Das Unternehmen gehört neben Shoei und Arai zu den führenden Marken in Deutschland, wobei Schuberth in der Premiumklasse ab 500 Euro mit Abstand den höchsten Marktanteil hat.

Knapp 300 Mitarbeiter werden in Magdeburg beschäftigt. Das Unternehmen setzt bewusst auf den Produktionsstandort Deutschland, da deutsche Ingenieurkunst im Ausland hoch angesehen ist. "Eine Produktion in Asien würde der Marke schaden", erklärt Lenze. Nur durch die Produktion in Deutschland könne eine optimale Qualität gewährleistet werden. Die Helme müssten stets die DIN-Mindestanforderungen übertreffen.

Für die Entwicklung hat Schuberth als einziger Helmhersteller weltweit ein eigenes Forschungszentrum errichtet, mit einem Windkanal, in dem Helme auf ihre Aerodynamik überprüft werden. Besonders intensiv beschäftigt sich das Magdeburger Unternehmen mit der Weiterentwicklung der Kohlefaser T 1000, die als die schlagfesteste Kohlefaser der Welt gilt. Zudem soll das Gewicht der Helme weiter reduziert werden.

Ein prominenter Entwicklungspartner ist der siebenmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, der seit vielen Jahren auf Schuberth Helme vertraut. Eigens für ihn entwickelten mehrere Ingenieure einen Motorradhelm, als er zwischenzeitlich nicht mehr als Autorennfahrer, sondern als Motorradsportler tätig war. Dabei wurden fünf Helme hergestellt, die nur auf ihn zugeschnitten waren. Diese Helme stellte Schuberth ihm kostenlos zur Verfügung, da für das Unternehmen auf seinem Helm geworben werden konnte.

Informationen zum Beitrag

Titel
Nicht den Kopf riskieren
Autor
Karsten Barner
Schule
Gymnasium Stadtfeld , Wenigerode
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Donnerstag, 5. Mai 2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance