Wenn der Groschen fällt

Wenn alle Berufstätigen in Deutschland jeden Monat den Betrag hinter dem Komma ihres Nettogehalts, also die Restcent, spendeten, stünden im Jahr etwa 220 Millionen Euro für soziale Projekte zur Verfügung. Dabei kostet dies dem Erwerbstätigen im Schnitt 5,50 Euro im Jahr. Manchmal ist wenig eben ziemlich viel.

Das dachte auch Monika Schleicher, Education Consultant bei der SAP AG in Walldorf, als sie im Urlaub vor zwei Jahren auf eine Randnotiz in der Tageszeitung stieß, die über das Restcent-Projekt der Stadtverwaltung Bremen berichtete. Deren Mitarbeiter spenden seit Ende 2002 ihre Restcent und stimmen einmal im Jahr ab, welchen sozialen Projekten das Geld zukommen soll. „Ich dachte mir, das könnte auch bei SAP funktionieren“, sagt Schleicher. Gleich nach ihrem Urlaub reichte sie den Vorschlag in der Abteilung Ideenmanagement ein. Nach anfänglichem Zögern erklärte sich der Arbeitgeber bereit, die Infrastruktur für so ein Projekt zu schaffen. Mitarbeiter bauten eine Restcent-Seite, auf der jeder seine Teilnahme mit Knopfdruck bestätigen kann, und die Personalabteilung passte die Gehaltsabrechnung an. SAP hat sich außerdem bereiterklärt, die gespendete Summe am Ende des Jahres zu verdoppeln. Bereits im ersten Jahr wurden 54000 Euro gespendet, mit denen unter anderem folgende Projekte unterstützt wurden: der Schulbesuch für philippinische Kinder, die auf Mülldeponien leben, die Trinkwasserversorgung einer Grundschule in Sri Lanka, das Holiday Camp für Kinder einkommensschwacher Eltern in Dresden, die Finanzierung eines Schulbusses in Uganda oder die Sicherung eines Stücks Regenwald als Lebensraum für Orang-Utans in Borneo.

Im angelsächsischen Raum hat das Sammeln kleiner Gehaltsbestandteile unter dem Namen Payroll-Giving eine lange Tradition. In Deutschland ist es noch wenig verbreitet. Sabine Sienz vom Fundraising der Stiftung Aktion Weltkinderhilfe freut sich über jeden Cent: „Viele Deutsche sehen historisch immer noch Staat und Kirche in der Verantwortung, sich um gesellschaftliche Probleme zu kümmern.“ Hierzulande riefen einige Stadtverwaltungen in den achtziger Jahren die Restpfennig-Initiativen ins Leben. Neben kommunalen Einrichtungen wie den Stadtverwaltungen von Salzgitter, Hamburg oder Köln und kirchlichen Institutionen wie dem Diözesan-Caritasverband Würzburg haben auch einige Großunternehmen wie Eon, Merck, RWE, Volkswagen oder der Axel Springer Verlag die Restcent-Initiative eingeführt. Von Eon Hanse konnten so seit 2005 verschiedene gemeinnützige Organisationen im norddeutschen Raum mit mehr als 150000 Euro unterstützt werden. Bei der Merck KGaA aus Darmstadt kamen auf diese Weise allein im vergangenen Jahr 76 500 Euro für soziale Zwecke zusammen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Wenn der Groschen fällt
Autor
Lucia Lanfermann
Schule
Englisches Institut , Heidelberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung Donnerstag, 26. Mai 2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance