In den Westen gespült

In den Westen gespült

Trotz schwierigen Neuanfangs nach der Wiedervereinigung ist die sächsische Marke Fit heute eine der umsatzstärksten Marken unter den Spülmitteln und das ostdeutsche Unternehmen Fit GmbH einer der bekanntesten Spülmittelhersteller Deutschlands.

Die Geschichte des Unternehmens von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln begann ein Jahrhundert zuvor mit der Gründung der Böhme Fettchemie GmbH 1881. Im Jahr 1954 wurde in den Hallen des nun Fewa-Werke Karl-Marx-Stadt genannten Betriebes in Zittau-Hirschfelde das Fit entwickelt. Es wurde im Osten Deutschlands zum Synonym für Spülmittel und deckte 85 Prozent des Bedarfs der DDR ab. „Wenn man damals sagte: Bring Fit mit, dann meinte man das Spülmittel, so wie man heute bei Tempo auch die Taschentücher meint“, sagt der Marketingleiter der Fit GmbH, Markus Jahnke. Die Wende im Jahr 1989/1990 stürzte die marode Wirtschaft der ehemaligen DDR in eine tiefe Krise. Die Fit-Produktion, die nun der Treuhand angehörte, stand kurz vor der Insolvenz. Der Absatz des ehemals beliebten Spülmittels tendierte gegen null. Die Produktion schrumpfte von 55000 Tonnen im Jahr 1988 auf 9000 im Jahr 1991, und die Belegschaft wurde von 450 auf 60 Mitarbeiter reduziert.

Westdeutsche Handelsketten listeten die Marke nicht. Und die Menschen im Osten wollten unmittelbar nach der Wende Neues ausprobieren, sagt Jahnke. „Die Rückbesinnung auf altbekannte, bewährte Produkte erfolgte erst später.“

Zwar weckte die Marke das Interesse großer Konzerne, doch diese interessierten sich nur für den Kauf der Markenrechte und nicht für die Sicherung des Standortes und der Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region. Eine rettende Idee der Mitarbeiter ebnete Fit den Weg zurück in die Supermärkte. Das Unternehmen ließ seine Produkte mit Lastwagen vor die westdeutschen Supermärkte fahren und dort von der Laderampe aus verkaufen. Die Einnahmen der westdeutschen Spülmittelhersteller gingen zurück, und es erfolgten erste Listungen der Marke Fit.

Trotzdem blieb die Situation kritisch. Im Jahr 1993 kaufte der Investor Wolfgang Groß den Betriebsteil Hirschfelde, und so fand am 3. Oktober 1994 die Einweihung der neuen Fit GmbH statt. Das junge Unternehmen startete mit 60 Mitarbeitern, die Groß übernahm, der heute Geschäftsführer ist. Groß vereinte sein modernes Konzept mit der Tradition des Unternehmens. „Das, was einem gefällt, will man bewahren. So ähnlich ist es auch mit Marken“, erklärt er. Das Design der Flasche und der Name Fit wurden beibehalten, alles andere auf den neuesten Stand gebracht. „Bis heute wurden Investitionen von 81 Millionen Euro in die Renovierung der Gebäude und Produktionsanlagen, aber auch in Forschung und Entwicklung getätigt“, erklärt Jahnke.

Der Aufschwung des Unternehmens ließ nicht lange auf sich warten. Die Umsatzzahlen wurden von 8 Millionen Euro im Jahr 1993 über 38 Millionen im Jahr 2009 auf 58 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesteigert.

Fit ist auch heute noch, neben dem Weichspüler und dem Sunil-Waschmittel, mit mehr als 8 Millionen verkauften Flaschen im Jahr 2010 das umsatzstärkste Produkt des Unternehmens. Die Rezeptur wurde im Verlauf der Jahre weiterentwickelt und durch den Einsatz neuer Rohstoffe verfeinert. Es entstanden neue Duftvarianten des Spülmittels, unter anderem auch die Produktreihe „Düfte des Südens“. Eine Flasche Fit mit 500 Millilitern ist im Handel für 0,85 Euro erhältlich. In unterschiedlichen Duftvarianten kostet die Flasche 1,25 Euro. Zu DDR-Zeiten betrug der Preis 1,75 Mark. „Monatlich verlassen 1 Million Flaschen Fit das Werk, das Unternehmen ist aber längst nicht mehr so stark von diesem Produkt abhängig wie noch vor einigen Jahren“, sagt Jahnke. Die anfängliche Geschäftsidee, die Marke weiterzuentwickeln, führte zu Erweiterungen der Produktpalette. Heute steht Fit nicht mehr nur für Spülmittel. Das Produktportfolio des Unternehmens wurde auf etwa 100 Einzelprodukte erweitert, die vom Haushaltsreiniger bis zum Waschmittel alles beinhalten. Außerdem wurden neue Marken gekauft. Die Fit GmbH vereint inzwischen unter ihrem Dach die im Jahr 2000 erworbenen bekannten westdeutschen Marken Rei und Sanso sowie die Marken Kuschelweich und Sunil, die in den vergangenen zwei Jahren übernommen wurden. Eine umweltfreundliche Produktlinie mit biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen gibt es seit 2008.

So stiegen im Westen Deutschlands der Bekanntheitsgrad der Fit-Produkte auf 36 Prozent und der Marktanteil auf 10 Prozent. Im Osten erreicht das Unternehmen einen Bekanntheitsgrad von fast 100 Prozent und verfügt über 30 Prozent der Marktanteile. Fit beschäftigt etwa ein Zehntel seiner 165 Mitarbeiter in der eigenen Forschungsabteilung. Das Umsetzen von einem Ergebnis im Labor bis zur Produktion im neuen Produkt sei recht kurz, sagt Groß. „Da sind wir viel schneller als die Großen.“

Informationen zum Beitrag

Titel
In den Westen gespült
Autor
Olga Kisla
Schule
Friedrich-Engels-Gymnasium , Senftenberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance