Gleitzeit für Skifahrer

Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Manova aus dem Jahr 2010 bezeichnet sich ein Viertel der zwischen 14 und 70 Jahre alten Deutschen als Skifahrer. Diesen Sportsgeist will die Holmenkol AG fördern. Der älteste Skiwachshersteller der Welt kann auf fast 90 Jahre Markengeschichte zurückblicken, die mit Ski-, Schuh-, Kerzen- und Fußbodenwachs begann. Heute gehört Holmenkol jeweils zur Hälfte den Beteiligungsgesellschaften Nanogate AG und Nanostart AG. Und Nanotechnologie spielt auch hier eine Rolle. Denn beim Skiwachs ist die Oberfläche entscheidend, die mit Hilfe der Nanotechnologie vergrößert werden kann: Je größer die Oberfläche, desto größer die Wasserabstoßung, desto größer auch die Gleitfähigkeit. Das Spezielle am Holmenkol-Skiwachs ist darüber hinaus, dass chemische und physikalische Vorteile kombiniert werden.

Seit den fünfziger Jahren konzentriert sich Holmenkol nicht mehr nur auf Skiwachse, die dennoch mehr als 40 Prozent des Umsatzes ausmachen, sondern auch auf Boote (Teak- und Segelpflege), Fahrräder (Schmiermittel und schmutzabweisende Beschichtungen) und Textilien (Imprägnierungen und Spezialwaschmittel). Der Gesamtumsatz liegt im mittleren einstelligen Millionenbereich. Bis 2015 will man ihn mehr als verdoppeln. Holmenkol beschäftigt 22 Mitarbeiter am Stammsitz Heimerdingen bei Stuttgart und in seinen beiden Tochtergesellschaften in Österreich und Japan jeweils drei. Etwa 10 Prozent des Umsatzes investiert man in Forschung und Entwicklung. Holmenkol ist Partner von weltweit 45 Sportverbänden. „Gerade mit dem Spitzensport können wir unsere Innovationen vom Labormaßstab in der Realität testen, und dies auf dem höchstmöglichen Anspruchsniveau“, sagt Karim Grueber, Vorstand der Holmenkol AG. Sportverbände machen auch ungefähr ein Zehntel des Gesamtumsatzes aus.

Im Kernbereich Snow, der in Zukunft von Textile Protection als größtem Umsatzbringer abgelöst werden soll, liegt das geschätzte globale Marktvolumen bei etwa 40 Millionen Euro im Jahr, jeweils zur Hälfte in den Anwendungsgebieten Alpin/Board und Nordic. Holmenkol ist mit einem geschätzten Weltmarktanteil von 10 Prozent die Nummer drei hinter den Herstellern Swix und Toko. In Deutschland ist man bei Skiwachs mit knapp 45 Prozent Marktführer.

Für jeden Schnee, sei es Nass-, Papp-, Pulver-, Eis- oder Kunstschnee, und die dazugehörige Aktivität gibt es das passende Produkt: vom einfachen Wachsstift für 10 Euro bis zum Profipack für etwa 400 Euro. Ergänzend bietet Holmenkol auch das entsprechende Zubehör zum Aufbringen des Wachses an wie Bürste, Wachsbügeleisen oder Kantenschleifgerät sowie Wachsseminare für Skiklubs und Händler. Da laut Grueber der Skiwachsmark aufgrund seiner weitestgehenden Sättigung „eher als rückläufig einzustufen“ ist, will Holmenkol verstärkt im Bereich Textile Protection wachsen. Dort sieht man viel Potential mit der vorhandenen Produktpalette und dem Wissen von Nanogate. Laut Grueber gilt hierbei aber der Spruch „Schuster, bleib bei deinem Leisten“, beziehungsweise auf Holmenkol bezogen: „Bleib bei deinem Wachs“. Zum Teil gibt es auch verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für einzelne Produkte. So kann modifiziertes Skiwachs auf einem Bootsrumpf zur Reibungsreduktion eingesetzt werden.

Direktvertrieb an den Endkonsumenten gibt es nicht. Holmenkol setzt auf die Zusammenarbeit mit großen Fachmarktketten wie Intersport oder Sport 2000. Und das hauseigene World Racing Team betreut Spitzensportler und Verbände in aller Welt. Bei den Olympischen Winterspielen in Turin waren es allein 43 Nationalteams. Auch Biathlonweltstar Ole Einar Björndalen präpariert seine Ski mit Holmenkol-Wachs.

Informationen zum Beitrag

Titel
Gleitzeit für Skifahrer
Autor
Tobias Beck
Schule
Karls-Gymnasium , Stuttgart
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance