Postsache Numerus clausus

Numerus Clausus

So gut wie jeder hat sie, wenn auch nicht immer, im Kopf: Eine Pin ist in Deutschland mit dem Girokonto einer Bank verbunden. Ebenso wie eine Bankkarte. Bei der Eröffnung eines neuen Kontos wird einem beides auf dem Postweg zugestellt. Der Versand von Pin-Briefen und Karten geschieht maschinell; neun von zehn dieser Maschinen kommen in Deutschland von der Holzmindener Otto Künnecke GmbH.

Das Unternehmen hat sich auf Kartenversandsysteme, Kuvertiermaschinen sowie die Qualitätskontrolle und Verpackung von hochsicheren Dokumenten wie Kreditkarten, Ausweisen und Reisepässen spezialisiert. In der Entwicklung neuer Lösungen für die Endkontrolle von Reisepässen und Ausweisen ist Otto Künnecke Marktführer. „Die stetige Innovation und die persönliche Arbeit mit unseren Kunden sind in dieser Form einmalig“, erklärt Geschäftsführer Carl Otto Künnecke den Erfolg. Dabei ist die Geschichte der Maschinenbausparte des Unternehmens noch relativ jung. Zwar hatte Otto Künnecke schon 1934 eine Schlosserei im Weserbergland gegründet, doch der Maschinenbau ist erst 1991 entstanden. Damals begann das Unternehmen mit drei Mitarbeitern, heute sind es 80. Es war schon immer familiengeführt, inzwischen in dritter Generation.

Lehrlinge sind bei Otto Künnecke gern gesehen. „Mechatroniker ist für uns ein wichtiger Ausbildungsberuf, denn in unserer eher strukturschwachen Region finden wir nur schwer entsprechend qualifizierte Mitarbeiter“, sagt Personalchefin Olga Finch.

Der Blick in die Zukunft ist optimistisch. „2010 war mit einem Umsatz von 14 Millionen Euro das umsatzstärkste Jahr überhaupt“, bemerkt Geschäftsführer Künnecke. 2009 waren es erst 9 Millionen. Auch über die Wirtschaftskrise hinweg hielten sich die Umsätze annähernd konstant. Während die Aufträge von Privatunternehmen nachgelassen haben, nahmen die Projekte für staatliche Stellen wie Ministerien zu.

Die Exportquote liegt bei mehr als 80 Prozent. Kunden gibt es beispielsweise in Moçambique, Brasilien, Venezuela, Neuseeland und Korea. Besonders gefragt sind Lösungen für die Kontrolle und den Versand von Karten und Dokumenten. Aber auch das größte Ausweisprojekt innerhalb der Europäischen Union läuft über Maschinen der Otto Künnecke GmbH. Fotos, Unterschriften und persönliche Daten werden in gedruckter und elektronischer Form mit höchster Genauigkeit kontrolliert und abgeglichen.

Die hohen Umsätze im vergangenen Jahr sind vor allem auf wenige große Aufträge zurückzuführen. Einer davon war ein Anlagenpark für die mexikanische Regierung. In Mexiko werden zum ersten Mal moderne Ausweise an die Bürger ausgegeben, da bisher keine einheitlichen Karten zur Identifizierung vorhanden waren. Sämtliche Maschinen, die für Verpackung und Versand von Pin und Ausweis benötigt werden, kommen von Otto Künnecke.

Eine große Anlage zur Kartensortierung kann mehr als 1 Million Euro kosten. Eine kleine Anlage ist ab 150000 Euro zu erstehen. Nach Mexiko wurden sechs große Anlagen verkauft.

Die Maschinen von Otto Künnecke sind individuelle Lösungen für jeden Kunden, die je nach Projekt entweder aufwendige Hardware oder Software benötigen. Die Herausforderung dabei ist, dass in den Anlagen auch bei mehreren Millionen Sendungen kein einziger Fehler gemacht werden darf, um zu verhindern, dass ein Ausweisdokument beim falschen Empfänger ankommt. Um dieses zu gewährleisten, werden spezielle Überwachungssysteme eingebaut. Die Sicherheit ist selbst bei einem Stromausfall gewahrt. Dieses zum Teil patentierte Fertigungswissen hat seinen Preis, der von den Staatsdruckereien jedoch bezahlt wird, wenn damit ein sicherer Versand gewährleistet ist.

Informationen zum Beitrag

Titel
Postsache Numerus clausus
Autor
Tarik Kersting
Schule
Campe-Gymnasium , Holzminden
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2011
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance