Sie liegen fleißig auf der faulen Haut

Mit dem Umweltbewusstsein wächst das Interesse, Müllberge zu vermeiden. Die Verwertung organischer Abfälle ist eine Recycling-Möglichkeit. Im kleinen Rahmen für den heimischen Garten ist das Kompostieren vielen vertraut. Wie dies in größeren Dimensionen funktioniert und welche Maschinen dafür nötig sind, erfährt man bei der Backhus GmbH in Edewecht im Ammerland. „Der Kompost muss regelmäßig umgesetzt werden, damit die Bakterien genug Sauerstoff bekommen und schneller arbeiten können“, erklärt Marketingleiter Martin Pluschkat. „Mit der maschinellen Bearbeitung verrotten die Rohmaterialien in drei bis vier Wochen, ohne dauert dieser Vorgang bis zu einem Jahr.“
Backhus ist auf dem Gebiet der sogenannten Kompostumsetzer weltweiter Marktführer. Die Maschinen bringen mit Rotoren gleichmäßig Luft in den Kompost und lockern ihn auf. Gegründet wurde das Unternehmen 1985, die Idee zur Entwicklung der Umsetzer kam dem Geschäftsführer Friedrich Backhus, als er auf der Suche nach einem derartigen Gerät für seinen damaligen Betrieb, der organische Düngemittel herstellte, nicht fündig wurde. Die Produktpalette reicht von der flexibel einsetzbaren Fertiglösung im 20-Fuß-Container-Standardmaß für die Umsetzung der Küchenabfälle von Großküchen und Hotels bis zu mehr als dreieinhalb Meter großen, tonnenschweren Maschinen für Recycling-Betriebe. Umgesetzt werden landwirtschaftliche Abfälle, Grünschnitt, Klärschlamm und anderer organischer Müll. Bei der Verrottung entsteht hochwertiger Kompost, der als Dünger verwendet und verkauft werden kann.
In jedem Jahr werden bei Backhus 70 bis 75 Maschinen verkauft, die zwischen 29 000 und 1 Million Euro kosten; durchschnittlich sind es etwa 250000 Euro. Die Kunden sind inzwischen hauptsächlich ausländische Unternehmen. Die Exportquote liegt bei 85 bis 90 Prozent. „Der deutsche Markt ist weitgehend gesättigt,“ erläutert Backhus, hier gebe es fast nur noch Ersatzbedarf. Große Absatzmärkte finden sich in den Schwellenländern und in denjenigen Industriestaaten, die hinsichtlich Umweltschutz und Recycling Nachholbedarf haben. Geliefert wird in mehr als 60 Länder, Tendenz steigend. Der hierzulande einzige großer Hersteller von Kompostumsetzern hat eigenen Angaben zufolge einen weltweiten Marktanteil von 26 bis 32 Prozent. Den Rest teilen sich fünf Konkurrenten und einige Hersteller von Landmaschinen. „Wachsende Probleme haben wir jedoch mit Konkurrenten, die in strukturschwachen Regionen Europas ansässig sind und Subventionen für Exporte von der EU erhalten. Mit deren niedrigen Preisen können wir nicht mithalten, und wir haben deshalb bereits einige wichtige Kunden verloren“, sagt Backhus.
Umso wichtiger ist es für das Unternehmen, sich durch effiziente und innovative Konzepte von den Mitbewerbern abzugrenzen. In der Entwicklung neuer Umsetzsysteme geht es nicht nur um technische, sondern auch um biologische Aspekte. „Wir wissen, unter welchen Voraussetzungen die Mikroorganismen am schnellsten arbeiten und berücksichtigen dies bei der Entwicklung“, erklärt Backhus. Kunde Robert Lewis von der Nutramulch Ltd. im englischen Yorkshire, die seit fünf Jahren einen Kompostumsetzer von Backhus verwendet, sagt: „Mithilfe des neuen Umsetzers konnten wir die Zeit der Verarbeitung bis zum fertigen Kompost um 50 Prozent verkürzen im Vergleich zum Umsetzen mit Ladeschaufeln und Baggern.“
Der Umsatz von Backhus ist in den vergangenen Jahren gewachsen, von 10,1 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 13,2 Millionen Euro 2010; für das Geschäftsjahr 2011 erwartet man 13,6 Millionen Euro. 2009 konnte das Unternehmen, das 55 Mitarbeiter beschäftigt, einen Gewinn vor Steuern von 750 000 Euro erwirtschaften. Seitdem hat sich dieser erhöht.
„In Zukunft werden wir weiter expandieren und auch völlig neue Märkte erschließen“, meint Backhus. Dazu zählen vor allem zwei Länder: Indien und Brasilien. In Indien stehen die Regulierung der Abfallverwertung und die professionelle Kompostierung noch am Anfang. In Brasilien besteht aufgrund der weit verbreiteten Plantagenwirtschaft viel Potential für Backhus. Auch der amerikanische Markt, ist langfristig von Bedeutung. Dort sei ein gesteigertes Interesse an einer effizienten Abfallentsorgung spürbar, berichtet Backhus, auch wenn die Wirtschaftskrise die Nachfrage zurzeit stark beeinträchtige.
Gute Aussichten bestehen auch insgesamt für den weltweiten Absatzmarkt. Neben den Bemühungen zahlreicher Regierungen, neue Umweltauflagen zu erfüllen, hat auch der hohe Ölpreis positive Auswirkungen. „Mit dem Ölpreis steigt der Preis für den daraus hergestellten Kunstdünger“, erklärt Backhus. „So wird Dünger aus pflanzlichen Rohstoffen stärker konkurrenzfähig, was wiederum unseren Absatz ankurbelt.“
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Sie liegen fleißig auf der faulen Haut
Autor
Nils Neubauer
Schule
Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht , Bad Zwischenahn-Edewecht
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2012
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014
Kategorie
Print

Beruf und Chance