Ein Fall für zwei

Das Unternehmen Aero Fallschirmsport GmbH in Kassel-Calden besteht seit mehr als 30 Jahren; es war das erste, das sich professionell mit dem Fallschirmspringen befasst hat. Aero bietet jährlich etwa 15000 Tandemsprünge an. Ein Flugzeug mit 14 oder 21 Sitzen bringt die Kunden in eine Höhe von 4000 Metern. Dort springen sie an den Profi gebunden aus dem Flugzeug und fallen eine Minute, bis sich der Schirm öffnet und sie vier Minuten nach unten trägt.

„Im freien Fall kann ein Tandempaar bis zu 300 Stundenkilometer schnell fallen, normalerweise achtet man aber auf eine gediegene Geschwindigkeit von Tempo 200. Ist der Schirm erst einmal aufgefaltet, fällt man nur noch um die 5 Meter in der Sekunde, also etwa 18 Stundenkilometer“, erklärt Harald Kloska, der Sprunglehrer des Unternehmens, der schon mehr als 8000 Tandemsprünge hinter sich hat.

Ein Sprung kostet je nach Saison zwischen 179 und 189 Euro, von denen etwa die Hälfte als Gewinn übrigbleibt. Der größte Teil der Kosten fällt für das Chartern der Flugzeuge an, etwa 7000 bis 8000 Euro am Tag. „Es gibt heutzutage drei konkurrenzfähige Unternehmen in Deutschland, das erste in Eisenach und die beiden anderen in Berlin“, sagt Aero-Geschäftsführer Matthias Maushack. Das Besondere an seinem Unternehmen sei jedoch, dass es alle Gebiete abdecke. Darunter fallen neben der Haupteinnahmequelle Tandemsprung auch die Ausbildung zum Solosprung oder zum Sprunglehrer sowie eine eigene Nähwerkstatt, in der das Unternehmen auch das Material zum Springen selbst herstellt, unter anderem die Fluganzüge und Fallschirme. Jährlich werden etwa 300 Anzüge der eigenen Marke Aero-Suit verkauft, sagt Maushack. Der Stückpreis liegt bei 200 bis 320 Euro. Dies macht ungefähr 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. „Die Kosten für eine Solosprunglizenz (AFF-Lizenz) betragen 2700 Euro. Voraussetzungen hierfür sind eine Tauglichkeitsbescheinigung des Hausarztes, ein Erste-Hilfe-Kurs und ein Mindestalter von 14 Jahren.“ Ohne Tandemkomplizen aus dem Flugzeug zu springen kostet nur 27 Euro.

Das Unternehmen sei weniger von der Wirtschaftskrise betroffen, die Umsatzzahlen seien sogar in den vergangenen Jahren gestiegen. Im Jahr 2009 habe das Unternehmen einen Umsatz von rund 1 Million Euro gemacht. „Das Schwierigste ist die Überbrückung des Winters, da eine fünfmonatige Sprungpause gesetzlich vorgeschrieben ist.“ In dieser Zeit werden Reisen für Fallschirmspringer geplant. Aero beschäftigt fünf Festangestellte und im Sommer zusätzlich bis zu 30 Saisonarbeiter. „Die Personalkosten betragen durchschnittlich etwa 20 Prozent des Umsatzes und sind damit nicht so gewichtig wie das Chartern der Flugzeuge“, sagt Maushack. Die Branche des Fallschirmsports ist weltweit vertreten und dehnt sich weiter aus. Mit zunehmenden Sicherheitsvorkehrungen konnte die Todesrate auf einen Fall je 100000 Sprünge reduziert werden. Fallschirmspringen ist damit nach Ansicht der Anbieter sicherer als jede Autofahrt.

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein Fall für zwei
Autor
Wilma Varnhorn, Jacob-Grimm-Schule, Kassel
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2010
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2013/2014

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