Kein Griff ins Klo

Es begann im Jahr 1956. Dem Schweizer Konstrukteur Hans Maurer erschien im Traum das Bild eines WCs. Es war keine gewöhnliche Toilette; Reinigungsdusche und Warmlufttrocknung waren integriert, Toilettenpapier wurde unnötig. Schon bald folgte der erste Versuch, die Idee in die Realität umzusetzen. Aus der Sitzfläche eines Gartenstuhls wurde eine Öffnung ausgesägt und Gartenschlauch und Föhn an die Stuhlbeine angebracht. Nach der ersten Probesitzung war klar: Das Prinzip funktionierte. 1957 wurde die Marke Closomat registriert und ein Patent angemeldet, die Firma Hans Maurer Sanitäre Apparate wurde im Handelsregister eingetragen. Heute trägt das Schweizer Unternehmen den Namen Closemo AG und beschäftigt 33 Mitarbeiter in Embrach nördlich von Zürich. Die deutsche Closomat GmbH ist eine Vertriebs- und Kundendienststelle in Schopfheim mit fünf Mitarbeitern; im englischen Partnerunternehmen Closomat GB Ltd. sind 55 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Vorteile eines Dusch-WCs, das eine platzsparende Kombination aus WC und Bidet sei, überwögen die Nachteile, sagt der Sohn des Erfinders und heutige Geschäftsführer, Peter Maurer. Eine Reinigung mit Wasser sei im Gegensatz zur Verwendung von Toilettenpapier komplett sauber, und die Hände blieben aus dem Spiel. Das Benutzen von Feuchttüchern sei keine zufriedenstellende Alternative: „Wer ein Nachbessern mit Feuchttüchlein versucht, schafft eher neue Probleme, auf Dauer reizen chemische Zusätze die empfindliche Haut im Intimbereich und führen oft zu allergischen Reaktionen.“

Das Dusch-WC hat allerdings seinen Preis: Es ist, je nach Hersteller und Modell, für rund 2000 bis 8000 Euro zu erwerben, Aufsatzgeräte, die auf WC-Schüsseln montiert werden, belasten den Geldbeutel mit 500 bis 2000 Euro. Ein Closomat schlägt mit 5000 bis 6700 Euro zu Buche. Hinzu komme der im Vergleich zur normalen Toilette um 2 Liter höhere Wasserverbrauch je Sitzung und etwas Strom. Dafür spare man das Toilettenpapier.

Closemo ist ein reiner Montagebetrieb: „Wir kaufen zum einen Normteile ein, und zum anderen lassen wir die von uns konstruierten Spezialbauteile herstellen“, erzählt Maurer. Closomat-WCs bestünden aus rund 250 Teilen, Spezialstahlrohre kämen beispielsweise aus Schweden und elektronische Bauteile aus Asien und den Vereinigten Staaten.

Jährlich verkauft die Unternehmensgruppe rund 4000 Dusch-WCs in Europa. Zu den Hauptabsatzmärkten gehören die Schweiz, Großbritannien, Norwegen, die Niederlande und Deutschland. Den Umsatz der Closomat-Gruppe beziffert Maurer auf rund 25 Millionen Euro im Jahr. Es gibt den Bereich Care und den Bereich Privat. „Im Care-Markt bedienen wir Menschen mit Behinderungen, also Menschen, die den Toilettengang meist selbst gar nicht bewerkstelligen können.“ Auf dem Privatmarkt richte sich Closemo an Menschen, die von der Intimreinigung mit Wasser überzeugt seien. Bisher hat man dafür aber nur in der Schweiz Kunden gewonnen.

Ein starker Wettbewerb herrscht auf dem Markt der WC-Duschaufsätze. Es gebe rund 30 Marken, die meisten seien asiatisch. Closemo führt wegen mangelnder Nachfrage keine Aufsätze mehr. Bei den Komplettanlagen sei die Konkurrenzlage hingegen überschaubar. Mit Ablauf des Patentes etablierte sich 1978 neben Closemo vor allem die Geberit AG.

2003 führte Geberit das erste Dusch-WC mit Unterputzspülkasten ein. Closomat bot 2005 nach einer Kreditaufnahme von 2 Millionen Franken ein ebensolches Modell an. Ausgereift war es jedoch noch nicht, rund jedes zweite verkaufte Produkt wurde zum Garantiefall. Große finanzielle Probleme waren die Folge, 2007 kam es zum Konkurs. Doch mit Unterstützung durch das englische Partnerunternehmen gelang noch im selben Jahr die Neugründung.

Skeptisch ist Maurer mit Blick auf den Privatmarkt. Da müssten weiter Tabus abgebaut werden. „Auch heute noch gibt es Leute, die am liebsten gar keine Verdauung hätten.“ Außerhalb Europas sei die Lage ganz anders. So betrage der Marktanteil der Dusch-WCs in Japan 80 und in Korea 30 Prozent.

Informationen zum Beitrag

Titel
Kein Griff ins Klo
Autor
Celia Hsü
Schule
Gymnasium Bad Iburg , Bad Iburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2015, Nr. 54, S. 18
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2014/2015
Kategorie
Print

Beruf und Chance