Dichtung und Klarheit

Meter für Meter arbeitet sich der Kanalroboter durch das Abwasserrohr. Er ist mit einer hochauflösenden Kamera und starken LED- Scheinwerfern versehen. Gesteuert wird er aus dem Innenraum eines Inspektionsfahrzeugs. „Der größte Teil der Abwasserkanäle in einer Stadt hat nur etwa einen Durchmesser von 30 Zentimetern, deswegen sind die Roboter für die Kanalinspektion unverzichtbar“, erklärt Ralf Medzinski von der Freiburger BN-Netze GmbH. Christian Falk von der Stadtentwässerung Dortmund sagt: „Etwa 70 bis 80 Prozent des mehr als 560000 Kilometer langen öffentlichen Kanalnetzes kann aufgrund des geringen Durchmessers nur von Robotern inspiziert werden.“

Als führender Hersteller von Kanalinspektionsrobotern sieht sich die Ibak Helmut Hunger GmbH & Co. KG aus Kiel. „Seit 1957 ist Ibak mit Abstand das größte Unternehmen auf dem Markt“, sagt Geschäftsführer Werner Hunger. „Ibak ist nicht nur das älteste und, gemessen an Mitarbeiter- und Umsatzzahlen, das größte Unternehmen der Kanalinspektionsbranche, sondern mit der Entwicklung des ersten Kanal-TV-Inspektionssystems der Welt auch der Begründer dieses Wirtschaftszweiges“, fügt Pressesprecherin Annika Babetzki hinzu. „Generell schätzt Ibak seinen Marktanteil auf 60 bis 70 Prozent in Deutschland, je nach Produkt.“ Ibak teilt sich den Markt mit einer Handvoll Konkurrenten, beispielsweise mit der Maschinenfabrik Rausch GmbH & Co. KG und der JT-Elektronik GmbH. Mit gut 300 Mitarbeitern erwirtschaftet man einen Jahresumsatz von etwa 42 Millionen Euro. Der Exportanteil beträgt 60 Prozent; beliefert werden Kunden in mehr als 40 Ländern. Kunden sind Städte und Kommunen sowie Dienstleister.

Eine wichtige Eigenschaft der Kanalroboter ist, dass sie explosionsgeschützt sind, da sich in der Kanalisation gefährliche Gase bilden können. Unterschieden wird zwischen den Inspektionssystemen (Kanalroboter), die aus einem Fahrwagen mit Kamera und Messtechnik bestehen, und den Inspektionsfahrzeugen. Letztere sind Transporter, die die Roboter zum Einsatzort bringen. Die Kosten für ein Inspektionsfahrzeug liegen nach Angaben von Falk zwischen 250000 und 400000 Euro. Durchschnittlich sieben Inspektionsfahrzeuge verkauft Ibak im Monat, von den Inspektionssystemen sind es zwischen 15 und 20. Standardausrüstung der Inspektionsfahrzeuge ist neben einer Steuerzentrale mit Bildschirm eine Seilwinde, um den Roboter in den Straßenschacht herabzulassen. Viele Roboter wiegen etwa 35 Kilogramm.

Einen großen Techniksprung erlebte die Branche in den neunziger Jahren. Seitdem ist es möglich, Seitenkanäle vom Hauptkanal aus zu inspizieren. Dabei wird mittels Wasserdruck eine kleine Kamera vom Roboter entsendet, um vor allem die verzweigten Hausanschlüsse zu erfassen. Irgendwann könnte es auch über W-Lan gesteuerte oder autonom agierende Roboter geben.

Die Bestimmungen zur Kanalinspektion sind in den Bundesländern und Kommunen unterschiedlich. Grundsätzlich muss bei jedem neugebauten Hausanschluss eine Dichtheitsprüfung durchgeführt werden. Diese muss mindestens alle 20 Jahre wiederholt werden. Der Sanierungsbedarf ist nach Angaben von Fachleuten groß. 50 Prozent der privaten Grundleitungen und Anschlusskanäle wiesen Schäden auf, heißt es.

Informationen zum Beitrag

Titel
Dichtung und Klarheit
Autor
Matteo Müller
Schule
Wentzinger-Gymnasium , Freiburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2016, Nr. 29, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2015/2016
Kategorie
Print

Beruf und Chance