Dem Kunden große Augen machen

Was haben Bummelfee und Powerfrau gemeinsam? Beide wirken in einer Kostümwerkstatt in Hagen am Teutoburger Wald, in der Maskottchen hergestellt werden. Das eigene Maskottchen, die von der Unternehmenschefin erschaffene Bummelfee, ist erfinderisch und sympathisch. Das trifft zwar auch auf Stefanie Ludwig zu; sie ist aber keine Bummelfee, sondern eine Powerfrau. Ludwig ist Absolventin der Fachlichen Ausbildungsschule für Damenschneiderei und Modedesign in Hannover. 1993 machte sie sich auf einem Dachboden selbständig und produzierte drei Jahre Promotionkostüme für Swarovski. Dann kamen mit Knödel-, Kartoffel- und Krokettenkostümen für das holländische Unternehmen Unilever „die Maskottchen einfach zu mir“, erzählt sie. Ludwig zog auf 700 Quadratmeter um und erwirtschaftet heute rund 150000 Euro im Jahr.

Ludwig ist mehrfach ausgezeichnet worden. So gewann sie 2003 mit der Figur Speedy Rapidi, dem Maskottchen des Fußballvereins Rapid Wien, die Maskottchen-Weltmeisterschaft. 80 Prozent der Kostüme kreiert Ludwig nach Vorlagen ihrer Auftragsunternehmen. „Maskottchen sollen Marken personalisieren und den Charakter eines Produktes symbolisieren – möglichst authentisch und emotional positiv“, erklärt sie. Das wecke Sympathie und verankere eine Marke im Gedächtnis. Das Wichtigste seien die Augen. Bei ihr bestehen sie aus gut zwanzig Einzelteilen. Die Kosten für ein Maskottchen liegen zwischen 1500 und 8500 Euro.

Maskottchen erhöhten messbar die Kaufbereitschaft, sagt Ludwig. Das belegten Studien. Von ihren Kunden bekomme sie positive Rückmeldungen. Unter ihnen sind Freizeitparks, Bundesligavereine und große Unternehmen wie Adidas, Pepsi, TUI und Ikea. Mehr als 500 Maskottchen haben die Kostümwerkstatt bisher verlassen. Eine Handvoll Mitbewerber gebe es in Deutschland. Keiner produziere jedoch im gleichen Umfang, sagt Ludwig. Etwa 30 Prozent der Werbeträger würden für den Export gefertigt, Tendenz steigend.

Ludwig trägt ständig eine Rolle Kreppband und einen Edding bei sich. Jede Idee, jeden Änderungswunsch schreibt sie direkt auf und klebt ihn an den entsprechenden Ort.

Informationen zum Beitrag

Titel
Dem Kunden große Augen machen
Autor
Antonia Bock
Schule
Ursulaschule , Osnabrück
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2016, Nr. 29, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2015/2016
Kategorie
Print

Beruf und Chance