Die Kunden sollen an die Decke gehen

Textilien „made in Germany“ sind selten. Die Hermann Biederlack GmbH + Co. KG fertigt hingegen vollständig in Deutschland und ist nach eigenen Angaben auf dem Markt für hochwertige Wohndecken Marktführer in Europa. Das Unternehmen gehört in vierter Generation der Familie Biederlack. „Alle Prozesse sind in Greven angesiedelt“, sagt Marketingleiter Holger Steuter. Zu Beginn liegt das Material in Form von Ballen vor. Sie werden zu einem Färbekuchen gepresst, der bis zu sechs Stunden lang gefärbt wird. In Zentrifugen wird er dann getrocknet. In der Spinnerei wird der Färbekuchen im Krempelwolf aufgelockert. In den fünf sogenannten OE-Spinnmaschinen werden Garne hergestellt. OE bedeutet Open-End-Spinnverfahren. Damit ist ein Verfahren gemeint, das immer wieder an unterschiedlichen Produkten neu angesetzt werden kann. In der Weberei fertigen dann Jacquard-Webmaschinen designorientierte und innovative Muster und Schaftwebmaschinen einfache Muster.

Anschließend wird das Schussgarn aufgerauht. So wird die Decke voluminös und anschmiegsam. Die ungleichmäßige Rauhoberfläche wird auf eine gleichmäßige Oberfläche geschoren. Die Materialien reichen von klassischen Baumwoll-Dralon-Mischungen über Bio-Baumwolle und Schurwolle bis hin zu Kaschmir. „Unsere klassische Wohndecke besteht zu 60 Prozent aus Baumwolle und zu 40 Prozent aus Polyacryl. Sie ist sehr gut waschbar und hält warm“, sagt Steuter.

Je Geschäftsjahr würden 1,8 Millionen Decken mit 350 unterschiedlichen Mustern verkauft. Das entspreche 2,25 Millionen Kilogramm Garn. Derzeit ist der Rotton Marsala beliebt, aber auch grüne, blaue und petrolfarbene Produkte werden gut nachgefragt. Grau, Creme und Beige sind die Standardfarben. In Großbritannien geht der Trend zu modernen Designs und knalligen Farben, in Italien zu farbenfrohen Artikeln. Französische Kunden bestellen die Decken oft in Übergröße und benutzen sie als Schlafdecke.

Biederlack erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von gut 25 Millionen Euro. „Die produzierte Ware wird in rund 50 Länder exportiert“, berichtet Inhaberin Lotty Biederlack. „Neben Österreich, der Schweiz und Deutschland ist Großbritannien der größte Abnehmer. Die Exportquote beträgt 35 Prozent.“ Andere Deckenhersteller kommen vor allem aus der Türkei und China und bieten eher preiswerte Produkte an. „Wir müssen uns abgrenzen von günstigen Produkten über die Qualität, das Design und den Service, um andere Preise durchsetzen zu können“, sagt Geschäftsführer Ralf Rensmann. „Die Preisspanne der Produkte liegt zwischen 20 und 600 Euro“, berichtet der Marketingleiter.

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen ganz neue Produkte entwickelt, zum Beispiel „Cape und Decke“, eine Mischung aus Decke, XXL-Schal und Cape, sowie den „Feet Bag“, eine Alternative zu dicken Socken. Die Wohndecken von Biederlack findet man auch auf Kreuzfahrtschiffen und in Hotels, zum Beispiel auf der Aida oder im Hotel Adlon in Berlin. Ein ganz besonderer Kunde ist das britische Königshaus. In die Winterresidenz der Königsfamilie wurde eine cremeweiße Decke geliefert, in die Sommerresidenz, das Balmoral Castle in Schottland, eine farbenfrohe Decke mit ethnischen Mustern.

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Kunden sollen an die Decke gehen
Autor
Celina Marschall
Schule
Eichsfeld-Gymnasium , Duderstadt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2016, Nr. 126, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2015/2016
Kategorie
Print

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