Wie man die Haut zur Entfaltung bringt

Im Weltraum altert die Haut im Schnelldurchlauf. Dies wurde im Rahmen des Projekts „Skin B“ auf der Internationalen Raumstation ISS festgestellt – mit den Hautanalysegeräten der Courage + Khazaka Electronic GmbH. Ziel des Experiments ist, die Veränderungen der Haut bei einem Aufenthalt im Weltraum zu untersuchen. Die Wissenschaftler wollen zudem prüfen, inwiefern die Haut als Modellsystem für innere Organe dient und ob die Ergebnisse auf die normale Hautalterung übertragen werden können. Der Deutsche Alexander Gerst ist der dritte Astronaut, der im All seine Hautfeuchtigkeit für Skin B gemessen hat. „Dass unsere Geräte im Weltall eingesetzt werden, ist ein herausstechendes Merkmal“, sagt Junior-Geschäftsführer Georg Khazaka. „Das Auswahlverfahren, um da oben hochgeschickt zu werden, ist sehr streng.“

Das Familienunternehmen aus Köln produziert eine große Bandbreite an Geräten zur Messung unterschiedlicher Eigenschaften der Haut wie Feuchtigkeit, Fettgehalt, Faltentiefe, Elastizität und Struktur. Nach eigenen Angaben ist man in dieser Branche Weltmarktführer mit einem Marktanteil von 70 Prozent. In der Regel werden die Geräte aber nicht im All eingesetzt. Sie werden zum Beispiel in unabhängigen Testlabors und Forschungsinstituten zur Durchführung von Wirksamkeitstests und zur Untermauerung von Werbeaussagen verwendet. Das Unternehmen hat sich auch auf die Dermatologie- und Kosmetikindustrie spezialisiert. „Wenn man in der Dermatologie Untersuchungen macht, dann kommt man an diesen Geräten nicht vorbei“, sagt Arne Böhling von der Proderm Institut für Angewandte Dermatologische Forschung GmbH.

Zu den Kunden zählen Forschungs-, Entwicklungs- und Testlabore, Konzerne und Mittelständler, Kosmetikerinnen und Dermatologen. Es sind internationale Kosmetikunternehmen wie Beiersdorf und L’Oréal Paris darunter. Die Hersteller von Kosmetik machen nach Angaben Khazakas einen Umsatzanteil von 50 Prozent aus, die andere Hälfte stammt aus dem Bereich Wissenschaft.

Weil mit den Geräten schnell und äußerlich gemessen wird, kommen sie an Verkaufsstellen wie Apotheken zum Einsatz. Der aufgeklärte Kunde will immer mehr wissen. „Gewisse Eigenschaften der Haut sind nicht durch visuelle Begutachtung oder Berührung erfassbar, dazu dienen dann diese Geräte“, erklärt Oliver Wunderlich vom unabhängigen klinischen Forschungsinstitut Bioskin GmbH. „Ihr Vorteil ist, dass sie objektiv sind.“ Es kann zudem auf spezifische Hautbedürfnisse eingegangen werden, was nach Angaben von Courage + Khazaka zu einer Umsatzsteigerung der Kosmetik von bis zu 30 Prozent führen kann.

Mit vierzig Mitarbeitern und Kooperationspartnern werden etwa 3000 Geräte im Jahr produziert. Dabei arbeitet man vom Design über die Entwicklung bis hin zur Konstruktion eng mit dem Kunden zusammen. Manche Ressourcen werden zugekauft, einige Prozesse ausgelagert. „Die Endmontage und Kalibrierung findet aber immer bei uns im Haus statt“, sagt Khazaka. Die schnelle Messung und einfache Handhabung haben alle Geräte gemein. „Das ist der Grundgedanke“, erklärt Khazaka. Hautveränderungen wie Irritationen und Schwellungen werden dadurch vermieden. Für jedes Messverfahren gibt es eine eigene Messsonde.

Die wissenschaftlichen Geräte liefern eine höhere Auflösung. Dies macht sich auch im Preis bemerkbar. Im Marketingbereich reicht das Spektrum von 400 bis rund 5000 Euro, im wissenschaftlichen Bereich von 2500 bis 20000 Euro für ein Komplettsystem. Das bisherige Bestsellergerät ist das Corneometer zur Feuchtigkeitsmessung der Hautoberfläche.

Erweiterungen der Produktpalette sind geplant. „Zusammen mit der Universität in Pavia sind wir dabei, ein Messgerät für die Elastizität von Nägeln zu entwickeln“, sagt Khazaka. Man hat sich zum Ziel gesetzt, spätestens alle zwei Jahre eine neue Messung oder Messmethode vorzustellen beziehungsweise eine alte so verbessert zu haben, dass sie einen Mehrwert für den Kunden hat.

Ein wichtiger Partner in der Medizin ist die Charité Universitätsmedizin Berlin. Gemeinsam unterstützt man Förderprojekte des Forschungskonsortiums „Advanced UV for Life“ zur Hautkrebsdiagnostik und Bestimmung der Schutzwirkung von Sonnenschutzmitteln.

Das Unternehmen möchte neue Märkte in der Lebensmittel- und in der Textilindustrie sowie die Augenheilkunde erschließen. „In der Textilindustrie ist es so, dass die Reibung auf der Haut die Haut verändert“, erklärt Khazaka. „Des Weiteren lässt sich die Atmungsaktivität von Materialien ermitteln. Mit Blick auf den Umsatz sagt der Geschäftsführer: „Wir machen grundsätzlich fast seit Jahrzehnten Punktlandungen.“ 2015 erwirtschaftete man einen Umsatz von 5,3 Millionen Euro. „Wir sind nicht enttäuscht, sondern leben mit diesem Umsatz seit 2010.“

Die Herausforderung bei der Unternehmensgründung 1986 bestand darin, dass es auf dem Weltmarkt kein kommerziell erhältliches Produkt zur Bestimmung der Hautparameter gab, auf das man sich berufen konnte. In den Laboratorien und in der Kosmetikindustrie wurden eigens gestrickte Lösungen herangezogen. „Das war aber nicht vergleichbar, nicht validiert“, erklärt Khazaka. So wurde das erste kommerziell erhältliche Hautanalysegerät entwickelt.

Das Unternehmen liefert in mehr als siebzig Länder, die Exportquote beträgt 75 Prozent. Die Hauptmärkte sind China, Japan, Spanien, Frankreich und die Vereinigten Staaten. Großes Potential hätte der brasilianische Markt, denn er habe eine große Kosmetikindustrie. Wegen Handelshemmnissen seien die Verkaufsbedingungen aber besonders schwierig.

Die dermokosmetische Marke Eucerin von Beiersdorf hat ein eigenes Hautanalysegerät mit der Gekartel AG entwickelt. Von Courage + Khazaka kommt die Messtechnik, die Software ist von Beiersdorf. Der „Eucerin Skin Code Reader“ misst die neun Hautparameter Transpiration, Feuchtigkeit, Rötung, Sensitivität, Faltigkeit, Straffheit, Pigmentierung sowie Talgproduktion der Stirn und der Wangen. Kein Gerät von Courage + Khazaka bilde alle Parameter ab, erklärt Wolfgang Krauß von Beiersdorf. „Deswegen ist es eine Eigenentwicklung geworden.“

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie man die Haut zur Entfaltung bringt
Autor
Louisa Deltchev
Schule
Gymnasium Ohmoor , Hamburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2016, Nr. 216, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2015/2016
Kategorie
Print

Beruf und Chance