Da geht der Oma das Herz auf

Mit dem roten Lämpchen schaffte die Cloer Elektrogeräte GmbH aus Arnsberg im Sauerland in den fünfziger Jahren einen Durchbruch in der Welt des Waffelbackens. In „Wunderbare Waffeln“, einem Buch über die Kulturgeschichte des beliebten Gebäcks, erzählt die Autorin Ellen Henkel von der Entstehung des Unternehmens und des Waffeleisens. Ob es die ersten Waffeleisen im 9. Jahrhundert in Frankreich oder im 7. bis 10. Jahrhundert in Skandinavien gab, wisse man nicht genau. Klar sei, dass sie sich nach und nach in die anderen Länder Europas verbreitet hätten. Die ersten waren die Zangenwaffeleisen, die aus einer Zange mit zwei Platten am Ende bestanden, aus Eisen geschmiedet und mit unterschiedlichen Mustern versehen. In Deutschland gab es diese Eisen seit dem 14. Jahrhundert. Die nächste Entwicklung fand im 19. Jahrhundert mit den Herdaufsatz-Waffeleisen statt. Als die meisten Haushaltsgeräte elektrifiziert wurden, wurde auch das Waffeleisen elektrifiziert.

„Aus Sicht der Fertigung waren Bügel- und Waffeleisen genau dasselbe, sie hatten beide einen beheizten Gusskörper, ein Metallgehäuse und einen Holzgriff“, erzählt Achim Cloer, der seit 2004 in der vierten Generation Geschäftsführer von Cloer ist. Unternehmensgründer war Caspar Cloer, der im Jahr 1898 eine Kunstschmiede gründete und eines der ersten elektrisch betriebenen Waffeleisen erfand. Die ersten elektrischen Eisen waren aus Stahlguss, genauso wie die Bügeleisen, die das Unternehmen ebenfalls herstellte. Sie wurden im Jahr 1936 auf der Leipziger Messe vorgestellt. Die drei Söhne von Caspar Cloer fertigten die Waffeleisen dann aus dem viel leichteren Aluminium.

Gebraucht wurde ein Thermostat, um die Temperatur wegen des niedrigen Schmelzpunktes zu begrenzen. Die Brüder Cloer fanden heraus, dass der Thermostat in dem Moment abschaltete, in dem die Waffel fertig war und sie einen guten Bräunungsgrad erreicht hatte. Mit dem Hinzufügen des roten Kontrolllämpchens war der Waffelautomat erfunden, der sich nach Achim Cloers Angaben gut verkaufte.

Seit Anfang der neunziger Jahre produziert das Unternehmen ausschließlich in Südchina. In den Bereichen Verwaltung, Entwicklung und Service sind in Deutschland 35 und in China zehn Mitarbeiter tätig. „Das Besondere ist“, erzählt der Geschäftsführer, „dass der Waffeleisenmarkt besonders klein ist und wir einen hohen Marktanteil haben.“ Er liege in Deutschland bei mehr als 40 Prozent und im Fachhandel noch höher. Cloer bietet zehn Waffeleisenmodelle an. Die Verkaufszahl sei sechsstellig. „Wir erzielen rund 15 Millionen Euro Umsatz im Jahr.“ Das bestverkaufte Waffeleisen, der Waffelautomat 1621, kostet rund 25 Euro. Das Unternehmen verkauft unter anderem auch Wasserkocher, Toaster und Barbecue Grills.

„Die Waffel ist ein Kulturgut“, sagt Cloer. Es sei eine ganz alte Tradition, dass Menschen zusammenkämen und Waffeln backten. Fernsehkoch Johann Lafer ergänzt: „Waffeln sind eine emotionale Erinnerung an unsere Kindertage, ein Inbegriff der sonntäglichen Familiengemütlichkeit. Ein Gericht, das Generationen verbindet.“

Waffeleisen sind regional unterschiedlich verteilt, „im Süden selten, im Norden selbstverständlich“, sagt Cloer. In Westfalen stehe in jedem Haushalt ein Waffeleisen. „Hier gehört ein Waffeleisen zur Grundausstattung, auch wenn man es nur einmal im Jahr verwendet.“ Südlich der Donau sind Waffeleisen eher selten, in Skandinavien dagegen alltäglich. Die Schweden feiern am 25. März sogar einen Tag der Waffel, den Vffeldagen.

„Deutschland ist Herzwaffelland“, berichtet Cloer. In Skandinavien sei eine dünne aus sechs Herzen bestehende Waffel sehr beliebt, und in Friesland wird die Hörnchenwaffel gebacken, eine dünne zum Hörnchen gerollte Waffel. An der Mosel sei die Zimtwaffel, ein viereckiger Keks, eine Besonderheit.

Jede Familie hat ihre eigenen traditionellen Rezepte, und laut Cloer darf man alles machen, nur nicht den Waffelteig kritisieren, denn „Waffelbacken ist Freestyle“. Für ihn jedoch ist Milch im Teig verboten; sie mache die Waffeln zäh. Sternekoch Lafer schätzt neben den klassischen Waffeln mit Puderzucker, Sahne und heißen Kirschen auch die herzhaften Varianten wie Parmesanwaffeln mit Blattsalat und Lachs.

Informationen zum Beitrag

Titel
Da geht der Oma das Herz auf
Autor
Karolin Bieder
Schule
Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung , Siegen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2016, Nr. 233, S. 20
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2015/2016
Kategorie
Print

Beruf und Chance