Hamburger geben Gummi

René Weber schwärmt von den vielen Anwendungsmöglichkeiten des Naturkautschuks. Er ist einer der Geschäftsführer des Unternehmens Weber & Schaer GmbH & Co. KG in Hamburg, das Importeur für Naturkautschuk ist und Vertriebspartner der Kautschuk-, Kunststoff- und Klebstoffindustrie. „Naturkautschuk findet sich in dicken Traktorreifen und in dünnwandigen Operationshandschuhen. Es gibt Schuhsohlen aus 100 Prozent Naturkautschuk und hochwertige Schaumstoffmatratzen“, berichtet Weber. Unverzichtbar sei er in der Dämpfung von Vibrationen. „Ein Auto ohne Motorlager aus Naturkautschuk wäre unglaublich laut.“ Nach Angaben des Unternehmens werden in Deutschland jedes Jahr gut 200000 Tonnen verarbeitet, etwa 70 Prozent in der Reifenherstellung und der Rest für technische Anwendungen und Konsumgüter.

„Alles beginnt damit, dass die Latexmilch aus dem Baum in eine Tasse tröpfelt“, erläutert Weber. Der Baum Hevea Brasiliensis stammt aus dem Urwald Brasiliens. „Heutzutage findet man große Plantagen hauptsächlich in Südostasien und Afrika, da es in Brasilien nicht geschafft wurde, industriell Plantagen anzubauen“, berichtet Jii Pachta, ein pensionierter Kautschukentwickler für das Technikunternehmen Freudenberg & Co. KG. Die Gebiete befinden sich in der Nähe des Äquators, wo es warm ist und genug regnet. „Noch vor dem Sonnenaufgang strömen die Sammler in die Plantagen und schneiden vorsichtig mit einem Messer in die Rinde“, erzählt Pachta. Nach ein bis zwei Stunden sei eine Tasse voll. Die Milch wird dann in Fabriken zu Festkautschuk verarbeitet.

Nach Pachta sind die Eigenschaften von Naturkautschuk einzigartig, obwohl es schon seit achtzig Jahren synthetischen Kautschuk gibt. In der Herstellung von Reifen wird Naturkautschuk für Lastwagen und synthetischer Kautschuk für Personenwagen verwendet, weil Naturkautschuk so fest ist, dass er einer hohen Belastung standhalten kann. Auch in den Reifen eines Flugzeugs und eines Space-Shuttles findet man große Anteile von Naturkautschuk. Ein großer Nachteil ist, dass er weich wird, wenn er in Kontakt mit viel Öl oder Benzin kommt.

Das Unternehmen, das siebzig Mitarbeiter beschäftigt, verkauft mehr als tausend Produkte. Es werden bis zu 20000 Tonnen an sechs Orten in Europa gelagert. „Die Resinex Germany GmbH, deren Mutterunternehmen in Belgien sitzt, macht Ähnliches wie wir“, berichtet Weber. Im Bereich Naturkautschuk ist die Centrotrade GmbH, die eine asiatische Muttergesellschaft hat, ein wichtiger Lieferant. Nur wenige deutsche Unternehmen seien im gleichen Bereich wie Weber & Schaer tätig. Nach Webers Angaben ist man im Bereich Naturkautschuk für technische Anwendungen in Deutschland Marktführer. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Umsatz von 150 Millionen Euro erzielt, 50 Prozent außerhalb Deutschlands. Die stark schwankenden Rohstoffpreise haben einen großen Einfluss auf die Höhe des Umsatzes.

Informationen zum Beitrag

Titel
Hamburger geben Gummi
Autor
Fiona Sauer
Schule
Gymnasium Ohmoor , Hamburg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2016, Nr. 257, S. 21
Projekt
Jugend und Wirtschaft 2015/2016
Kategorie
Print

Beruf und Chance